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Volltext: Alte und Moderne Kunst V (1960 / Heft 11 und 12)

URSPRUNG 
DES 
MODERNEN 
GLASHAUSES 
DONAT 
'DE 
lAPEAUROU( 
In der modernen Architektur hat 
- soweit es sich um Großbauten 
handelt - mehr und mehr jene 
Gruppe von Werken die Oberhand 
gewonnen, bei der alle Stützen aus 
Stahlbeton gefertigt sind und deren 
äußere Erscheinung vornehmlich 
durch ausgedehnte Glaswände ge- 
bildet wird. Es spielt dabei keine 
Rolle, 0b diese Häuser bewohnt 
werden, 0b sie als Büros oder als 
Fabriken dienen. Einige Beispiele 
mögen dies verdeutlichen. 
An den Anfang sei ein Verwal- 
tungsgebäude gestcllt, und zwar das 
der Mannesmann AG. in Düssel- 
dorf, welches kürzlich seiner Be- 
Stimmung übergeben worden ist} 
Bereits vor dem Ersten Weltkrieg 
hatte Peter Behrens hier einen Bau 
errichtet. der durch den Verzicht 
auf jegliches Ornament für die da- 
malige Zeit von großer Bedeutung 
war (auf der Aufnahme rechts un- 
ten). Lediglich die beiden Eckrisa- 
liten setzen mit ihren langen, die 
Vertikale betonenden Fenstern 
einen lebhaften Akzent neben den 
Mitteltrakt mit seinen ganz gleich- 
förmig angeordneten Fenstern. 
Diese liassade wirkt trotzdem heute 
ausgesprochen klassisch. und zwar 
nicht nur wegen ihrer Form, son- 
dern vor allem wegen ihrer Exi- 
stenz. Die spätere Baukunst hat 
mit Vorliebe auf die Fassade als 
solche grundsätzlich verzichtet. Der 
moderne Anbau an das Verwala 
tungsgebäude von Behrens ist hier- 
für ein typisches Beispiel. Zunächst 
ist der Eingang - bei Behrens 
noch durch ein von Säulen getra- 
genes Dach besonders markiert - 
auf das sichtbar gemachte Trage- 
gerüst, nämlich auf bloße Rund- 
pfeilcr, reduziert. Eigentlich han- 
delt es sich hier nur mehr um eine 
aus der Wand ausgesehnittene 
Öffnung. Was in früherer Baukunst 
das Portal war, ist hier nicht bloß 
negiert, sondern geradezu in sein 
Gegenteil verkehrt: die Wand, die 
das ganze Hochhaus umzieht, ist 
dem Eingang vorenthalten. Vor 
allem ist jedoch die alte Wirkung 
einer Fassade schon dadurch auf- 
gehoben, daß der Bau auf allen vier 
Seiten die gleiche Gliederung auf- 
weist. Der Stahlskelettbau wird 
außen von Aluminium-Profilen um- 
geben, in die sowohl die Glasfen- 
ster als auch die blau-weiß gestri- 
chenen Brüstungen aus Stahlblech 
eingelassen sind. Das (iebäudc ist 
etwn 90m hoch; es hat eine Länge 
von 37 m und eine Breite van 15 m. 
Es wurde geplant von den Architek- 
ten Paul Schneider-Esslebcn und 
Herbert Knothe. 22 Bürageschoße 
erheben sich über der Eingangs- 
halle und über dem Stockwerk mit 
den Konferenzräumen. 
Ist heim Mannesmann-Hochhaus je- 
denfalls noch ein sehmälercr Ku- 
bus mit dem Namen der Firma auf 
das oberste Geschoß gesetzt, wo- 
durch ein oberer Ahsehluß gefun- 
den ist, so wirken die Hochhäuser, 
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