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Volltext: Alte und Moderne Kunst VI (1961 / Heft 48)

 
 
Aus dem Besitz Wiener Kunrt- 
bandlungen: 
Franz Xaver Peller, Großes Stilleben mit 
Blumen, Früchten, Vögeln und Schmet- 
terlingen, O] auf Lwd., sig. Franz Xav. 
Pctter 845, 103 X 72 cm. 
(lalerie Schebesla, Wien I., ehemals 
Sammlung Paul Wiltgenstein. 
Dieses bedeutende, virtuos gemalte, in 
voll cntfalteter Farbenpracht leuchtende 
Stilleben ist das Werk eines Künstlers, 
der sich fast ausschließlich als Spezialist 
auf dem Gebiete der Blumenmalerei be- 
tätigte. F. X. Petter wurde 1791 in Wien 
als Sohn des Jakob Petter geboren, der 
Schwager des berühmten Malers kunst- 
vuller Gläser, Anton Kothgasser, war. 
Franz Xaver besuchte die Akademie in 
Wien und war bereits 1814 zum Korrek- 
tor an der Blumen-Zeichenschule avan- 
ciert. 1832 wurde er zum Professor an 
der Zeichenschule der Wiener Porzellan- 
manufaktur ernannt, wenig später, 1833, 
ist er bereits Direktor dieses Institutes 
und Rat der Akademie. Sein Stil weist 
enge zeitgeschichtliche Verwandtschaft 
zu dem des Porzellanmalers Josef Nigg 
auf, dessen Spezialität richtiggehende 
Porzellangemälde von Blumen oder die 
Dekoration von Prunkvasen mit Blu- 
menstilleben Waren, Auf Petters hierge- 
zeigtem Bild ist die Verwandtschaft zur 
Porzellanmalerei gerade durch die Beto- 
nung der emailleartigen Leuchtkraft der 
Farben unverkennbar. 
Simon 'I'r0ger, Kreuzigungsgruppe. Lin- 
denholz und Elfenbein, Höhe 60 cm, 
Basisliinge 35 cm. 
Kunsthandlung Dittmar, Wien I, Hoch- 
haus 
Die in der Abbildung gezeigte Kreuzi- 
gungsgruppe wurde von Prof. Robert 
Eigenbergei" als Werk des Südtiroler 
Bildsehnitzers Simon Troger erkannt. 
'I'roger kam als Sohn armer Leute in 
Abfaltersbach im Pustertal 1693 oder 
1694 zur Welt. Trotz bedeutender Er- 
folge blieb er Zeit seines Lebens selbst 
ein einfacher, schlichter Mann. 1721 tritt 
er, der bereits über Erfahrungen in der 
im Heimattal geübten Bildschnitzkunst 
verfügte, in die Meraner Werkstatt eines 
Bildhauers namens Schmiedegger ein. 
1723f25 finden wir ihn in Innsbruck bei 
Nikolaus Moll, seit 1726 ist er in Mün- 
chen nachweisbar, wo er sich in der 
Zeit um 1730132 bei Andreas Faislen- 
berger weiterbildct. Kurfürst Maximi- 
lian III. Josef wird auf ihn aufmerk- 
sam und ermöglicht ihm eine Speziali- 
sierung zum Elfenbeinschnitzer. Troger 
gründet eine eigene Werkstatt in Haid- 
hausen bei München, wo er 1768 - an- 
geblich erblindet - seine Tage be- 
schließt. Neben figurenreichcn, vor- 
nehmlich mythologischen Elfenbein- 
schnitzereien, die auf das wirkungsvollste 
mit dunklem Holz kombiniert sind, 
stellte Troger auch jene Bettlertypen 
her, die als „TrogerfigurL-n" zum Gat- 
tungsbegrifl geworden sind. Kreuzi- 
gungsgruppen des hier abgebildeten 
Typs gehören in der Uberfeinerung ih- 
res Formenapparates und der Sensibilität 
des Ausdrucks zu den feinsten Leistun- 
gen des süddeutschen Spätbarocks. 
Ausstellungen von Werken zeitge- 
nössischer Künstler im Dorotbeum. 
In den Monaten julißugust ruht der 
Versteigerungsbctrieb derKunstabteilung 
des Dorotheums; um die zentral gele- 
genen und entsprechend eingerichteten 
Auktionsriiume nieht ungenutzt zu las- 
scn, hat der Vorstand des Dnrotheums 
beschlossen, zunächst den großen Ver- 
stelgerungssaal lebenden Künstlern für 
Ausstellungszwecke zur Verfügung zu 
stellen. Das Unterfangen ist durchaus 
unkommerzieller Natur, die Anstalt 
trägt nicht nur für die Unterbringung 
der Werke, sondern auch für ihre Ver- 
sicherung und Bewachung Sorge, ohne 
sich irgendwelche Spesen zu berechnen. 
Um eine wirklich objektive Auswahl der 
in Frage kommenden Werke zu garan- 
ticrcn, wurden die in Wien tätigen 
Kunstkritiker eingeladen, eine Art von 
jury zu bilden. Da die erste dieser Aus- 
stellungen bereits am 10. juli eröffnet 
werden soll, wurde als Ubergangslösung 
ein Vorschlag akzeptiert, der die Teil- 
nahme von Prof. Anton Steinhart, Salz- 
burg, Prof. Vilma Eck] und Prof. Walter 
Ritter, Linz, vorsieht. Bei diesen Künst- 
lern handelt es sich um Persönlichkeiten, 
die trotz ihres hohen Ranges in Wien 
viel zu wenig bekannt sind und auf die- 
sem Wege der kunstinteressierten Of- 
fentliehkeit wieder ins Gedächtnis ge- 
bracht werden sollen. Es ist zu hoffen, 
daß sich die Beteiligung von Künstlern 
und Kunstkritikern in Hinkunft rege 
entwickelt, denn das Dorotheum hat die 
Absicht. Ausstellungen dieser Art nicht 
nur allsommerlieh, sondern auch in den 
zwei Wochen unmittelbar vor Weih- 
nachten zu organisieren. Dr. K. 
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