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Volltext: Alte und Moderne Kunst VI (1961 / Heft 46)

Zentrum des Geschehens aber steht das Kind („sie gebar 
ein männliches Kind, das alle Völker mit eisernem Zep- 
ter regieren soll", Apk 12, 4); das Kind selbst schwebt, 
dem Bösen (durch Auferstehung und Himmelfahrt) ent- 
rückt, im ewigen Glanze; es ist gekrönt („Herr ist Jesus, 
der Christus in der Herrlichkeit Gottes, des Vaters"; Phil 
2,11); deutlich wird sichtbar, daß es die „Herrlichkeit" 
des Kindes ist, welche die Mutter umgibt. Der Engel, 
d. h. „B0te" jahwes, ist zugleich Michael, von dem es 
heißt: „Michael und seine Engel kämpften mit dem 
Drachen" (Apk12,7). Der Drache wird vom Himmel 
gestürzt und reißt mit seinem Schweif die Gestirne herab, 
als Gegenzeichen gegenüber der Braut des Lammes und 
als Gegenspieler, als „Vater" des Antichristen, repräsen- 
tiert er das Gegenreich des Bösen, dessen Ohnmacht auf 
dieser Erde noch nicht offenbar geworden ist; die Bestie 
trägt „10 Hörner" und erscheint im schreckhaften und 
zugleich versucherischen Glanze seiner terroristischen 
Faszination. Maria ist ganz „die Magd des Herrn" und 
die Dienende für die Mensehengesehwister. Mit offerie- 
render Handbewegung („den Du, o Jungfrau, im Tempel 
aufgeopfert hast") bietet sie ihr Kind dem Allerhöchsten 
dar, aber gibt es auch der Menschheit als rettende Opfer- 
gabe hin. Das Kind bietet der Welt den Friedensgruß 
(schalöm; pax vobis) und die Segensgeste; in ihm, dem 
„Samen Abrahams", werden „alle Völker der Erde geseg- 
net". Er trägt den Davidsstern am königlich-priester- 
lichen Ornat, denn er ist „Herr" und „Sohn Davids" zu- 
gleich. 
Die zweite Standarte zeigt die Passion. Der Messias Jesus 
steht, zwar entblößt und entäußert (siehe Phil 2, öff.) in 
liturgisch-priesterlicher Haltung am Boden; seine fest- 
genagelten Hände breiten sich, die Menschheit umfassend 
und segnend, über „die vielen" aus; über dem Dornen- 
hut wird sparsam die Glorie (in der Vision des Glaubens) 
sichtbar. Holz und Stamm des Kreuzes sind Baum der 
bösen Erkenntnis und Lebenshaum des neuen Paradieses 
zugleich; sie tragen goldene Früchte der Erlösung (earo 
salutis cardo). 
„Das Wort vom Kreuz", von nun an der Inbegriff der 
Verkündigung, des „Heroldsrule-s" (Kerygma), wird zum 
Unterscheidungs- und Entschcidungsmittel für die bei- 
den "Wege"; (stat erux dum volvitur orbis), inmitten 
aller Fluktuation des Weltlichen, Zeitlichen erhebt sich 
das Kreuz als „Ärgernis" und „Torheit", als Stein, der 
nicht umgangen werden kann. Maria repräsentiert alle 
Schrecken der Menschheit angesichts dessen, der „ein 
Wurm, kein Mensch mehr", geworden ist und „unsere 
lDie drei Standartcn von 
Ernst Fuchs in der Rosen- 
kranzkirchc, Wien-Hclzendorf. 
2 Der frcudenreichc Rosen- 
kranz. 
3 Der glorreiche Roscnkranz. 
dDer schmerzhafte Rosen- 
krnnz. 
22
	        

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