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Volltext: Alte und Moderne Kunst V (1960 / Heft 10)

Pöll-Luater, einem der ganz weni- 
gen „zentralen Heleuchtungs "rpei" 
dieser Triennale. Das ganze war 
sehr modern und wirkte trotzdem 
repräsentativ und traditiomhe- 
wußl. 
Die Stücke in den Vitrinen hicllen 
der internationalen Konkurrenz 
mühelos stand, das Besteck und 
das Serviee von C. Auböck, die von 
der Firma Neuzeughammcr nach 
Entwürfen von C. Auböck herge- 
stellten Bestecke und Gefäße, das 
Teeservice und das elegante Be- 
steck von F. Hagenauer - alle diese 
Dinge waren vorbildlich für die 
Kombination verschiedener Mate- 
rialien wie Stahl und Holz. Ge- 
rade diese Dinge, die eine spezifi- 
sche Wiener Note zeigen, hätten im 
 
Stil ohne weiteres zu den besten 
skandinavischen Stücken gcpaßt; 
auf der Stiege, in der Sondcrschatl 
„Glas und Stahl", konnte man ihre 
innere Verwandtschaft zu finni- 
schen oder dänischen Stahlgclilßen 
unmittelbar beobachten. Die [ersten 
Dinge waren einander zum Ver- 
wechseln ähnlich, sieht man von 
kleinen formalen, nationalen Un- 
terschieden ab. Es zeigte sich gerade 
bei den Gebrauchsgegensläilden aus 
Stahl, daß man mühelos eine Woh- 
nung ohnc Stilbruch aus intern-nie- 
nalen Beständen einrichten könnte: 
die „strenge Form" ist über die Gren- 
zen hinweg verschwisterungslähig. 
Das Mokkagesehirr von G. Bau- 
disch, dessen dunkle Strenge ge- 
rade von soviel Verbindlichkeit aul- 
10 Lehnstuhl. Stahl und Leder. 
Ausführung: Karl Trakl (Smhl 
nlwu 
md l 
I: Prof. Alfred Soulck, Wien. 
"anz Augustin (Leder), Wien. 
gehoben wird, wie es sieh fürs 
Mokkatrinkcn zicmt, das Porzellan 
von F. Lischka und von U. Klas- 
mann hatten im Finale mit däni- 
sehem und deutschem Porzellan die 
hesten Chancen und das heißt viel; 
denn das dänische Porzellan ist her- 
vorragend und übrigens in seiner 
Einfachheit durch lingerspitzeniühl- 
sarne Riifclung gemildert. Und das 
deutsche Porzellan, auf jede Schwei- 
iung und Ausschweifung verzieh- 
tend, jeden Dekor unterdrückeztd, 
gehörte zur Spitzenklasse. 
Das von A. Soulek entworfene 
Weinglas der Tiroler Glashütte mit 
seinem etwas „müde-n" Kelch - 
aber gerade die Lässigkeit wirkte 
elegant - zählte zu den besten Glä- 
sern der ganzen Triennale. Die Ge- 
denkvitrine für Oswald Ilaerdtl er- 
innerte an die hohe traditionelle 
Qualität des österreichischen Kunst- 
gewerbes. H. Leinlellners außeror- 
dentlich reizvolle Wand aus (f 
bausteinen weist dagegen in die - 
kunft. Die Wollner-Stofie unter- 
strichen das edle „understatemenf 
mancher österreichischer Erzeug- 
nisse. 
Gegenüber den Vitrinen hatte ein 
Wahn-Ensemble Stil und Qualität: 
kräftige, charaktervolle Sessel aus 
hellem Leder von A. Soulek, ein 
Schreibtisch und ein Büeherkaslcn 
von N. Sehlcsinger, die Schreibgar- 
nitur von C. Auböck und die dazu- 
passende schöne Lampe von K. Gru- 
ber. Um so schöne Bucheinblinde 
wie jene in der Vitrine (von U. Kör- 
ber und L. Bujatti) zu finden, muß 
man von Wien nach Mailand lah- 
ren, ebenso um den Bildhauer R. 
Wach kennenzulernen, der mit einer 
Metallplastik vertreten war. Der 
Wandteppich von Maria Bilger-Perz 
mit seinen farbigen Akzenten hielt 
diese ganze Wohnbühne zusammen. 
Seitlich ins Dunkel gerückt war die 
Demonstration industrieller Form- 
gebung mit tadellosen Objekten von 
Reichert und liumig. 
Das österreichische Team brauchte 
das grelle Licht der Triennale nicht 
zu scheuen. - Dänemark war si- 
cher eine Länge voraus, doch mit 
Finnland lag Österreich diesmal si- 
eher Kopf an Kopf, hingegen blieb 
die Deutsche Bundesrepublik in 
betonter Sachlichkeit etwas zurück. 
Als Lehre für die zu Haus: Geblie- 
benen ergab sich: man sollte nicht 
erst im vorletzten Augenblick Aul- 
träge vergeben, sondern im Ver- 
trauen aui unsere Künstler das öster- 
reichische Kunstgcwerbe (kritisch) 
fördern, damit man alle drei Jahre 
nur die besten Stücke zu nehmen 
braucht. 
 
 
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