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Volltext: Alte und Moderne Kunst VI (1961 / Heft 49)

berne Büstenreliquiar des Heiligen zu krönen, sondern 
fungierte auch als Krone des Erzberzogtums Österreich 
bei der Belehnung eines neuen Landesfürsten und bei der 
Erbhuldigung durch die Stände. Nur aus diesen beiden 
Anlässen durfte das Kleinod von Klosterneuburg weg- 
gebracht werden, jede widerrechtliche Entfernung wurde 
von Papst Paul V. mit dem Kirchenbann bedroht. Wo die 
sehr schöne, edel geformte Krone entstanden ist, konnte 
bis heute nicht restlos geklärt werden. Man dachte an 
die Prager Hofwcrkstätte, aber auch - und wohl mit 
größerem Recht - an München oder Augsburg. Das 
gleichfalls von Maximilian gestiftete Büstenreliquiar hat 
ebenso wie ein Armreliquiar des hl. Leopold die Metall- 
ablieferung von 1810 nicht überlebt. 
Seit dem beginnenden 17. Jahrhundert nahm auch in 
Klosterneuburg das religiöse Leben einen gewaltigen 
Aufschwung. Demgemäß wurde nun eine große Menge 
geiles-dienstlicher Gefäße und Geräte geschaffen. Die 
ältesten Kelche dieser Zeit wiederholen noch in seltsa- 
mer Weise gotische Formen _ in Klosterneuburg zeigte 
ja die Gotik ein ungewöhnlich zähes Nachleben. 1625 
schuf der Wiener Goldschmied Hans Melchior Sibma- 
eher für den Propst Andreas Mosmiller eine kostbare 
Emailgztrnitur aus schwerem Gold, bestehend aus Kelch, 
zwei Kännehen und Tasse. Dersclben Zeit entstammt ein 
kleines, überaus wertvolles Standkreuzehen, wahrschein- 
lich gleichfalls von Sihmacher. Unter den zahlreichen 
barocken Gefäßen der Schatzkammer ragen ein Kelch 
und ein Ziborium hervor, die Graf Martinitz 1676 dem 
Stifte schenkte. Sie sind Werke der Prager llofwerkstätte, 
mit reichem Silberfiligran überzogen und mit böhmi- 
schen Granaten sowie Relicfmcdaillons der böhmischen 
Patrone geschmückt. Zwei sehr kostspielige Kelche mit 
Edelsteinschmuck und Maleremail entstanden in der 
Zeit des Propstes Ernest Perger (1707-1748), ebenso 
ein prächtiges Pastorale mit Silberfiligran von Johann 
Kaspar llolbein. Vornehmlich als Kuriosum darf ein 
großer Kelch von Michael Gotthard Umerhueber (1736) 
gelten. der aus Donauwaschgold gefertigt wurde. 
Das kostbarste Goldschmicdewerk des 18. jahrhunderts 
ist die berühmte „Sehleiermonstranf, 1710-1714 nach 
dem Entwurf Matthias Steinls von Johann Baptist Kä- 
nischbauer von Hohenried geschaffen. Sie ist 80 cm hoch 
und stellt die Auffindung des Schleiers durch den heiligen
	        

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