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Volltext: Alte und Moderne Kunst VI (1961 / Heft 46)

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EIN CHINESISCHER SETZSCHIRM AUS KORO- 
Im ersten Heft des jahrganges 1959 veröffentlichte „Alte 
und moderne Kunst" einen Setzschirm aus Pekinglack, 
der sich ebenso wie das hier zur Rede stehende Stück im 
Palais Schwarzenberg befindet. Beide Setzschirme sind 
in dem 1913 angelegten Palais-Inventar als aus dem 
längst zerstörten Schwarzenbergschen Stadtpalais auf 
der Mehlgrube („Neuer Markt") stammend angeführt, 
beide Stücke befinden sich seit spätestens 1720 im Hilde- 
brandt-Fischerschen Bau und gehören zu den frühesten 
derartigen Arbeiten, die aus dem China der Epoche 
Kaiser Kang Hsi (1662-1722) ihren Weg nach Oster- 
reich fanden. Der in vorliegendem Aufsatz zur Diskus- 
sion stehende Paravent wurde nach schwersten Zeit- und 
Kriegsschäden von Frau akad. Restaurator Olga Mossig- 
Zupan vorbildlich wiederhergestellt und ist von aller- 
erster Qualität; seine Existenz auf Wiener Boden sollte 
daher von der kunstinteressierten Öffentlichkeit beson- 
ders zur Kenntnis genommen werden. 
Was ist „Koromandellaclö? Martin Feddersenl liefert 
folgende erschöpfende Definition: „Eine Verbindung von 
Lackschnitt und Malerei stellt der sogenannte Koro- 
mandellack dar. Hier kommt auf eine Holzgrundlage 
eine Kreideschicht und darüber schwarzer Lack. Aus 
diesem schneidet man die Darstellungen so aus, daß der 
Krcidegrund zum großen Teil freigelegt wird. Dabei 
behalten jedoch die inneren Linien der Zeichnung die 
ursprüngliche Höhe und nur die Flächenstücke zwischen 
ihnen werden vertieft. Es bildet sich also ein Netz von 
Stegen, vergleichbar dem, das beim Zellenschmelz zur 
Aufnahme des Emails dient. Die vertieften Stellen er- 
halten Bemalung in kräftigen Farben, die zusammen mit 
den stehengebliebenen Teilen des schwarzen Lacks eine 
ausgezeichnete dekorative Wirkung ergeben. Diese 
wahrscheinlich aus der Provinz }Ionan stammenden 
Lackarbeiten verdanken ihren Namen den Umschlag- 
häfen an der Koromandelküste (südliche Küste Vorder- 
indiens). Typisch sind große, vielteilige Setzschirme, die 
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bisweilen mit einer Landschaft, öfter aber mit dem in 
Parallelperspektive gegebenen Bild einer. . . Palastanlage 
geschmückt sind, in der sich eine figurenreiche Szene 
. abspielt. Den Rahmenschmuck .. . bilden gewöhnlich 
Blumen, Altertümer und verschiedene Embleme . . ." 
Diese Beschreibung kann wortwörtlich auf unseren Setz- 
schirm übertragen werden. Trotzdem ist er alles andere 
als ein Serienprodukt, sondern unserer Überzeugung 
nach ein Werk, das ursprünglich nicht zum Export be- 
stimmt war, sondern eine Art von monumentaler Glück- 
wunschgabe an einen chinesischen Großen darstellte. 
Der Schwarzenbergsche Koromandelschirm ist zwölf- 
tcilig, die Gesamthöhe beträgt 242 cm, die einzelne Feld- 
breite 42,5 bis 43 cm, sodaß sich eine totale Länge von 
rund 5m ergibt. Damit wird der in „Alte und moderne 
Kunst", Heft 112, 1959, beschriebene Pekinglackschirm 
in seinen Abmessungen (235 X 384 cm) beachtlich über- 
troffen. Während bei diesem Stück Vorder- und Rück- 
seite mit Landschaften ausgestattet und von einer ein- 
fachen Ornamentbordüre gerahmt sind, weist der Koro- 
mandelschirm an beiden Seiten völlig unterschiedliche 
Darstellungen auf und auch die umrandenden Ornament- 
bordüren sind um ein Vielfaches reicher als bei dem 
erstbesprochenen Stück. Die Farbskala reicht von Gold 
über Gelb, Ocker, Zinnoberrot, Schieferblau und ver- 
schiedene Grüntöne bis zu Weiß. Das Hauptfeld der Vor- 
derseite stellt den Betrieb in einem Gutshof dar, der in 
einer reichbewegten Landschaft liegt. Die Komposition 
setzt links mit einer von Figuren belebten Terrasse und 
einem dahinter liegenden Pavillon ein; es folgt ein klei- 
nes, monopterosartiges Bauwerk. Zwischen diesen Ar- 
chitekturen sieht man Fels- und Baumgruppen, Men- 
schen bei allerlei Tüitigkeiten und Gewässer. Der Guts- 
hof selbst nimmt fast die gesamte rechte Hälfte des 
Schirmes ein und ist in der klassischen, hier von links 
unten nach rechts oben ansteigenden Parallelperspek- 
tive komponiert. Es handelt sich um eine Art von Vier-
	        

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