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Volltext: Alte und Moderne Kunst VI (1961 / Heft 43)

keit Mariens, das Gold bedeutet die Demut oder die 
vollkommene Liebe. Die Löwen zur Seite der Thron- 
lehnen weisen auf Johannes d. T. und Johannes Ev. hin 
oder auf die Stärke, die von Maria auf die Menschen 
ausgeht und die Furcht, von der der Drache des Ab- 
grundes ergriffen werden soll. 
Wie aus diesen Gedankengängen hervorgeht, gilt Maria 
als Thron Christi, dessen Verherrlichung der tiefste 
Sinngehalt des Themenkreises war. Es ist demnach der 
Thron Salomonis eine christologische Darstellung, in 
der Maria mitgefeiert wird. 
Ein ähnliches Fresko aus der zweiten Hälfte des 13_. 
Jahrhunderts, das ebenfalls in engem Zusammenhang 
mit Salzburg steht, finden wir in der johanniskapelle in 
BrixenÄ Maria ist hier als Sedes Sapientiae darge- 
stellt, wobei im Gegensatz zu den übrigen bildlichen 
Wiedergaben das Kind fehlt, jedoch liegt auch hier ein 
reich ausgebautes theologisches Programm zugrunde, 
das dem Thema der Maria als Thron Salomonis geistig 
verwandt ist. 
Im 14. jahrhundert weist unser Thema durch Herein- 
nahme und Verschmelzen neuer Bildinhalte, ein immer 
häufigeres Abweichen vom Urtypus auf. Immer öfter 
wird den mystischen Vorstellungen Raum gegeben, wo- 
durch die ursprüngliche Klarheit der Darstellung oft 
verloren ging. Deutlich wird dies in dem um 1330 ent- 
standenen Fresko der Kapelle in Schloß Mautern- 
dorf, das dem Salzburger Domkapitel gehörte und 
zum Schutze seiner Besitzungen auf eigenem Land er- 
baut worden war. Hier finden wir durch Hereinnahme 
von Motiven der Marienkrönung ein interessantes Ab- 
weichen vom Urtypusf Wohl gibt es in Mauterndorf 
noch die Löwen auf den Stufen, die Tugenden und Pro- 
pheten, doch das zentrale Motiv ist nicht mehr Maria 
mit dem Kind auf dem Schoß als Thron Christi, sondern 
die Darstellung, wie Christus, der wahre Salomon, seine 
Mutter krönt. Dies mag dem oberflächlichen Betrach- 
ter als eine zusammenhanglose, rein äußerliche Hinzu- 
nahme eines neuen Motives in ein überliefertes Bild- 
schema erscheinen. Aber gemäß der mittelalterlichen 
Typologie ist das Vorbild der Marienkrönung jener Au- 
genblick, da Salomon seine Mutter neben sich auf den 
Thron setzt:' „ . . .und es ward der Mutter des Königs 
ein Stuhl gesetzt, daß sie sich setze zu seiner Rechten." 
Für die bisher erwähnten Denkmäler ist wohl Salzburg 
der geistige Ausgangspunkt gewesen, das schon im 12. 
Jahrhundert ein weit ausstrahlendes Kulturzentrum war. 
Wie bereits angeführt, ist es nicht ausgeschlossen, daß 
das früheste Beispiel einer bildlichen Darstellung der 
Maria als Thron Salomonis auf dem Nonnberg entstan- 
den ist. Von hier aus ist das Weitergreifen des Themas 
auf die damals unter Salzburger Einfluß stehenden Ge- 
biete deutlich zu verfolgen. Doch schon im 12. Jahrhun- 
dert ist gerade für Salzburg und das angrenzende Bayern 
eine rege Auseinandersetzung mit dem mystischen Text 
des Hohen Liedes und dessen Kommentar von Honorius 
von Autun, nachzuweisen. Derselbe widmete seinen 
Kommentar dem Regensburger Schottenkloster, dem er 
als Abt Vorstand. Die um 1180 entstandene plastische 
Portalausschmückung dieser Kirche zeigt Szenen aus 
dem Hohen Lied, verbunden mit Motiven des Salomo- 
nischen Thrones. Um dieselbe Zeit wurde dieser Kom- 
mentar von Salzburger Mönchen illustriert. Der Spon- 
sus (Christus) wurde neben der Sponsa, die man um diese 
Zeit auch als Maria zu deuten begann, sitzend darge- 
stellt. 
Auf Grund derartiger Illustrationen und der in der 
geistlichen Literatur bereits früher nachweisbaren Deu- 
tung dcr Maria als Thron Salomonis, dürften in diesen 
ltäitlti-läß-eee 
. I1 
Kreisen die Voraussetzungen des später besonders in 
den Salzburger Einflußgebieten zur vollen Entfaltung 
gelangenden Bildtypus zu suchen sein. Ob und wie weit 
Österreich von den Rheinlanden beeinflulit wurde, ist 
nicht feststellbar, doch nach dem erhaltenen Denkmä- 
lerbestand ist zu schließen, daß die älteste Darstellung} 
der Maria als Thron Salomonis i.n Österreich entstan- 
den ist. 
Außerhalb des Salzburger Bereiches wäre in Österreich 
noch die plastische Darstellung dieses Typus im Tym- 
panon der Dominikanerkirche in Retz, Anfang des 
14. jahrhunderts entstanden, zu nennen. Die älteste in 
Retz erhaltene Urkunde wurde 1303 auf dem PFOVlHZifll- 
konzil der Provinz Teutonica in Koblenz ausgestellt. 
Es wurden hiebei die Grenzen für die Dominikanerklö- 
ster in Krems und Retz festgesetzt. Es wäre demnach 
ein Einfluß rheinischer Dominikanerkreise nicht aus- 
geschlossen. 
Erwähnenswert ist auch das Fragment eines Glasgemiil- 
des um 1340 aus dem NOt'(.lCl'IOl' von St. Stephan in 
Wien, welches den Salomonischen Thron zeigt, doch 
ist eine vollständige Rekonstruktion nicht möglich. Das 
einzige bekannte liresko dieses Themas in Niederöster- 
reich befindet sich in der Göttwciger llofkapelle in 
Stein, das ebenfalls um 1330 anzusetzen ist. Die Dar- 
stellung ist so wie in Gurk und Friesach, Teil eines 
christologischen Gesamtzyklus und stimmt auch ikono- 
graphisch mit diesen bis auf einige Reduktionen überein. 
Mit dem Ausklingen der Mystik trat die durch drei jahr- 
hundcrte ausgebaute und in ihren symbolischen Bezügen 
so reiche Bildidec in den Hintergrund. Oft weist nur 
mehr ein auf einer Sesscllehne sitzender, oder zu Füllen 
der Gottesmutler kauernder kleiner Löwe, als pars pro 
toto, auf den ursprünglichen Sinngehalt hin. Der Begriff 
der Maria als Thron Salomunis lebte jedoch bis ins 
17. Jahrhundert weiter. Dies wird bestätigt durch das
	        

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