MAK

Volltext: Alte und Moderne Kunst VI (1961 / Heft 42)

Philips-Werken, Eindhoven (Hol- 
land), einen Käufer gefunden, so- 
daß die übrigen Arbeiten bis heute 
an ihren alten Plätzen stehen. 
Für die zweite Mannschaft aber, 
die am 2-}. September zur Eröff- 
nung ihrer „Ausstellung" im Stein- 
bruch einlud, war das sichtlich ein 
nicht geringer Vorteil. Sie mußte 
nicht beginnen, sondern konnte sich 
von vornherein mit Vorhandenem 
vergleichen und anders überlegen. 
Das soll nicht heißen, daß die vor- 
jährigen Arbeiten schlecht gewesen 
wären, aber einige von ihnen Wa- 
ren sichtlich noch ein wenig unge- 
lenk, als ob sie der Steinbruch noch 
nicht so richtig aufgenommen und 
das Neue des ganzen Unternehmens 
ein wenig behindert hätte. In die- 
sem jahre jedenfalls wirkt vieles 
selbstverständlicher. Der Steinbruch 
selber hat offenkundig ja gesagt. 
Auch die österreichischen Gastge- 
ber konnten schon mit mehr Er- 
fahrung zu Werke gehen. 
Nichts wäre jedoch verfehlter als 
anzunehmen, daß das diesjährige 
Symposien nun etwa bcwußt auf die 
Schaffung plastischer Symbole, Zei- 
chen und Botschaften ausgegangen 
sei. Keine Spur. Sondern jeder oder 
doch fast jeder der beteiligten Bild- 
hauer hat cinfach aus dem Erlebnis 
der einzigartigen Stcinbruchswelt, 
der Kameradschaft und natürlich 
auch des Steines heraus zu arbei- 
ten begonnen, und so hat ganz von 
selber etwas Freies und Beschwing- 
tes entstehen können. Da das ver- 
schiedene Menschen waren, die diese 
sechs Wochen eines relativ sorg- 
losen tätigen Daseins auf sich wir- 
ken ließen, kamen natürlich auch 
verschiedene Ergebnisse zum Vor- 
schein, aber nur bei ganz Wenigen 
hat dann eigentlich doch die vorge- 
faßte Vorstellung, das gleichsam 
mitgebrachte Konzept gesiegt. Die 
anderen haben das ihnen zuteil ge- 
wordene Erlebnis einer starken und 
beglückendcn Umgebung und son- 
stiger befreiender Lebensumstände 
plastische Erscheinung werden las- 
sen, wodurch diese ohne eine be- 
sondere Absicht, ein besonderes Zu- 
tun als lebendiges Zeichen und als 
Botschaft der Freiheit gelten kann. 
Wie sehr der St. Margarethener 
Steinbruch, die ganze Landschaft 
und eben auch die dort schaffen- 
den Künstler eine Einheit bilden, 
geht schon daraus hervor, daß 
selbst die Besucher der Freilicht- 
Ausstellung, die eigentlich mit den 
einzelnen Werken nicht viei anfan- 
gen können, weil sie den Anhalt an 
ihre optische Erfahrungswelt ver- 
missen, berührt sind, weil sie eben 
die Einheit spüren. Wohl gibt es 
manche. die behaupten, daß die 
Plastiken vom Steinbruch „erschla- 
gen" werden, aber gerade dieses Ur- 
teil ist besonders oberflächlich. Na- 
türlich ist die Natur-„Arena" des 
Steinbruchs sehr viel großartiger als 
das, was die Plastiker geschaffen 
haben, aber der Steinbruch nimmt 
sozusagen das Gesehaffene willig 
an. Er läßt es gerade in seiner 
„Kleinheifj die sicher manchmal 
nicht nur die des Formates ist, be- 
stehen und gibt sich verschwende- 
risch als Bühne und Kulisse her. Ihn 
interessiert, wenn man das so sa- 
gen darf, nicht das Meisterwerk, 
sondern die Kommunikation des 
bildnerischcn Tuns mit ihm, und 
die ist bei den meisten Arbeiten un- 
verkennbar. 
In ihrer eigenen Welt am stärksten 
festgehalten blieben die beiden is- 
raelitischcn Künstler Achiam (geb. 
1916) und Eloul Kossc (geb. 1920). 
Aehiam lebt in Paris und Eloul an- 
scheinend in den USA. Achiam schuf 
den Kopf des erschlagenen Goliath 
mit hervorqucllender Zunge, auf 
einem Sockel, auf dessen Vorder- 
seite Schleuder und Stein als Relief 
angedeutet sind. Die beabsichtigte 
Tendenz liegt auf der Hand, und 
es steht dem Niehtbetroffenen ge- 
wiß nicht zu, sie abzulehnen oder 
sich darüber aufzuhalten, daß an- 
dere nicht vergessen können. Aber 
das alles ist so unbeschreiblich weit 
weg von diesem Steinbruch und 
dem Symposien, dem er bereits zur 
lleimat wurde. 
Eloul schuf zwei Figuren. Die eine 
läßt an eine sprungbereite Wacht 
gegen einen Feind in der Wüste 
denken; die andere ist ein Mahnmal 
gegen das KZ, ein nobles, zweifel- 
los, wie Eloul überhaupt eine be- 
deutende und ausgesprochen ge- 
stalt-sensible Begabung ist. Aber es 
bleibt ein Mahnmal „gegen", mag 
es nun eines gegen die Verbrechen 
von gestern oder auch gegen die 
von heute sein, ein Mahnmal gegen 
die Gefangenschaft, aber kein Mal 
der Freiheit. 
Gleichfalls, wenn auch in einem 
anderen Sinne, in einem mitge- 
brachten Konzept gefangen wir- 
ken der Berliner Joachim-Fritz 
Schultze (geb. 1926) und der Oster- 
reicher Hermann Walenta (geb. 
1923). Schultzes Arbeit, ein zwei- 
se' iges, vertikal verlaufendes Fünf- 
bänder- oder -wellenmuster von 
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