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Volltext: Alte und Moderne Kunst V (1960 / Heft 9)

rungswesen entscheidend beeinflußt haben. Die 7,5 m 
hohe Ringmauer, die Bockfließ umgibt, ist mit Zinnen 
und Schlüsselscharten versehen, aus denen Gewehre den 
breiten Graben unter Feuer halten konnten, und auch 
vom Dachboden des Hauptgebäudes aus ließen sich 
leichte Geschütze gegen den Feind richten. Besonders 
merkwürdig ist die starke Böschung der Mauern des 
dreigeschossigen Wohngebäudes. die im Erdgeschoß eine 
Dicke von fast ßl-m haben; sie sollten Schutz gegen 
Minenangrifle bieten und außerdem die Beschießung 
eines etwa in das Mauergeviert eingedrungenen Fein- 
des von oben herab ermöglichen. Den lirontflügcl des 
Baus bekrönte ehedem ein vierkantiger Turm, der im 
Türkenjahr 1683 zerstört und danach nicht wieder cr- 
richtet wurde. Dafür kam am Ende des 18. Jahrhunderts 
das Dachgeschoß in seiner heutigen Form mit den teil- 
weise blinden Rundfenstern hinzu, das die ursprüngliche 
Zinnenbekrönung ersetzt. Das Innere dieses mächtigen 
der Verteidigung; trotz der Umgestaltung der March- 
egger Burg zu einem barocken Schloß hat die Anlage 
an der Nordseite bis in unsere Zeit das stämmig wehr- 
hafte Aussehen bewahrt, das dem ganzen turm- und 
mauerverstärkten Bau im letzten Drittel des 17. jahr- 
hunderts eigen war. 
Georg Matthäus Vischer hat in seinem berühmten 
topographischen Werk von 1672, „Topographia archidu- 
catus Austriae inierioris. Conterfce und Beschreibung 
aller Stätt, Clöster und Schlösser, wie sie anietzo stehen 
im Erzhertzogthum unter der Enns", neben zahlreichen 
anderen auch die hier erwähnten Schlösser abgebildet. 
Aber wenig später wandelt sich das Gesicht dieser Bau- 
ten, aus den alten Burgen werden Schlösser im eigent- 
lichen Sinn des Wortes; eine neue Epoche beginnt am 
Ende des 17. Jahrhunderts, die Epoche des österreichi- 
schen Barocks. Von ihr und ihren Bauten und Umbauten 
im Marehfeld soll ein anderes Mal die Rede sein. 
 
Baublocks birgt eine Überraschung: einen schönen Re- 
naissancehof, dessen Arkaden in zwei Geschossen den 
engen Raum umziehen und die Mauermasse aullockern. 
Das sind diejenigen unter den Marchfeldschlössern, die 
den Charakter einer Zeit, in der die Burg ehen vorab 
Verteidigungsanlage und Befestigung war, verhältnis- 
mäßig unverändert bis heute bewahrt haben. Andere 
wieder sind längst zerstört oder wurden spiiterhin um- 
gebaut. Fast alle aber verdanken ihren Ursprung den 
beiden Flüssen, die das Marchfeld im Süden und Osten 
umschließen: der Donau, die seit je wichtigster Ver- 
kehrs- und Handelsweg nach dem Osten war, und der 
March, die als Grenzfluß stets eine bedeutende Rolle 
gespielt hat. Eekartsau etwa, in dessen Namen ja schon 
die stromnahe Lage anklingt, war in seiner alten Form 
eine Wasserburg, die sich das Gewirr der schützenden 
Nebenarme der Donau zunutze machte; vierflügelig wie 
auch die spätere barocke Anlage des 18. Jahrhunderts, in 
die auch der Nordteil der alten Burg eingegangen ist. 
Von einer anderen Burg, Graienweiden, die nahe dem 
heutigen Niederweiden, also gegen die March zu, lag, 
ist jetzt kaum mehr eine Spur zu sehen; sie hatte einst 
den Donauübergang bei Deutsch-Altenburg wie auch die 
alte Ungarnstraße über die March zu schützen. Eine 
Grenzbefestigung gab es im Mittelalter auch in Markt- 
hof an der March; ihre Nachfolgerin, die Vesle llof 
aus dem Anfang des 17. Jahrhunderts, sollte später den 
Kern des Prunkbaus von Schloßhof bilden, der im Aul- 
trag des Prinzen Eugen von Savoyen entstand. Auch 
die Gründung des Böhmenkönigs Ottokar Przemysl, 
Marehcgg, diente mit ihrer Burg dem Grenzsehutz und 
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1 Schloll Sachsengang im Marehlield. 
(Kupferstich von (jcurg Matthäus Vischer.) 
2 Schloß Saehsengang, Ansicht von Westen.
	        

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