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Volltext: Alte und Moderne Kunst VI (1961 / Heft 47)

eigentlich verschiedene geistige Dimensionen sind, zu spazieren wie übers Papier, 
wird nicht mehr gehen. Und daher ist ein größerer Unterschied zwischen 
Kokoschka, auch dem Kokosehka der Londoner Jahre, bei dem Eisler eine gewisse 
Lehrzeit mitmaehte, und zwischen Eisler als zwischen Eisler und einer Reihe von 
Informellen, die dieselbe Frage plagt: „Wie nähere ich mich dem Gegenstand?" 
Es gibt mehrere Antworten. 
Der Pinsel umkreist den physiognomisehen Kern des Modells, er umstriekt ihn 
wie eine Dornenkrone, er sperrt ihn ein wie eine Hecke, oder er fängt ihn wie mit 
dem Lasso. Oder die Physiognomie tritt aus den Sturzbächen zutage. Die entschei- 
dende Frage lautet: wie schaffe ich Gegenstände, identifizierbare Dichte, ohne die 
Gegenstandsform nachzubilden, ohne Volumen abzugreifen wie die Stubenfliege 
die Papieroberfläche? Und wie fußt der Maler zusammen, während er früher auf- 
schlitzte, zersägte, auseinanderlegte? Gewiß, der „Tropfen kubistischen Öls" ist 
auch hier dazugemischt, aber es dreht sich um die Frage, wie die Elemente wieder 
verschwistert werden können. Ohne Dunst, ohne Mystik, ohne mit dem Farbfleck 
hochzustapeln: und er stapelt hoch, wenn in ihm mehr ist, als der Pinsel auszu- 
drücken vermag. Ganz vereinfacht lautet die Frage: Wie werde ich kompakt, ohne 
kompakt zu werden? Wie verwandlc ich Masse mit dem Pinsel in Energie, erkenn- 
bare Masse, und wohlbemerkt: in Energie, nicht nur in Temperament, Augen- 
schmaus, in allegorische Form oder in Gesten? 
Eine Antwort gibt Georg Eisler, der nur scheinbar das Podest von Corinth er- 
klimmt, der in Wirklichkeit verwandt ist einem Saura, ein wenig klarer als 
Platschek, ein wenig diesseitiger als Vedova und von durchsichtigerer Magie als 
jorn. Es ist eigentlich nur notwendig, genau hinzuschauen. 
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