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Volltext: Alte und Moderne Kunst VI (1961 / Heft 47)

den jahren bis zum Ausgang des „Bruderzwistes" dem 
jungen Ferdinand, von dem anfangs kaum jemand 
ahnen konnte, daß er zum Kaiser bestimmt sei, treu auf 
seinem Weg zum Thron zur Seite und begleitet ihn 
auch 1619 zur Krönung nach Frankfurt. Im folgenden 
jahr, in wichtiger Sendung am Spanischen Hof, wird cr 
Ritter des Ordens vom Goldenen Vlies. Und nun bringt 
jedes Jahr neue Ehrung und großzügige Belohnung 
seiner Treue durch den Kaiser. 1621 wirbt er, inzwi- 
schen Landeshauptmann von Steiermark geworden, um 
Prinzessin Eleonora Gonzaga für seinen Kaiser und wird 
sogar mit ihr in Vertretung Ferdinands in Mantua ge- 
traut. 1622 erhält er die Herrschaft Krumau in Böhmen 
(mit 316 Ortschaften), 1623 erfolgt die Erhebung in den 
Reichsfürstenstand am Reichstag zu Regensburg. 1625 
wird seine Statthalterwürde auf die gesamten inner- 
österreichischen Lirblande (Steiermark, Kärnten und 
Krain) erweitert und er übt somit die Funktionen aus, 
die vorher noch vom Erzherzog selbst wahrgenommen 
wurden. Hier zeigt es sich am deutlichsten, wie sehr 
scine Persönlichkeit geschätzt wurde,bzw. wie sehr aber 
auch der Kaiser seiner Fähigkeiten bedurfte. 1626 wird 
cr mit der Grafschaft Pettau, ehemals Besitz der Grafen 
von Cilli, belchnt. Das Jahr 1628 aber bringt 
die größte Ehrung: Krumau wird zum Herzogtum er- 
hoben. Mehr hatte der Kaiser nun nicht mehr zu ver- 
geben. So vollzog sich innerhalb dreier Dezennien der 
nahezu kometenhafte Aufstieg eines fähigen und tat- 
kräftigen Mannes von niederem Adel zu einem der 
mächtigsten Fürsten des Reiches. Er war nun die rechte 
lland des Kaisers und die Pforte zu seinem Ohr. 
Das doch eher einfache Schloß in Algersdorf konnte nun 
nicht mehr den Anforderungen Eggenbergs entsprechen 
und so entschloß man sich zur Errichtung eines groß- 
zügigen Neubaues, der zunächst ausschließlich für Re- 
präsentation, Empfänge und große Festlichkeiten ge- 
plant wurde. Ein großartiges Programm sollte der An- 
lage zu Grunde gelegt sein und ihr geistiges Profil geben. 
Wer hätte aber auf diesem Gebiet mehr Eindrücke ge- 
sammelt als gerade johann Ulrich selbst. Er, der an den 
Fürstenhöfen Europas aus und ein ging, wußte genau 
wie seine Residenz aussehen sollte. Vor allem muß hier 
der Escorial genannt werden, der tiefgründige Kloster- 
palast Philipp II., die eigenartig universelle Schöpfung 
des einsamen Königs, wo Diesseitiges und jenseitiges 
so sonderbar vereinigt sind, nicht Kirche und Grab- 
stätte, nicht Schule und Kloster, nicht Königspalast und 
Hofhaltung und doch alles in einem: und so Weltbild 
und Bekenntnis des großen Habsburgers. Man zählte 
den Bau zu den Weltwundern und seine Wirkung muß 
damals eine ungeheure gewesen sein. Wie stark die Ver- 
wandtschaft der beiden Bauten ist, zeigen einfache Ver- 
gleiche deutlich und das Gemeinsame tritt trotz der 
gewaltigen Größenunterschiede klar zu Tage. Über das 
Optische hinaus verbindet beide Bauwerke noch etwas 
Bedeutendes: die Verwirklichung eines geistigen Pro- 
grammes. 
So wächst trotz der Wirren des SOjährigen Krieges in 
der verhältnismäßig ruhigen Steiermark der großzügige 
Bau des neuen Schlosses unter der Leitung des Bau- 
meisters Laurenzio de Syppe, eines Niederländers, der 
schon seit jahren in Graz als Festungsbaumeister tätig 
ist. Über dem Grundriß eines dem Quadrate genäher- 
ten Rechteckes erhebt sich das Sehloß in drei 
Hauptgesehoßen, aus einem tiefen Trockengraben zum 
wuchtigen Geviert von 80 zu 65m. An den vier Ecken 
sind die Fassaden turmartig erhöht. Im Innern wird die 
Anlage durch 'I'-iörmig angeordnete Trakte unterteilt 
und damit ein großer, hinter der Ilauptiassade querge- 
lagerter Arkadenhniim Verhältnisözu 9, und zwei kleine, 
seitlich der Mittelachse gelegene Höfe ausgeschieden. Im 
Schnittpunkt der Achsen, in der Mitte der Anlage, be- 
findet sich über einer Brunnengrotte im zweiten Oberge- 
schoß die Kapelle, bekrönt von einem beherrschenden, 
die ganze Anlage überragenden Glockenturm. 
Achsiale Symmetriein der Anordnung der Räume, Gänge 
 
4 Der große Festsaal mil 
dem allegorischen Gemäl- 
dezyklus von Planetcngolt- 
heiten und Tierkreiszei- 
chen des cggenbergischcn 
Hofmalcrs Hans Adam 
Weissenkirchner, vollendet 
1685. Im Gewölbe zwischen 
den Elementen Erde und 
Wasser, Saturn, darunter 
1m der Wand die Dar cl- 
lung des Ticrkreiszeichcxus 

	        

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