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Volltext: Alte und Moderne Kunst V (1960 / Heft 8)

wenig existent wie alle anderen 
Hindugottheitcn, Lebewesen und 
Dinge. So kommt es, daß man ihn 
in der Weise einer Rückühertra- 
gung oder Spiegelung als „Nara- 
yana", als „Über-den-XVassei-n- 
Schwebender" und Parameswara I 
„Herr" schlechthin verehrt und ihn 
gelegentlich sogar als Vater Brah- 
mas und der dritten Iiinitätsperson, 
Shivas, bezeichnet. An Vishnu 
knüpft sich ein Weltentstehungs- 
mythos, der in einem Relief des 
Tempels von Deogarh (um 500 n. 
Chr.) dargestellt ist. Der Gott liegt 
schlafend auf der Weltenschlange 
Ananta („Unendlich"); aus seinem 
Nabel entsprießt ein Lotos, auf des- 
sen Blüte Brahma sitzt. Vishnus 
Shakti, Lakshmi, und die Verkörpe- 
rung der Erde, Bhumi Devi,sitzen zu 
seinen Füßen, die von Lakshmi mas- 
siert werden. Der Sinn der Darstel- 
lung ist, daß die Schöpfung der Welt 
im Schlaf, in „schöpferischer Un- 
tätigkeit", erfolgt, daß die Welt so- 
zusagen geträumt wird. 
Vishnus Hautfarbe ist dunkelblau 
oder schwarz. Er hat vier Hände, 
von denen die beiden rechten die 
Keule Kaumodaki und den Lotos 
Padma, die linken den „Diskus" 
Vajranabha und die Muschel Pan- 
ehajanya halten. Sein Schwert heißt 
Nandaka, sein Bogen Sarnga. Auf 
seiner Brust sehen wir die Locke 
Sri-vatsa und das juwel Kaustubha. 
Vishnu ist gelb gekleidet und wird 
daher Pitamber genannt. Sein Ve- 
hikel ist das mythische Mensch- 
Vogel-Wesen Garuda, sein Himmel 
auf dem Berg Meru heißt Vaikun- 
tha. 
Vishnu verkörpert sich in 7ehn 
„Herabkün ften" oder Inkarnationen, 
1m ersten „Avatar" ist er ein Fisch, 
Matsya, und rettet als solcher die 
heiligen Schriften (Veden) aus der 
Sintflut. Im zweiten Avatar tritt er 
als Schildkröte, Kurma, auf und ist 
Initiator der Butterung des Milch- 
mceres, die zur Gewinnung des Le- 
benselixiers Amrita erfolgte. 
Als Schildkröte setzte er sich auf 
den Grund des Meeres; der Berg 
Meru wurde auf ihn gelegt, um den 
sich die Schlange („Naga") Vasuki 
wand. An dieser zogen die Götter 
und Dämonen so lange hin und her, 
bis vierzehn Schätze ausgeschieden 
waren, nämlich das Lebenselixier, 
der vollkommene Arzt Dhanwan- 
tari, Vishnus Shakti Lakshmi, die 
Gottheit des Weines, Sura, der 
Mond, Chandra, die „Fee" (Apsara) 
Rambha, ein Inbild weiblicher Lieb- 
lichkeit, das achtköpfige Pferd Uch- 
chaih-sravas, die „Kuh des Über- 
flusses" Surabhi, der Elefant Aira- 
ZUR IKONOGRAPHIE 
INDISCHER KUNST 
ERNST 
KC 
LLER
	        

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