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Volltext: Alte und Moderne Kunst VI (1961 / Heft 47)

mit dem Maler der Tafeln von Hohenfurth eingeordnet 
werden kann. Der uns vor allem in Iglau bekannte Ma- 
donnenlypus ist hier geschmeidiger, weicher und höfi- 
scher. 
Die kleine stehende Madonna mit Kind (Abb. 6) von 
graziöser Bewegtheit und drastischer Charakterisierung 
der Gesichter wird im Katalog dem Umkreis des Mei- 
sters von Mauer eingeordnet. Aus einer genauen Kennt- 
nis der Herkunft der Figur und der jüngsten lokalen 
Forschung möchte ich an dieser Stelle - um das seltene 
Dokument zu bewahren - eine Richtigstellung des Ka- 
talogtextes vorbringen. Die Madonna stammt nachweis- 
lich aus dem südböhmischen Budweis. Sie ist das Werk 
eines der Kunstgeschichte bisher noch kaum bekannten 
Meisters des frühen 16. Jahrhunderts, von dem eine 
ganze Reihe von Werken in Südböhmen erhalten sind. 
(Anm. 2.) Der Name dieses bedeutenden Spätgotikers, 
der anscheinend ein großes Atelier geführt hat, wird 
uns erstmalig genannt in einem Aufsatz von jiii Kro- 
pacek, Umäni 2,11960 (Anm. 3). Wir erfahren hier, daß 
in der Zunft der Budweiser Maler, Bildschnitzer, Ver- 
golder und Glasmaler, die seit 1496 existierte, im Jahre 
1503 erstmalig der Meister „Allcxander Pildtschniezer" 
auftritt. Der volle Name des Meisters, der 1503 zum 
Vorsteher der Zunft gewählt wurde, scheint in einer 
nicht datierten Zunftliste auf: A l e x a n d e r H e l m s - 
rat. Die kleine stehende Madonna der Sammlung 
Schwartz, nachweislich aus Budweis stammend, stimmt 
stilistisch völlig mit den anderen erhaltenen Werken 
dieser Budweiser Werkstätte überein: Stark charakteriv 
siertc Gesichter, sehr flache Augenpartien, durchbroche- 
nes Haar, durchbrochene Faltcnpartien, schlanker Ha- 
bitus mit kleinen Köpfen, starke Bewegthcit. .. 
7 
Nach dem jüngsten Stand der Forschung, die uns glück- 
lich einen neuen bedeutenden Schnitzer der Spätgotik 
vorgestellt hat, kann sie als typisches Werk Alexander 
Helmsrats bezeichnet werden. - Es wird eine interes- 
sante Aufgabe sein, die Zusammenhänge dieser süd- 
böhmischen Schule mit dem Passauer Kunstkreis zu 
untersuchen. 
Ein weiteres interessantes Werk ist die aus der Um- 
ge mg von Krakau stammende stehende Madonna (Abb. 
7). Sie wird im Katalog dem Paul von Leut- 
schau gegeben, der Anfang des 16. Jahrhunderts in Leut- 
schau und anderen königlich-ungarischen Bcrgstädten 
der Zips ein bedeutendes Werk hinterlassen hat. Er steht 
unter unmittelbarem Einfluß der Krakauer Werkstätte 
des Veit Stoß. (Leider wird der Eindruck der Figur sehr 
5 Kopf cincs hl. Joseph, Südtirol um 1520. 
ß Madonna von Alexander Helmsrat, Budweis um 1510. 
7 Madonna von Paul Lculschau, Zips, um 1520. 
8 Hl. Elisabeth, Flandern um 1520.
	        

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