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Volltext: Alte und Moderne Kunst VI (1961 / Heft 46)

IN UNSERER FORTLAUFENDEN ARTIKELSERIE ZUR „ÖSTERREICHISCHEN KUNST 
IIUNDERTS" VEROFFENTLICHEN WIR DEN 58. AUFSATZ 
DES 20. JA! uz- 
PERSUNLICHKEIT 
UND 
ZEITGEMÄSSHEIT 
Über den Wiener Maler 
Gerhard Swolroda, Träger 
des SliHer-Preises 1961 
JORG LAMPE 
Abseits der großen Heerstraße der zeitgenössischen Kunstcntwicklung oder doch 
dessen, was dafür gehalten wird, bekommt der „Avantgardismus" leicht entweder 
einen hektischen oder einen provinziellen Stich, was manchmal schier dasselbe ist. 
Auch das Hektische nämlich ist zweitklassig und so dem Provinziellen ähnlich. 
Nur ist es auch wieder verständlich, daß die Peripherie den Kontakt mit dem 
Zentrum nicht verlieren will und sich daher es ihm gleichzutun bemüht. 
Die Orientierung jedoch nach dem jeweils Neuesten schafft nie Kontakte. Erfolgt 
sie außerdem aus der Fehlperspektive der Entfernung, erreicht die Verfälschung 
oft geradezu lächerliche Grade. Nur wird es auch nicht besser, wenn man nun, 
um aus dem Sog und Dreh der Entwicklungs-„Konvention" herauszukommen, be- 
wußt eine angeblich unkonventionelle Richtung einschlägt. Die bewußte Mache 
ist immer selber Konvention. 
Wie aber soll dann eigentlich der Künstler den gewünschten Kontakt gewinnen? 
Nicht anders als dadurch. daß er sich selber lebt, daß er sich selber findet, sam- 
melt, entfaltet und zur Reife bringt. Dann stimmt es immer, und die Vorwürfe des 
„Hektischen", des „Provinziellen" und „Konventionellen" fallen in sich zusammen. 
Das Sich-selber-finden, -sammeln (also in Zucht nehmen), -entfalten und zur Reife 
bringen ist der einzige Ausweg aus dem Circulus vitiosus der bloßen „Zeitgemäß- 
heit" oder auch des bloßen Sträuhens gegen sie. 
Dieser Ausweg ist allerdings gemeinhin nicht sehr gefragt. Erstens kostet er viel 
Mühe und nicht wenig Leid, und zweitens hat man gerade unter den bedrohlichen 
Zeitaspekten Angst, aus der Herde auszuscheiden, von der öffentlichen Straße ab- 
zukommen. Man mag einfach das Los der Einsamkeit nicht auf sich nehmen, ob- 
gleich man im Grunde nur noch so zur Kommunikation mit dem Ganzen finden 
kann, das durch die mit der „Herde" nur verstellt wird. Das hat nichts mit „Hoch- 
mut" (im Sinne von Dünkel und damit ohne hohen Mut) noch mit dem viel- 
zitierten „elfenbeinernen Turm" zu tun. Wer es mit dem „Ganzen" hält, der steht 
auch unbedingt zum Menschen, den man allerdings nicht mit den konkreten Men- 
schen einer amorphen Allgemeinheit verwechseln darf. 

	        

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