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Volltext: Alte und Moderne Kunst VI (1961 / Heft 51)

Sonntagberg kann in gewisser Hinsicht aber auch als 
Vorstufe für Melk aufgefaßt werden. Dies zeigt sich vor 
allem in der glücklichen Einbeziehung in die Landschaft. 
Die schwingende Altane mit Freitreppe und Balustrade 
schafft eine ähnliche malerische Überleitung von der 
Natur zum gestalteten Kunstwerk wie in Melk. Beson- 
ders gut zeigt dies das 'bisher unbekannt gebliebene 
Aquarell von Preehler aus dem Jahre 1727 (Nö. Landes- 
museum), das die Kirche noch 'frei von den späteren 
Zubauten darstellt. Auch die ursprünglichen Turmlö- 
sungen sind auf diesem Bilde zu sehen. 
Der Baubeginn der barocken Wallfahrtskirche fällt in 
eine bedeutende Epoche österreichischer Geschichte. 
Schon 1651 hatte sich eine Dreifaltigkeitsbruderschaft 
gebildet, aus deren Wiener Chronik man erfährt, daß 
Anno 1679 „die böse Sucht (Pest) augenblicklich nach- 
gelassen und aufgehöret, als auf dem Platz, der Graben 
genannt, das Bildniß der Allerheiligsten Dreifaltigkeit 
nach unserer Sonntagbergischen Manier und Form auf 
eine hohe Säulen gesetzt und mit höchster Andacht ver- 
ehret worden". Vor allem nach der siegreichen Türken- 
schlaeht kamen die Wiener „aus dankbarer Demut und 
großer Devotion" alljährlich in der vierten Woche nach 
Pfingsten auf den heiligen Berg und brachten ihre Votiv- 
gaben, wie dies etwa aus dem topographisch sehr inter- 
essanten Gemälde der Türkenschlacht vor Wien von 
A. M. Khobaldts hervorgeht. „Dier sey Lob, dier sey Ehr, 
dier sey Dankh in Ewigkeith, benedeiet sey der Nrihmen 
deiner glory O. H. Dreyfaltigkeith dzin durch die 
Völkher hastu dein Crafft bekhundt gemacht und hast 
deine Dienner erleset die in dich geglaubet haben", lau- 
tet die Widmungsinschrift. Votivbilder großer Städte 
und Märktc, Wegsäulen mit dem Gnadcnbild, die 
sich in Österreich, Böhmen, der Slowakei und Ungarn be- 
finden, geben Zeugnis von dem Zustrom der Wallfahrer. 
Obwohl die Errichtung dieser Kirche ein Anliegen der 
Zeit war, zieht sieh die Vollendung ihrer Ausstattung 
fast 60 Jahre hin. 1706 beginnen die Arbeiten, 1714 wer- 
den zwölf große Kirchenfenster eingesetzt und 1717 
hören wir von der Anschaffung zweier kupferner Turm-
	        

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