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Volltext: Alte und Moderne Kunst V (1960 / Heft 9)

Auffallend ist zunächst die Tatsache. daß aus der Mitte 
und der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts nahezu keine 
Bozzetti vorhanden sind, wohl aber eine größere Zahl 
von Handzeichnungen. Gegen die Mitte des 18. jahr- 
hunderts mehrt sich dann der Bestand an Skizzen und 
Handzeichnungen. Hier wären außer den tirolischen 
Sammlungen noch die Galerien von Wien, Graz, Mün- 
chen, Nürnberg, Augsburg, die Sammlung Wilhelm 
Reuchschel in München und die graphischen Sammlun- 
gen in Wien (Alhertina, Akademie), Budapest, Lemberg, 
München und Nürnberg zu Rate zu ziehen. 
Alle großen Namen von Tiroler Barockmalern sind in 
den vorhin erwähnten Museen und Sammlungen zu fin- 
den: Troger, Grasmair, Mildorfer, die Unterberger und 
Zeiller, Holzer, llnller, Knoller und Schöpf, daneben 
zahlreiche Maler von geringerem künstlerischen Rang. 
Mehr als hundert Tafelmaler und Freskanten sind in den 
zwei Jahrhunderten von 1580 bis 1780 aus Tirol hervor- 
gegangen, angefangen von den Gebrüdern Schor und 
Waldmann, von Orazio Giovanelli, Giuseppe Alberti und 
P. Andrea P0220 bis herauf zu Puellacher, Altmutter und 
Ignaz Llnterherger, Antonio Longo und Domenico Zeni. 
Besonders dicht liegen die Geburten nach 1650: Johann 
Anton Gumpp, Kaspar Wnldmann, Ulrich Glantschnigg, 
Nikolaus Auer, Simon Übertrnchter, Giaeomo Antonio 
 
Delai, Franz Michael Hueber, Johann Georg Plazer, 
Simon Benedikt Faistenberger, Benedikt Auer, Valentino 
Rovisi, Franz Leitensdorfer, Josef Magcs, Jakob Philipp 
Greill, Philipp Haller, Josef Haller, Josef Adam Mölk, 
Josef Anton Zoller, Christoph Anton Mayr, Michael 
Strickner, Josef Renzler, Josef Jais, Josef Keller, Anton 
Kirchehner und noch viele andere reihen sich hier mit 
mehr oder weniger geschickten und gekonnten Arbeiten 
ein. Gar mancher davon sticht trotz seines bescheidenen 
Talents durch originelle Eigenart hervor, wie etwa der 
volkstümliche Schwazer Maler Christoph Anton Mayr. 
Mögen die Hauptmeister unter den Tiroler Malern der 
Barockzcit wie Paul Troger, Michelangelo Unterberger, 
Johann Jakob Zeiller und Martin Knoller ihre Haupt- 
werke größtenteils außerhalb des Landes, in Österreich, 
Ungarn, Mähren, Süddeutschland. im lirankenlande und 
in Italien geschaffen haben, so haben sie auch alle ihrer 
Heimat mit Glanzleistungen die Ehre erwiesen, Troger 
in dem gewaltigen Deckenfresko des Brixener Domes}, 
M. Unterberger ebenda und in Innsbruck, Johann Jakob 
Zeiller in Elbigenalp und Reutte, Knoller in der Karls- 
kirche zu Volders und in der Grieser Stiftskirche, im 
Parissaal zu Innsbruck u. m. a. Nicht weniger als ein 
Dutzend Kirchen hat der augsburgische Akademiedirek- 
tor Matthäus Günther in Tirol freskiert und ebenso- 
viele der hrixnerische Hofmaler Franz Anton Zeiller. 
Eine reiche Ernte hat uns die Barockzeit hinterlassen. 
Das künstlerische Schwergewicht hatte sich im Gegen- 
satz zum Mittelalter nach Nordtirol verlagert, während 
der Süden nicht mehr jene Aufnahmebereitschaft zeigte 
wie ehedem. Die reiche Tätigkeit des Malers Gasparan- 
tonio Baroni di Cavalcabo aus Sacco im Lagertal südlich 
von Trient steht isoliert und fand keine Fortsetzung in 
dem welschtirolerischen Teil des alten Landes Tirol. 
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