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Volltext: Alte und Moderne Kunst VI (1961 / Heft 42)

 
ANTON FEISTENBERGER 
und die mittelitalienische Landschaftsmalerei des Hochbarock 
E. SC] 
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Die Antriebskräfte der italienischen Landschaftsmalerei - soweit diese zu einem Eigen- 
leben gelangte und nicht schematischer Hintergrund blieb - liegen vorwiegend bei 
den nordischen Malern. Nicht umsonst verweist bereits Vasari in der Vila di Tiziano 
auf diese als „eccellenti pittori di paesi". Auch die Berufung des Paul Bril nach Rom 
erfolgte auf Grund seiner Berühmtheit als Landschaftcr und bei den wundervollen 
Landschaften d s Paul Vcronese in der Villa Maser ist es noch immer ungeklärt, ob sie 
von einem nor ländischen Mitarbeiter des Veronese oder von ihm unter dem Einfluß 
der „ultramontanen" Landschaftskunst geschaffen wurden. 
Nach 1630 erfolgte die bekannte Teilung der italienischen Landschaftsmalerei in eine 
idealistische und in eine realistische Gruppe; die letztere nahm im Lauf des 17. Jahr- 
hundertes auch vorromantische Stimmungselemente auf, denn eine wechselseitige Be- 
einflußung beider Gruppen erfolgte oft. Diese realistische Gruppe bildete mit ihrem 
llauptmeister S a l v a t o r e R o s a ((1615-1673) das heroische, theatralische, kom- 
ponierte Landschaftsbild heraus, aber es entwickelte sich auch eine schlichtere, mehr 
das Romantische betonendc Auffassung, der die Gestaltung des Erdlebens wichtiger war, 
als jene allgemein giltiger dynamischer Kräfte. Ihr Hauptmeistcr ist Pietro Mon- 
tanini (1626-1689 Perugia). Seinen Bildern (Abb. 1) eignet ein deutlich fühlbarer 
Lyrismus mit Reminiszenzen an die Vlamen des ausgehenden 16. Jahrhunderts und ein 
Verzicht auf die von Salvatore Rosa so energisch betriebene Tiefenräumlichkeit zu 
Gunsten einer schichtweisen Gliederung parallel zur Bildebene. Das geht nicht dar- 
auf zurück, daß Montanini jünger als Salvatore Rosa gewesen wäre (in Wirklichkeit 
war Montanini sogar neun Jahre älter), sondern auf eine innere Gliederung der damali- 
gen mittelitalienischcn Landschaftsmalerei. 
Bereits Hermann Voss hat Montanini als einen romantisicrcndcn Maler bezeichnet und 
verwies hiebei auf stilistische Zusammenhänge mit der Kunst des Anton Feisten- 
berger (1678 Kitzbühel, 1722 Wien, Abb. 2)} obwohl es bis heute nicht nachweisbar 
ist, wann und wo der um 52 Jahre jüngere Österreicher mit der Kunst Monlaninis in 
Berührung kam. Ein unmittelbarer Kontakt wäre auch unmöglich, da licislenberger 
beim Tod des Montanini erst 11 Jahre alt war und frühestens 1696, also mit 18 Jahren, 
nach Rom kam. Dennoch sind merkbare Zusammenhänge der Frühwerke des Feisten- 
berger mit der Kunst des Umbrers Montanini vorhanden, sie reichen sogar in die großen 
Landschaftsbilder seines Bruders und Schülers Josef Feislenbcrger in St. Florian (Kaiser- 
zimmer) hinein, und da der um drei Jahre ältere Josef bereits um 1698 bei Anton Feislcn- 
berge-r lernte, muß dieser damals noch dem Stil des Montanini nahe gestanden sein. 
Montanini legte seinen Kompositionsstil bereits im Atelier seines ersten Lehrers Ciro 
Ferri fest, erweiterte ihn dann durch die folgende Schulung bei Salvatore Rosa für die 
Darstellung graßriiumigcr Landschaften, die außerdem über Rom hinaus und direkt 
durch die Landschaften des Paul Bril (siehe dessen Arkadenlandschaften im Latcran) 
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