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Volltext: Alte und Moderne Kunst VI (1961 / Heft 42)

 
KOKOSCHKA 
IN ENGLAND 
Zur großen Äussiellung 
bei Marlborough 
in London 
[ERNST KOLLER 
l Bliuk. auf die 'l'lJen1.rv. O1, 93X122 cm. 
1959. 
Dieses Bild ist das Ergebnis der vor- 
läufig letzten Auseinandersetzung Kn- 
koschkas mit London und der Themse. 
Hoher Blickpunkt. weiter Horizont, 
stärkste Betonung atmosphärischer Wenc 
kennzeichnen das Werk, das „Well- 
lnndschaft" im Sinne der Niederländer 
des 16. Jahrhunderts oder der Donau- 
schule ebenso ist, wie bewußtes Fort- 
führcn von Tendenzen, die Turner auf- 
griff und Monet fortführte. 
England hat ungewöhnlich lange 
Zeit Widerstand gegen Kokoschka 
geleistet, obwohl der Künstler 
schon verhältnismäßig früh mit die- 
sem Lande in menschliche und 
künstlerische Berührung kam, Jahre 
des Krieges und der Emigration - 
last unbeachtet - dort verbrachte 
(seit 1935), britischer Staatsbürger 
wurde (1947) und auch nach seiner 
Übersiedlung in die Schweiz (1953) 
die Verbindungen nicht abreißen 
ließ. Es ist in diesem Sinne kaum 
erstaunlich, daß die Ausstellung bei 
Marlhorough erst die zweite in 
England ist. die sich überhaupt in 
erwähncnswertem Maß mit K0- 
koschka auseinandersetzt. Eine 
erste Ausstellung von Werken K0- 
koschkas in England hatte schon 
1927 stattgefunden, drei Jahre nach 
dem Zeitpunkt, da der Künstler 
sein erstes englisches Modell (Nancy 
Cunard, 1924, Abb. 3) allerdings in 
Paris gemalt hatte, zwei jahre nach 
seinem ersten Besuch auf den bri- 
tischen lnseln (1925). England hatte 
Kokoschka von allem Anfang an 
rein vom Motivlichen viel zu ge- 
ben. Schon 1925 entstand seine erste 
große Themse-Landschaft; wenig 
später folgten Gemälde der Water- 
loo Bridgc, eine kleine Themse- 
Landschalt, eine Ansicht der Docks. 
Mit Recht hat man betont, daß seit 
William Turner kein Künstler so 
oft den Hauptfluß Englands dar- 
stellte wie Kokoschka. Diese Liebe 
zur Themse und ihren optischen 
Mysterien hält bis zum heutigen 
Tage an, wie „Große Themse- 
Landschaft II" (1954), die Themse- 
Ansicht von 1959 (Abb. 1) und das 
großartige „Chclsea Reach" von 
1957 beweisen. Aber auch Englands 
Menschen bedeuteten Kokoschka 
viel. Neben dem schon genann- 
ten Porträt Nancy Cunard seien 
zunächst das Bildnis Adele Astaire 
von 1926, entstanden in London, 
ferner „Mutter und Kind im Gar- 
ten" (1934) und das Porträt Michael 
Croft (1939) hervorgehobenLetzt- 
genanntes Werk schuf Kokoschka 
bereits als Emigrant; wie es damals 
um ihn stand, beweist die Beschrif- 
tung auf der Rückseite dieses Ge- 
mäldes, die er in englischer Sprache 
niederzcichnete: „1932 (sie!) im 
elenden Exil, krank und arm. Nie- 
mand hätte dieses Werk malen 
können, aber niemand konnte es 
auch verstehen in einer Zeit, wo 
die Menschen allüberall den Künst- 
ler hetzen und dabei selbst zu 
Sklaven werden." Zu den wichtig- 
sten „Kriegsporträtf zählt das 
Bildnis Iwan Maisky, das O. K. 
1942f43 als Spende für eine Rot- 
kreuzgruppe für Stalingrad schul; 
das Porträt der Gräfin Kathleen 
Drogheda (1943146) leitet zur Nach- 
kriegsperiode über, in der Haupt- 
werkc wie etwa die Bildnisse Valerie 
Goulding (1947), Sebastian Isepp 
(1951) und (als letztes Werk) joshua 
Logan (Abb. 4) entstanden. 
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