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Volltext: Alte und Moderne Kunst VI (1961 / Heft 47)

 
aulgezogen am 1']. Februar 1944. 
Es gibt von diesen Fotos nur mehrt V 
vier komplette Serien. - Vier Dc-  
tails sind inliegend nicht dabei, da ,_' 
ich sie aus den kompletten Serien ' 
hätte entnehmen müssen. Die Plat- 
ten sind durch Wasserschäden, wie 
mir Prof. Grubenbeeher mitteilte, 
unbrauchbar und vernichtet. Der 
Gobelin ist noch im Graphikraum 
im Haus Gildemeisters Hoehkamp 
b. Hamburg aufgespannt und unver- 
sehrt, obwohl er auch Bombenseha- 
den hatte. Den Karton konnte ich 
Ende Oktober arg zerdrückt und 
teilweise beschädigt (auch durch 
Regen) halbwegs heil bergen. - Es 
freut mich, daß ich Ihnen die Fotos 
...nunmehr übergeben kann. He- 
ben Sie sie, bitte, gut auf, vielleicht 
sind es die einzigen Dokumente 
eines selten vorkommenden Auftra- 
ges, die nach all den noch zu er- 
wartenden Zerstörungen, die über 
uns hereinbrcchen werden, viel- 
leicht übrigbleiben könnten." 
Ich lasse nun den im Oktober 1953 
in der Hamburger Ausstellung 
„Bildteppiche aus sechs jahrhunder- 
ten" gezeigten wundervollen Wand- 
teppich C. O. Czeschkas folgen, in 
dem der damals fünfundsiebzigjiih- 
rige Künstler wohl den Höhepunkt 
seines dekorativen Könnens er- 
reicht hatte. Der zweiteilige Gobc- 
lin stellt einer auf einem Teppich 
ruhenden weiblichen Figur von vor- 
nehmen Range zwei jüngere weib- 
liche Gestalten gegenüber, von de- 
nen die eine zu singen scheint, die 
andere ein Saitcninstrument bedient. 
Eine Reihe von Inszenierungs-Ent- 
würfen erwies Czeschkas Eignung 
zur Bühnendekoration, die Max 
Reinhardt bewog, ihm die Bühnen- 
bilder zum „König Lear" anzuvcr- 
trauen. Auch Illustrationen zu IIeb- 
bels „Nibelungen" hatten schon 
nach dieser Richtung hin starkes 
Talent verraten und den Hambur- 
ger Stadtbaumeister Schumacher cr- 
mutigt, Czeschkas seltene lineare 
Begabung in den Dienst der Glas- 
fensterkunst zu stellen. So wurde 
ihm der von besonderm Erfolg ge- 
krönte Auftrag zuteil, für die llxille 
derllamburgcr Kunstgewerheschule 
eine Reihe von Hellglasfenstern zu 
entwerfen, deren Bildzeiehnung nur 
durch Bleilinien sichtbar gemacht 
war, deren Zwischenräume aber 
durch zart abgetönte, verschieden 
dick geschliffene Hellgläser gefüllt 
waren. Die Schrift wurde als deko- 
ratives Miltel in die Schliffgliiser 
eingebaut, die im Licht prismatisch 
funkeln. 
Czeschka schuf auch die „Czeschka- 
Kursive", sowie die Czeschka-An- 
tiqua „Olympia" und nahm als Pro- 
 
fessor für (jebrauchsgraphik weit- 
reichenden Einfluß auf die gesamte 
Bucbausstattung und Buchillustra- 
tion. 
Handwerkliche Gediegenhcitbis zur 
Pedanterie galt ihm stets als selbst- 
verständliches Gebot, und so zeich- 
nen sich auch seine Briefe durch 
eine besonders sorgfältige äußere 
Form aus, die ihre Lektüre zum 
Vergnügen macht, ohne den Gedan- 
ken an „Kalligraphiä aufkommen 
zu lassen. Dieses graphische Fein- 
gefühl sicherte ihm auch seine her- 
vorragende Stellung als Gebrauchs- 
graphikcr, die sein wohlverdientes 
Renomme als freier Graphiker bei- 
nahe in den Hintergrund treten 
ließ. 
Ein Punkt darf aber in einer Le- 
bensskizze Czeschkas nicht unbe- 
rücksichtigt bleiben und das ist sein 
Verhältnis zu Oskar Kokoschka, 
der durch einige Zeit an der Wie- 
ner Kunstgewerbeschule sein Schü- 
ler war. ich lasse darüber Czeschka 
selber das Wort, der mir am 11. 
September 1952 nachfolgende inter- 
essante Mitteilungen über diesen 
zweifellos berühmtesten seiner 
Schüler zukommen ließ: 
„Kokoschka war einige Semester in 
der Abteilung der Lehramtskandi- 
daten der Zeiehenlehrer bei Ritter 
von Kenner an der Kunstgewerbe- 
schule. Er sollte noch ein Semester 
absolvieren und die Abschlußprü- 
fung machen, um dann als Assistent 
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