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Volltext: Alte und Moderne Kunst VI (1961 / Heft 51)

 
OTFRIED KASTNER 
Kleinen Beschlägen, die nicht das 
ganze Türfeld überziehen, wurde 
bisher wenig Beachtung geschenkt. 
Dies vielleicht deshalb, weil sie in- 
nerhalb des weit gespannten Gebie- 
tes der Eisenkunst tatsächlich das 
Unscheinbarste sind und meist nur 
dem Kenner auffallen. Mit der Zu- 
wendung zur Handwerkerkunst un- 
serer Eisenschmiede gewinnt jedoch 
guter Beschlag neuerlich bei Neu- 
bauten mehr und mehr an Interesse. 
Unsere ausgeziertcn Eisenbeschläge 
sind überaus zahlreich und weitver- 
breitet, weil sie über Schloß und 
Stadthaus hinaus aufs breite Land 
kamen und weil schließlich nicht 
nur die Tore und Türen der Häu- 
ser, sondern auch die Türen der 
Kästen ihre Eisenbänder oft in über- 
aus gepflegter Weise ausgeziert er- 
hielten. (So wetteiierten Bauernkä- 
sten der Florianer Gegend mit Sa- 
kristeikästen des berühmten Augu- 
stinerstiites.) 
Größere Museen vermögen un- 
schwer ganze Reihen zusammenzu- 
stellen, eine Überschau aber über 
die gesamten Österreichischen Be- 
stände von Beschlägen wurde bisher 
nicht erstellt. Es wäre eine überaus 
aufschlußreiche Arbeit, der Ver- 
breitung einzelner Formen oder den 
Lieblingstypen einiger Meister, 
nachzugehen, sowie die bodenwüch- 
sigen von den eingewanderten For- 
men, welche durch Gesellen vermit- 
telt wurden, zu scheiden. Zu dieser 
lohnenden Arbeit der Zukunft 
könnte selbst das kleinste Heimat- 
haus Material vorlegen, ja dieses 
würde in dieser Zusammenschau 
erst - durch seine lokale Gebun- 
denheit - zu voller Bedeutung 
kommen, Eine Frage etwa: Wie 
weit sind Beschläge in Obernberg 
a. I. von solchen in Lunz am See 
oder im östlichen Burgenland aus- 
einanderzuhalten? kann noch nicht 
beantwortet werden. Oder: Läßt 
sich aus dem Beschlagswerk auf den 
Stand der Auitragsgeber schließen? 
Könnten wir sie also auch soziolo- 
gisch auswerten? Oder: sind die 
Stilmerkmale das Primäre und alle 
anderen Fragen belanglos? Wir se- 
hen, daß unsere Stiefkinder durch- 
aus unser Interesse verdienen wür- 
den. 
 
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