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Volltext: Alte und Moderne Kunst VI (1961 / Heft 44)

EIN MALER DER RESIGNATION 
Zu Bildern von Georg Rauch 
JORG LAMPE 
Für viele und nicht die schlechte- 
sten Maler unserer Zeit existiert 
das Thema Mensch nicht mehr. Sie 
kämen gar nicht mehr auf die Idee, 
sich mit ihm zu befassen, weil sie 
entweder so voll und ganz von ihrer 
Malerei als solcher in Anspruch ge- 
nommen werden oder aber über- 
haupt die außermenschlichen Le- 
bensbczüge für sehr viel fesselnder 
erachten. Da sie aber auch von die- 
sen kaum noch das äußere Gefüge 
und die sonstwie fertigen „Bestän- 
de", sondern eigentlich nur noch 
das Werden und Wirken gelten las- 
sen, ist anzunehmen, daß der 
Mensch schon deshalb hinter dieses 
Werden und Wirken an sich als den 
Grund- und Kernimpuls allen Le- 
bens zurückzutreten halte. 
Einige kritische Beobachter des 
Zeitgeschehens behaupten aller- 
dings, daß diese Tendenzen wegen 
drohender Selbstauflösung ins Ne- 
belhafte oder, was von einem re- 
spektablen Mißverstehen zeugt, we- 
gen totaler Entleerung im Rück- 
gang begriffen seien und ganz all- 
mählich den entgegengesetzten 
Tendenzen einer Wiedererwcekung 
der Beziehung zur sozusagen ferti- 
gen Natur und damit eben auch 
zum Menschenbild das Feld zu riiti- 
men hätten. Nur so nämlich bekäme 
die Malerei wieder einen Boden un- 
tcr die Füße, während sie sonst der 
Selbstzerstörung anheimzufallen 
drohe. 
Hier führt deutlich Väterchen 
Wunsch das Zepter, und es werden 
Pendelschwingungen in Entschei- 
dungsschlaehtcn umgedichtet. Na- 
türlieh hat die Vorstoßkraft derer, 
die das Werden und Wirken faszi- 
niert, nachgelassen, weil erstens die 
„Revolution mit Musik" vor der 
Subtilität der gestellten Aufgaben 
fehl am Platze ist, und weil zwei- 
tens der Rattenschwanz der Vier- 
tel- und Halbstarken, die wie noch 
nie zuvor ihre außerdem händle- 
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