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Volltext: Alte und Moderne Kunst VI (1961 / Heft 49)

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liquicnschrein des hl. Leopold abgeliefert werden, 1793 
das silberne lloehaltartalwernakel, 1810 der neue Leo- 
poldischrein und viele andere Kunstwerke. Obwohl das 
Stift in seiner Schatzkammer nur mehr Reste des einst- 
mals so reichen Bestandes an Goldschmiedearbeiten ver- 
wahrt, stellen diese Reste noch immcr einen der größten 
und kostbarsten Klosterschätze Europas dar. 
lns jahrhundert der Gründung reicht das weltberühmte 
Emailwerk zurück, das Meister Nikolaus von Verdun 
1181 vollendete und das heute unter dem Namen „Ver- 
duner Altar" bekannt ist. Es bedeutet den Höhepunkt 
der mittelalterlichen Emailkunst. Meister Nikolaus hat 
dieses Werk zweifellos an Ort und Stelle in Klosterneu- 
burg geschaffen. Das Stift unterhielt damals enge Be- 
ziehungen zum Westen. Neben dem Werk des Nikolaus 
beweisen dies drei gleichzeitig entstandene, vorzügliche 
Email-Reliquiare aus Limoges. Auch der mächtige sie- 
benarmige Bronzeleuchter, der ehemals in der Stifts- 
kirche vor dem Hochaltar stand, dürfte am linde des 
12. Jahrhunderts im Maastal geschaffen worden sein. 
Heute steht er in unmittelbarer Nachbarschaft des Ver- 
duner Altars am Grabe des hl. Leopold. 
Ob im 13. Jahrhundert in Klosterneuhurg Goldschmiede- 
arheiten entstanden, ist unbekannt. jedenfalls hat sich 
nichts aus dieser Zeit erhalten. Hingegen ist das 1-1. jahr- 
hundert durch einige Werke hervorragender Qualität 
vertreten. Namentlich Propst Stephan von Sierndorf 
(1317-1335) schuf sich als Auftraggeber bedeutender 
Künstler ein bleibendes Andenken. Er liell nach dem 
großen Brand von 1330 das Emailwerk des Nikolaus von 
Verdun, das bis dahin als Verkleidung der Kanzelbrü- 
stung gedient hatte, zum Flügelaltztr umhauen. Damals 
Wurden sechs limailtafeln hinzugefügt, die sich dem Stil 
des Meisters Nikolaus verblüffend anpassen: eines der 
frühesten Beispiele von Historismus. [n einer Verkündi- 
gung Mariae, als Kopie der entsprechenden Tafel am 
2 Verduner Altar angefertigt, hat sich vermutlich ein 
GOLDSCHMIEDE - 
ARBEITEN 
IM STIFT 
KLOSTERNEUBURG 
FLORIDUS ROHRIG 
Wie reich das Chorherrenstift Klosterneuburg einst an 
Werken der Coldschmiedekunst war, kann man ermessen, 
wenn man alte Schatzinventare durchsieht. Seitenlang 
werden hier Kelche, Monstranzen, Reliquiare aufgezählt, 
deren Beschreibung erkennen läßt, daß außergewöhnliche 
Praehtstüeke darunter gewesen sein müssen. Der größte 
Teil dieser Kostbarkeiten ist heute verloren. Daran tra- 
gen weniger die Bergungen Schuld, die mehrmals nötig 
waren, wenn feindliche Truppen sich Klosterneuburg 
näherten - viele alle Objekte tragen noch aus solchen 
Anlässen angebrachte Besitzvermerke des Stiftes -, 
als vielmehr die Edelmetallablieferungen an die kaiser- 
liche Münze. Sie kosteten das Stift viele seiner größten 
und kostbarsten Kunstwerke. So mußte (jeweils neben 
vielen anderen Objekten) 1526 der große silberne Re-
	        

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