MAK

Volltext: Alte und Moderne Kunst VI (1961 / Heft 51)

EIN GEISTIGER VORLÄUFER MAKARTS 
ERNST KOLLER 
Zum Gedenken 
an die 200. Wiederkehr 
seines Todestages 
Die grundlegenden Arbeiten zur Er- 
fassung des Werkes von Johann Ge- 
org Plazer hat im Verlaul der ver- 
gangenen vier Jahrzehnte Gotthard 
Agalh geleistet. Selbst der beschei- 
denste Versuch, sich mit dem Werk 
des vor zweihundert Jahren verstor- 
benen Malers aus Südtirol zu be- 
schäftigen, kann an den Ergebnissen 
Agaths nicht vorbeigehen. Auch 
vorliegender Aufsatz beruft sich 
ohne weiters präzisierte Zitierungen 
immer wieder auf sie} 
Johann Georg Plazer wurde am 
25. Juni 1704 in St. Michael bei 
Eppan geboren. Sein Vater, Johann 
Viktor Plazer, war ebenfalls Maler, 
doch sind Werke von seiner Hand 
nicht bekannt. Feulner? spricht in 
vagen Worten von einem Bruder Jo- 
hann Georgs, der ebenfalls Johann 
Viktor geheißen und „Miniaturen 
religiösen Inhaltes. .." gemalt ha- 
ben soll. 
Die Familie Plazer ist in Eppan seit 
1629 nachweisbar; als Lebensdaten 
Johann Viktor's gibt Wurzbaeh die 
Jahre 1665 bis 1708 anF Nach dem 
Tod von Johann Georg's Vater hei- 
ratete die Witwe den 1721 in Eppan 
verstorbenen Maler Joseph Anton 
Kcßlcr, der mit Werken in der St. 
Georgskirche in Oberplanitzing bei 
Kaltern und der Pfarrkirche von St. 
Pauls künstlerisch laßbar ist. Keß- 
ler war zwangsläufig der erste Leh- 
rer Johann Georg's. Der Maler- 
knabe kam im Alter von zwölf Jah- 
ren in die Obhut seines Onkels 
Christoph Plazer, dem Bruder Jo- 
hann Viktor's. Dieser nicht unbe- 
deutende Künstler war Holmaler 
des Fürstbischols von Passau und 
kann vielleicht' bereits 1698 in 
Salzburg nachgewiesen werden, wo- 
selbst er mit dem Hochaltarbild in 
der Kajetanerkirehe künstlerisch 
vertreten ist. Auch die Altarbilder 
der Kapuzinerkirche in Kitzbühel 
und eine „Feuerprobe der heiligen 
Kunigunde" in Niederaltaich stam- 
men von seiner Hand. 
Der junge Johann Georg hat seinem 
Onkel wohl in erster Linie eine ge- 
naue Kenntnis religiöser und my- 
thologischer Sujets zu verdanken, 
die in seinem Werk eine so ent- 
scheidende Rolle spielen. 
1728 finden wir den nunmehr vier- 
undzwanzigjährigen Künstler an der 
Akademie in Wien, die er wohl auf- 
suchte, um sich mit der Kunst 
ihres Leiters Jacob van Schuppen 
(1670 bis 1751) auseinanderzusetzen. 
der als Neffe von Nicolaus de Lar- 
gilliere in Paris seine künstlerische 
Ausbildung genossen und die dorti- 
gen Zeitideale nach Wien verpflanzt 
hatte. 
Die Freundschaft Johann Georgs zu 
dem fast gleichaltrigen Maler Franz 
Christoph Janneck (1703 bis 1761) 
ist urkundlich zwar nicht nachweis- 
bar, liegt aber durchaus im Bereich 
des Möglichen, wenn man die große 
Ähnlichkeit von Sujets und Stilmit- 
teln im Werke beider Maler in Be- 
tracht zieht. 
Das Jahr 1723 brachte Johann Georg 
eine für seine Karriere außerordent- 
lich wichtige Begegnung: er lernte 
den Breslauer Edelmann Albrecht 
von Sebisch kennen, der in diploma- 
tischer Mission in Wien weilte und 
1730 bei seiner Rückkehr in die 
Heimat vierzehn Bilder Plazers nach 
Breslau nahm. Damit beginnt eine 
Erfolgsserie, die bis zum Tode des 
Malers nicht unterbrochen wurde: 
die reichen Leute von damals reißen 
sich um seine Bilder, die praktisch 
in alle Länder des mittleren und öst- 
lichen Europas gelangten und ver- 
einzelt heute noch sogar in Frank- 
reich und England auftauchen. Auch 
der Zarenhof besaß eine Reihe von 
Gemälden Plazers, von denen fünf 
im Jahre 1929 bei Lepke in 
Berlin versteigert wurden. Heute 
verfügen die Museen von Breslau, 
Kassel, Innsbruck, Graz, Salzburg 
(Residenzgalerie), London (Wallace 
Collection), Moskau, Ostankino, 
Leningrad (Eremitage), Dresden 
(Staatl. Kunstsammlungen) und 
Wien (Österr. Galerie, Historisches 
Museum) über wichtige Arbeiten. 
Agath hatte schon vor drei Jahr- 
zehnten Bilder als eindeutig von Jo- 
hann Georg Plazer stammend er- 
laßt, doch ist anzunehmen, daß die 
Produktivität des Künstlers diese 
relativ bescheidene Zahl weit über- 
schritt, sodaß mit dem Auftauchen 
weiterer Werke sicher gerechnet 
werden kann. Über Plazefs letzte 
Lebensjahre wissen wir, daß er sie 
in seinem Geburtsort in aller
	        

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