MAK

Volltext: Alte und Moderne Kunst V (1960 / Heft 8)

1 Brnhma. Stein, Höhe 93,90 cm. Bagh. 
Prov. Madhyzi Bharat, 13. jahrh. n. Chr. 
Gwalior, Archneological Museum. Von 
den vier Köpfen des Gottes sind - wohl 
aus technischen Gründen - nur drei 
wiedergegeben. Die typische Krönung 
durch Tiaren ist deutlich erkennbar. Die 
vier Arme mit den Attributen sind größ- 
tenteils weggcbrochen. Indien-Ausstel- 
lung, KnL-Nr. 208. 
2 Shiva und Parvati (Uma-Mahesvara). 
Stein, Höhe 100 cm. Khajuraho, 11._]h. 
Beide Gottheiten sind mit ihren Vehi- 
keln, dem Stier und dem Tiger, darge- 
stellt. lhr Aspekt als Fruchbarkeitsgott- 
heilen kommt hier in besonders schöner, 
ins Zärtliche gesteigerter Weise zur Gel- 
tung. Unter den zahlreichen Assistenz- 
iiguren sind Brnhma und Vishnu erkenn- 
bar. 
3 Viahnu, viemrmig, mit seiner hohen, 
Kirita genannten Kopfbedeckung. Stein, 
Höhe 123 cm. Früher Vijayanagar-Slil, 
14. jh., Government Museum, Madras. 
Links: Sridevi, Höhe 97,5 cm. Rechts: 
Bhudevi, Höhe 95 cm. Indien-Ausstellung, 
Kam-Nr. 320-322. Während die beiden 
inneren Arme Vishnus „Mudras" voll- 
ziehen, hallen die äußeren Hände den 
Lotos, Padma und die Muschel Pancha- 
yana. 
4 Frics mit den zehn Inkarnationen des 
Vishnu. die von rechts nach links abzu- 
lesen sind: 1. Fisch (Matsya), 2. Schild- 
kröte (Kurma), 3. Eber (Varaha), 4. 
Mann-Löwe (Nara-Simha), S. Zwerg 
(Vamuna), 6. Rama mit dem Beil (Pa- 
rncu Rama), 7. Rama mit dem Bogen 
(Rama Chandra), 8. Vishnu als sein 
eigener Sohn Krishna. (Balarama), 9. 
Vishnu als Buddha, 10. Inkarnation am 
Ende aller "Tage. zu Pferde, mit kometen- 
gleichem Schwert. Indien-Ausstellung, 
Kam-Nr. 256. 
vata als Vehikel des Regengottes ln- 
dra, die Siegesmuschel Sankha, der 
berühmte Bogen Dhanus und schließ- 
lich das Gift Visha. 
Im dritten, in der bildenden Kunst 
mit Vorliebe dargestellten Avatar, 
ist er der Eber Varaha, der die in 
den Ozean versenkte Erde hervor- 
hob. In einem Relief der Wulada- 
lundha-Höhle von Mamallapuram 
(7. jh. n. Chr.) sieht man den eber- 
köpfigen stehenden Vishnu, wie er 
die Personifikation der Erde, Bhumi- 
Devi, wie ein Kleinkind auf dem 
rechten Arm hält. In der ältesten 
rein hinduistischen Skulptur, einem 
riesigen Felsrelief, in der llöhle zu 
Udayagiri (um 400 n. Chr.) sitzt 
Bhumi-Devi winzig klein auf der 
Riesengestalt des eberköpfigen Got- 
tes, der die Erde eben aus der Ge- 
walt des Dämonen Hiranyaksha be- 
freite. 
Im vierten Avatar ist Vishnu der 
Menschen-Löwe Nara-Simhal, im 
fünften der Zwerg Vamana. In die- 
ser Gestalt überlistete er den Dä- 
mon Bali, den „Herrn der drei Wel- 
ten", indem er ihn bat, ihm so viel 
Land abzutreten, als er mit drei 
Schritten abzuschreiten vermochte. 
Während dieses Aktes wuchs der 
Zwerg ins Riesenhafte und nahm 
mit seinen Schritten Himmel, Erde 
und Unterwelt in Besitz. Auch die- 
ses grandiose Thema ist in einem 
Relief der Wuladalundha-Höhle mit 
aller Anschaulichkeit gestaltet. Im 
sechsten Avatar ist Vishnu „Rama 
mit dem Beil" (Paracurama), im sie- 
benten „Rama mit dem Bogen", Ra- 
ma Chandra. Im achten Avatar wird 
Vishnu zu seinem eigenen mythi- 
schen Sohn Krishna („Der Schwar- 
ze"), im neunten inkarniert Buddha 
sich in ihm und im zehnten wird er 
zu Kalki, der Inkarnation am Ende 
aller Tage: Er sitzt auf kreide- 
weißem Pferd und schwingt ein ko- 
metengleiches Schwert, um die Ver- 
dammten zu vernichten und die Er- 
neuerung der Schöpfung einzuleiten. 
Vishnus Shakti heißt Lakshmi oder 
Sri. Sie, die Gottheit des Glücks und 
des Überflusses, wird mit der "ide- 
alen Frau" Rambha, dem sechsten 
der durch die Butterung des Milch- 
meeres gewonnenen Schatze, gleich- 
gesetzt. Auch sie ist gelb gekleidet 
pnd wird zumeist in Verbindung mit 
Vishnu auf einer Lotosblüte sitzend 
dargestellt. Ihre Attribute sind ein 
Rosenkranz und die Schnur Pasa, 
ein Symbol des weltenumgürtenden 
Ozeans. Ihr Sohn ist der Liebesgott 
Kama Deva. Sie gilt nicht nur als 
Schutzgottheit der Hindufrauen, 
sondern auch als „Unsere liebe Frau 
von Bombay". 
Shiva, die dritte Person der Tri- 
murti, ist in Europa wohl die be_- 
kannteste Figur des hinduistischen 
Pantheons, weil er, der „Große 
Gott", Mahadeva, als Zerstörer und 
damit als Vorbereiter der Umwand- 
lung und Erneuerung der Welt von 
einem besonderen Odium der 
Schreckhaftigkeit umgeben ist. Aber 
oft genug erscheint er mit seiner 
Shakti Parvati auch in günstigen 
Aspekten. Er ist bereits in den frü- 
hesten noch längst vorarischen Kul- 
turen Indiens nachweisbar (Mohen- 
jo-Daro, llarappa) und wird vor 
allem im Süden des Subkontinents 
verehrt. Seine Gestalt verschmilzt 
unter dem Aspekt der All-Einheit 
gelegentlich mit der Brahmas und 
Vishnus. Seine Hautfarbe ist silbern 
oder weiß, er hat als „Pancamukhti" 
fünf Köpfe. wobei jedes Gesicht drei- 
iugig ist und von einem Halbmond 
gekrönt wird. In dem bekanntesten 
Höhlentempel Indiens auf der Insel 
Elephanta bei Bombay befindet sich 
eine riesenhafte, dreigesichtige Bü- 
ste, die in der Volksmeinung als Ver- 
körperung der Trimurti schlechthin 
galt, in Wirklichkeit aber eine Dar- 
stellung Shivas mit drei Gesichtern 
(trimukha) ist: der milde, strenge 
und furchterregende Aspekt des 
Gottes wird so in einem wieder- 
gegeben. 
Shivn hält mit seinen oberen zwei 
Armen die Antilope Mrigu und den 
Dreizack (Trisula), manchmal auch 
den Dreizack und die Schnur Pasa 
oder die Antilope und die Muschel 
(Sankha), respektive die Trommel 
Damaru. Die dritte seiner vier Hände 
vollzieht das Mudra der Furchtab- 
Weisung, die vierte das der Segnung. 
Oft wird Shiva auch mit Waffen in 
allen vier Händen dargestellt: 
Schwert, Pfeil, Bogen und Keule 
(Kathvanga). In sein Haupthaar sind 
Kobras eingeflochten, um seinen 
Hals hängt eine Kette von Men- 
schenköpfen. Er ist mit einem Ti- 
gerfell oder einer Elefantenhaut be- 
kleidet,sein Vehikel ist der hochver- 
ehrte Stier Nandi. Beim Weltunter- 
gang, Maha-Pralya, tritt Shiva in 
seinem schrecklichsten Aspekt als 
Maba-Kala, auf. Andere Aspekte 
sind: Bhairava, wobei der Gott mit 
acht waffenschwingenden Armen 
versehen und mit der Elefantenhaut 
bekleidet ist, zuweilen auch an- 
stelle des klassischen Stieres von 
einem Pferd oder einem Hund be- 
gleitet wird, ferner: Vira Bhadra, in 
der wir den schwerbewaffneten Gott 
in Begleitung von Sonne, Mond, des 
Stieres Nandi, der beiden sexuellen 
Symbole Linga und Yoni sowie des 
ziegenköpfigen Daksha sehen. Diese
	        

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