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Volltext: Alte und Moderne Kunst V (1960 / Heft 10)

lieh-wohnlichen Mobiliar jener liebenswürdigen Zeit cin- 
gerichtet und vermittelt uns zusammen mit den schönen 
Familienbildern, mit all den kleinen Dingen, die in den 
Vitrinen verwahrt sind, einen lebendigen Eindruck von 
den damaligen Bewohnern des llauses und ihrer Lebens- 
art. Es war eine stille Zeit, in der man sich mit Muße und 
Genuß seinen Interessen, künstlerischen Liebhabereien, 
widmen konnte. Lud nicht die liebliche Landschaft um 
Gresten dazu ein, Bleistift und Skizzenbueh, Malkasten 
und Pinsel zur lland zu nehmen und die bewaldeten 
Höhen, Wiesen und Bach, Dorf und Bauernhäuser, Land- 
leute und Herden in kleinen Bildchen festzuhalten? Oder 
war das alles nicht auch dazu angetan, um ein Gedicht 
entstehen zu lassen? Beide Künste, Malerei und Poesie, 
wurden damals im Seblosse Stiebar fleißig geübt, liebe- 
voll gepflegt und ihre Meister und jünger fanden hier 
stets ein gGStllChCS Haus. Allen voran die Familie Alt, 
war doch Vater jakob Alt mit einer Grestncrin, Anna 
Schaller, verheiratet, weilte daher oft in dem Heimatort 
seiner Frau und kam so mit der Schloßherrschaft in 
engeren Kontakt. Noch mehr aber war es sein Sohn 
Franz, der mit der Familie Knorr freundschaftlich ver- 
bunden war. Er erteilte Zeichen- und Malunterricht im 
Schloß und hatte im Verwalterhaus eine ständige Som- 
merwohnung. Doch auch andere Wiener Künstler, so 
Krichuber und Johann Ender, von dem die meisten 17.14 
milienporträts aus jener Zeit im Schlosse stammen, wa- 
ren häufige Gäste in Stiebar. - Zahlreiche Blätter 
dieser Künstler, Landschaften, Ansichten von Gresten 
und Stiebar, eine Ausfahrt der Familie zu einer Land- 
partie, minutiöse Interieurs des Schlosses, Skizzen vom 
abendlichen Beisammensein beim Kartenspiel oder beim 
Vorlesen eines Buches - werden noch heute im Schloß 
verwahrt. - Mit josepbine Freiin von Knorr, die sich 
als Dichterin einen Namen gemacht hat, trat zu den 
künstlerischen Interessen der Schloßbewohner auch noch 
die Poesie hinzu Und so gesellten sich nun zu den Ma- 
lern die Dichter, unter ihnen besonders Ferdinand von 
Saar und Marie von Ebner-lisehenbach, die als will- 
kommene Besucher in Stiebar herzlich aufgenommen 
wurden. 
Es gibt in Niederösterreich wenige Schlösser, deren Ein- 
richtung über die Wandlungen des Geschmacks und der 
6 Salon mit barocker l-lin- 
richtung. 
7 Der große Saal des Schlos- 
ses, in welchem während des 
Sommers 1969 die Ausstellung 
von Blumenaquarellen .,l1in 
unbekanntes Hetbilfltlh! von 
Jakob Alt" gezeigt wurde. 
8 Das japanische Kabinett 
9 Ein Wztndfeld mit Tapete 
im japanischen Kabinett. 
10 Salon mit Biedermeierein- 
richtung. 
 
 
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