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Volltext: Alte und Moderne Kunst VI (1961 / Heft 46)

 
Auch die architektonisch gut gegliederte Fassade des 
fünfgeschossigen Gebäudes weist auf die Erbauungszcit 
im Anfang des 18. jahrhunderts. Die beiden unteren Ge- 
schosse sind durch ein kräftiges Kordongesimse von den 
Obergeschossen getrennt und bilden dadurch eine Art 
Sockel, der durch eine Quaderteilung von den glatten 
Mauerflächen des Oberbaues unterschieden und durch 
ein in seinem Aufbau bis in die Fensterzone des Zwi- 
schengeschosses reichendes barockes Portal betont ist. 
Das dritte Gcschoß ist durch profilierte Drciecküber- 
dachungcn der Fenster als Hauptgeschoß hervorgehoben. 
In den folgenden Geschossen sind die Schmuckdetails 
zarter und einfacher gehalten, im obersten Gcschoß be- 
stehen sie nur mehr aus schlichten Fensterumrahmun- 
gen. Auf diesem organischen Aufbau und der gut durch- 
dachten Abstufung in den Gliederungen beruht die künst- 
lerische Wirkung der Fassade. 
Im Gegensatz zu den aus der Baroekzeit erhalten ge- 
bliebenen Fassaden hat das Innere des Gebäudes zu ver- 
schiedenen Zeiten Veränderungen durchgemacht. S0 
wurden Umbauten vorgenommen, als im Jahre 1805 das 
Gebäude in den Besitz des Erzherzogs Karl, des Siegers 
von Aspern, übcrging (es führte nach ihm den Namen 
"Palais Erzherzog Karl"). Das großzügig angelegte Stie- 
genhaus in der Art Kornhäusels mit seinen kannelierten 
Die Adapiierung des Palais Erzherzog Karl, 
Wien I, Seilersiäüe 30 
Das Bundesdenkmalamt hat den Ankauf und die Adap- 
tierung des Palais durch die llrzdiü tse Wien wiirmstens 
begrüßt, war doch dadurch der weitere Bestand des wert- 
vollen Objektes gewährleistet und die drohende Gefahr 
des Abbruchcs abgewendet. Die Demolierung des aus 
mehrfachen Gründen überaus interessanten und erhal- 
tenswerten Gebäudes hatte cinen . hweren Verlust für 
das Stadtbild bedeutet. Durch seine Lage an der Südost- 
grenze der Inneren Stadt bildet der von der Annagasse 
bis zur Krugerstraßt- reichende monumentale läaubloek 
hier den Abschlull des Altstadtkernes und ist städtebau- 
lich von besonderer Wichtigkeit. Gleichzeitig stellt es 
mit seiner künstlerisch qualitiitvollen barocken Fassade 
einen großartigen Blickpunkt vom Sehwarzenhergplatz 
her dar und nicht zuletzt spielte es wiederholt in der 
Geschichte der Stadt eine Rolle. 
Das Palais, das sich in seiner Außenerscheinung als 
barocker Bau präsentiert, geht in seinem Bestand zum 
Teil auf das 16. jithrhundert zurück. An der Ecke der 
Krugerstrafle befand sieh das alte G" ' lhztus, das Kaiser 
Rudolf ll. im Jahre 1603 seinem llofk sekretiir l-lein- 
rich Nickhardt schenkte. i'm 170D gelangte das Grund- 
stück nach mehrfachem Besitzwechsel in das Eigentum 
des Ferdinand Karl (iraf von Weltz. lls war damals. 
wie aus den alten Stadtplänen zu entnehmen ist, noch 
nicht zur (ianze verbaut, gegen die Seilerstiitte zu er- 
streckte sieh ein greller llof, der durch eine Mauer ab- 
geschlossen war. Die endgültige Verbauung muß bis zum 
Jahre 1710 erfolgt sein, denn auf dem Stadtplan von 
XVerner Arnold Steinhausen aus diesem Jahr ist die 
Mauer gegen die Scilcrstiittc bcre s durch einen vierten 
Trakt ersetzt, der llof also verkleinert und zu einem 
lnnenhof geworden. (iraf von Weltz stellte in dem Ge- 
 
 
 
 
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