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Volltext: Alte und Moderne Kunst VI (1961 / Heft 46)

Neueriverllzmgeii 
Ö_l'_l'C1ItliC]J8I' Kiuirlxammlimgen 
aus dem [lande] 
Das Kunsthisttirische Museum 
erwarh Mitte April ein wichtiges und 
charakteristisches Werk des aus Herga- 
mo stammenden M l lu Bas- 
chenis, der von 1ti17 h ' 16 lebte, Das 
Bild - ein Stilleben mit Musikinstru- 
menten, Öl auf Leinwand, 78, 117cm 
(siehe unsere Ahhildtiiig) - stammt 
aus Bcrgamo selbst, wo es sich in der 
Sammlung des Advokaten Davitle Cu- 
gini befand. lis ist bei Luigi Angelini, 
l Basehenis, nach 'l'afel XLVII, itbge- 
bildet, entsprechend verzeichnet und 
eingeordnet. Das Werk steht dem mo- 
dernen Stilempfindt-n nahe, weist es doch 
in der Ausspielung extremer perspek- 
tivischer liffekte hei gleichzeitiger stren- 
ger (ieometrisierung jene speziiische 
Stimmung auf, die uns der "magische 
Realismus" tinsert-r Tage ins liewufit- 
sein gebracht hat. Unzweifelhaft beruv 
fen sich zeitgcnossische Italiener. wie 
etwa der frühe de Chiricii auf Leistun- 
gen wie diese. 
Direktor Prof. Oherhammei- erwarb das 
Bild aus einer Kollektion von XVerken 
alter Meister, die seit Mitte April von 
der Galerie Qanct Luc' ', Wien l, ju- 
scfsplatz, Pal Pallavicini, der Öffent- 
lichkeit zugänglich gemacht wurde. 
Diese bescheiden als „Fruhjahrsausstel- 
lung" bezeichnete Schau von Werken 
alter Meister ist von einem Katalog he- 
gleitet, in dem siimtliehe lzxpoiiate (mit 
Ausnahme der ganz wenigen Auller- 
Ktitalog-Postcn) abgebildet und en pi - 
chend dokumentiert sind. Alle (iem de 
wurden von Prof. Stransky vtin sp'.tt'- 
ren (Tbermalungen und dem Alters- 
schmutz befreit. Rein technisch zeichnen 
sie sich durch vorzügliche l iltung 
aus, die als angenehmes Kurt lat zum 
Qualitiitsnivcau empfunden wird, Das 
neben dem (iemiilde von Basehenis wohl 
bedeutendste Werk der italienischen 
Sehule ist Alessandro Magnascos „flei- 
ligei" Remuald mit Mönchen in einer 
Grotte" (verzeichnet bei Geiger, S. 72 
und Abb. 28-1). Kaum weniger wichtig 
ist Giovanni Antonio Pellegrinis „Groll- 
mut des Scipio", das aus der Sammlung 
des Earl ol Derhy st mmt und siinitliche 
  
  
 
  
Vor tigc und Eigenschaften der vene- 
zhnisehen Malerei des zweiten Viertels 
des 13. Jahrhunderts aufweist. Kaum- 
mangel zwingt uns, die übrigen Werke 
nur zum Teil und lediglich dem Namen 
nach zu erwähnen: Joachim A. Wtcwael, 
Anbetung der Hirten: Roelant Saveryg 
Ruincnlandschaft, Blumenstuck; joos 
van Craesbe , Versuchung des heili- 
gen Antonius; Jan Fyt, Still hen mit 
Früchten, XVild und Ilundcn; Salnmon 
van Ruysdael, Weite Landschaft mit 
Bekehrung Pauli; Jacob van Ruisdacl, 
Hügellandschaft mit Bergschloß; Rachel 
Rtiysch, Blumenstrauß. Die Malerei 
Österreichs im späten 18. und 19. jahr- 
hunderts ist durch Arbeiten von Füger, 
Gaucrmann und Romakti (Novoiny 
Nr, 171)) vertreten. 
Das Historische Museum der 
Stadt Wien erwarb aus einer um die 
gleiche Zeit abgehaltenen Ausstellung 
des Antiquariates Christian M. Ncbehay. 
Wien l, Annagasse, eine (Jouache vun 
Martin von Molitor (Wien 1759-1812), 
darstellend ein Motiv aus dem Tullner- 
fcld in der Gegend von Grciienstein 
(KaL-Nr. 6), und eine Kohlezcichnung 
von Friedrich A. Brandt, die einen Mann 
in einer Waldlichtung beim Roden von 
Wurzeln zeigt. 
Die Schau bei Nehehziy war im we- 
sentlichen der Kunst Molitors gewid- 
met, den man nun als l ltndschaltet" spe- 
zifisch romantischer Prtigung mit aus- 
gepriigtem Sinn für das (lrolfi-Pathcti- 
sehe (im guten Sinn) kenneitlernt. Mo- 
litor sah die Landschaft um Wien itndurs 
als wir dies tun - er erlebte sie unter 
einem gleichsam heroischen Aspekt und 
stellt sie dementsprechend unter Anwen- 
dung weit aufgerissener laefendimen- 
sionen und dramatischer Helligkeits- 
kontraste dar. In diesem Sinn sind auch 
die Formate im Verhältnis zu den bei 
der Gouacheilcchnik und üblichen Lo- 
sungen ehcr groß und nitherii die Bilder 
so auch rein vom Ausmaß her dem Ge- 
mäldehaften an. 
Um Molitor herum bot Neheh.i_i' noch 
eine Auswahl gleichzeitiger Maler ius 
Österreich und ganz Europa. Wir müs- 
sen uns begnügen, lediglich die Namen 
Deliicroix, Cesare dcllH-Xcqua, Barba- 
rini, F. R. Lee, Stuhl, (Joehel, C. F. ll. 
Werner und   Meyer zu nennen. 
 
 
Eine Antiquitätenauxxtellung 
in Wien geplant 
Man hört von großen Plänen des öster- 
reichischen Kunst- und Antiquitätenhan- 
dels. liine Ausstellung soll die Leistun- 
gen dieses Handclszweiges und seine 
wichtige Stellung in unserem Kultur- 
lehcn zeigen. Ein Ausschuß, an dem die 
bedeutendsten Exponenten des Kunst- 
hnndels teilnehmen, prüft gegenwärtig 
unter der Leitung des Vorsitzenden des 
Bundcsgremiums alle Möglichkeiten be- 
züglich des Termins und der zur Ver- 
fügung stehenden Ausstellungsräume. 
Adoll Loo: bei llßürtble 
Die Galerie Würthle, Wien I, Weihburg- 
gnsse, zeigte seit Anfang April eine do- 
kumentarische Ausstellung zum l.chen 
und Schaffen von Adolf Loos. Das Pro- 
tcktorat dieser Veranstaltung lag in den 
Händen der Zentralvcreinigung der Ar- 
chitekten Österreichs, ihr Gestalter war 
j. (S. Gsteu, der Katalog wurde von Maa 
rin Münz, der Witwe des großen, ver- 
storbenen Ludwig Münz, zusammenge- 
stellt, aus dessen Feder auch die Einfüh- 
rung stammt. Es kann hier nicht die 
Aufgabe sein, die Ausstellung als sol- 
che zu würdigen oder sich mit der längst 
crknnntcn Bedeutung Loos' auseinander- 
zusetzen, es muß lediglich hervorgeho- 
ben werden, wie erschütternd angesichts 
dieser Schau die Tatsache ist, daß kaum 
noch ein Werk dieses Architekten, der 
erst 1933 starb, sich im Zustand der 
Entstehungszeit befindet. Erst unlängst 
wurde in der Wiener Tagespresse die 
endgültige Verschandelung des Hauses 
Steiner (Wien 1910) diskutiert, die noch 
dazu im Zeichen „bodenständigen" 
Buuens erfolgte! Das Laos-Haus am Mi- 
chaelerplntz ist nur noch eine Schale 
ohne Kern, die „American Bar" (1907) 
lebt als museale Institution. Das einzige, 
was von Loos blieb, ist die Wirkung 
seines architektonischen und literari- 
schen Schafiens, die längst noch nicht 
ausgelaufen ist.
	        

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