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Volltext: Alte und Moderne Kunst V (1960 / Heft 9)

 
 
 
Ein Faktor ist es vor allem, dcr das 
Ausstellungsleben Salzburgs wäh- 
rend der Festspielzeit in immer 
stärkerem Ausmaß vom Range 
einer bloßen „Begleitmusik" zu 
echtem Geschehen von positiver Be- 
deutung emporhebt, nämlich die 
ganz organisch und natürlich ge- 
wachsene Idee des Wettbewerbes 
zwischen privaten und öffentlichen 
Institutionen: Die Behördenwelt gibt 
sich, in Zusammenwirken von Stadt 
und Land alle nur erdenkliche 
Mühe, um die Residenzgalcrie und 
ihre Möglichkeiten zu aktivieren. 
Die heuer zum zweiten Male abge- 
haltene Biennale christlicher Kunst 
ist ohne Symbiose mit der Kirche 
nicht denkbar, und last, but not 
least, entfaltet der Salzburger 
Kunsthändler Friedrich Wclz eine 
Tätigkeit, die zumindest der eines 
Hechtes im Karpfenteich gleicht, 
darüber hinaus aber mit bedeuten- 
den Leistungen aufwarten kann. 
Die Residenzgalerie hat sich heuer 
mit der Ausstellung „Die Alpen- 
Malerei aus sieben Jahrhunderten", 
die in Zusammenarbeit mit dem 
Österreichischen Alpenverein unter 
der wissenschaftlichen Leitung von 
E. H. Buschbeck zustandekam, ein 
wenig übernommen. Das liegt vor 
allem an dem unpräziscn, schwer 
abzusteckenden Thema: Soll die 
Ausstellung eher nach topographi- 
schen oder nach historisch-ästheti- 
schen Gesichtspunkten gestaltet 
sein, soll der Begriff „Alpen" im 
strengsten und engsten Sinn des 
Wortes genommen und interpretiert 
werden-oder ist „ideale"Gebii-gs- 
darstellung wie etwa bei Bruegel 
d. Ä. zulässig? All diese Fragen sind 
aus der Natur der Sache heraus 
nicht erschöpfend und befriedigend 
zu beantworten und so kommt es, 
daß die Ausstellung lediglich in 
ihrem Kern, also dort, wo alle Mög- 
lichkeiten zur Deckung kommen, 
wirklich befriedigt. Auf die Expo- 
nate bezogen, heißt dies, daß die 
Malerei des 19. Jahrhunderts am 
glücklichsten davonkommt, weil sie 
zugleich topographisch und ästhe- 
tisch orientiert ist. Hier interessiert 
besonders die Konfrontation zwi- 
schen den beiden „Großmiichten" 
der Alpenmalerei dieses Zeitalters, 
Österreich und der Schweiz. Die 
Schweizer - besonders des dritten 
Viertels des 19. Jahrhunderts - er- 
leben ihre Berge in ihrem grandios- 
pathetischen, eher furchteinllößen- 
den, in eindrucksvoller Synthese 
zwischen Romantik und Realismus 
vorgetragenem Aspekt (Calame, 
Frölieher, Menn, König), die Oster- 
reicher sehen „schöner", weicher,
	        

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