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Full text: Alte und Moderne Kunst VI (1961 / Heft 48)

sters, 1496 datiert, kündigt schon in der Landschaft des 
Hintergrundcs den Anbruch einer neuen Zeit an. Voll- 
kommen hat sich diese in den folgenden acht Tafeln des 
johannesaltars durchgesetzt. Diese Tafeln beweisen, daß 
Frueauf mit den neuesten Werken der Niederländer ver- 
traut war, daß er ihre künstlerischen Errungenschaften 
zu nützen wußte und ganz auf der Höhe seiner Zeit 
stand. Neben Naturschilderungen von berüekender Un- 
mittelbarkeit zeigen sie ernsthafte Auseinandersetzung 
mit Problemen der Perspektive u. a. Die Krönung des 
Werkes Frueaufs bedeuten aber die vier kleinen Tafeln, 
die „in anmutigem Märchenton" die (Jründungslegende 
des Stiftes schildern. Generationen von Romantikern 
haben daraus Anregungen geschöpft. Die Tafel mit der 
Sauhatz zeigt den Buchberg in Klosterneuburg, - das 
erste Landsehaftsporträt auf österreichischem Boden. Mit 
diesen Werken wurde Rueland Frueauf zu einem Be- 
gründer des sogenannten „D0naustils". Auch dieser ist 
in Klosterneuburg durch eine ganze Reihe ausgezeich- 
neter Bilder vertreten. Ebenso findet sich Buchmulcrci, 
die schon zur Renaissance überleitet, wie etwas das rie- 
senhalte, zweibändige Urbar des Propstes Georg llaus- 
manstctter. 
Die Baukunst schuf mit dem reichen Erker am ehemali- 
gen Schultrakt des Stiftes eines der bedeutendsten spät- 
golischen Denkmäler Österreichs. Damit war aber die 
Gotik in Klosterneuburg nicht zu linde. Nicht nur, daß 
hier auch während des ganzen 16. jahrhunderts gotische 
Formen lebendig blieben. Das 17. jahrhundert brachte 
ein Wicdererstchen der Gotik. Wie anderwärts wurden 
auch hier von rudollinischen Malern gotische Tafel- 
hilder kopiert, aber in Klosterneuhurg war das Nach- 
leben der Gotik noch stärker. Um 1610 wird an dem von 
Propst Thomas Ruell errichteten Prälaturgebäude eine 
Kapelle mit prächtigem, gotischem Maßwerklenster er- 
baut, und 1638 errichtet Giovanni Bnttista Carlone, 0b- 
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