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Internationale 
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Zentralblatt für Sammler, Liebhaber und Kunstfreunde. 
Herausgeber: Norbert Ehrlich. 
9. Jahrgang. Wien, 15. November 1917. Nr. 22. 
Die Sammlung Richard von Kaufmann. 
Die Sammlung Richard von Kaufmann, 
die in Berlin zur Versteigerung gelangt, hat für den 
Kunstforscher die gleiche Bedeutung wie für den 
Kunstliebhaber. Der Katalog der Sammlung, der zu 
einem dreibändigen Werk anwuchs, wurde von Wilhelm 
von Bode mit einem Vorwort Versehen und die ein 
zelnen Teile von zuständigen Forschern bearbeitet. 
Max J. Friedländer verzeichnetc die Gemälde, 
Otto von Falke das Kunstgewerbe und Fritz Gold 
schmidt die Bildwerke verschiedenen Materials. 
Die Stärke der Sammlung liegt sowohl auf dem 
Gebiete der deutschen Kunst des 15. und 16. Jahr- 
hunderts als auch in der hohen Zahl von Werken 
der frühen niederländischen Kunst. Nicht nur, daß 
Seltenheiten hier erscheinen, die in Privatsammlungen 
kaum je anzutreffen sind, wie ein Bildnis von Roger 
van der Weyden, Werke von Memlin, Gerard 
David, Patinir, Breughel, und Hieronymus 
Bosch, so finden sich auch Kostbarkeiten, die in 
öffentlichen Sammlungen spärlich oder gar nicht ver 
treten sind. Dahin rechnet die berühmte „Geburt 
Christi“ des Geertgen tot sint Jans, und die 
„Auferstehung des.Lazarus“ von Nicolas Froment. 
Aus den Anfängen, Übergangsstadien und Reife 
zeiten der alten deutschen Kunst sind wichtig: drei 
kleinere, äußerst prägnante und prächtige Bildchen 
der böhmischen Schule, zwei Werke H o 1 b e in s des 
Älteren, mehrere Arbeiten Cranachs des Älteren, 
Hauptwerke des Bartholomäus Meisters und von 
Bartel Bruyn, das Selbsbildnis des Hans von Kulm 
bach, eine Landschaft von Wolf Huber usw- 
Aucli die italienische Kunst greift zeitlich sehr 
weit zurück. Einige juwelartige Stücke der trecen- 
tistischen Malerei von Florenz und Siena bilden 
den Auftakt, Werke von Botticelli, Crivelli, 
Piero di Cosimo betonen die mittlere und Gior- 
gione, Basaiti, Lotto, MorettoundTintor etto 
die spätere Kunst Italiens. 
So wie in der Auswahl der Gemälde waltet auch 
auf dem Gebiete der Bildwerke und des Kunstgewerbes 
Sorgfalt und feines Verständnis. Es erscheinen hier 
Unika wie das „Satyrpaar“ von Riccio und ein, 
Prunkgefäß desselben“Künstlers. Daneben nimmt die 
italienische Monumentalskulptur eine nicht unbe 
deutende Stellung ein. Eine Engelfigur des Pier 
Francesco von der florentinischcn Domfassade 
(vor 1407) 'ein Relief aus der Donatello-Werkstatt, 
ein signiertes Marmorrelief von Bartolomco Spani 
und eine ganze Reihe Stucchi und TonreLiefs von 
Lucca della Robbia und Desiderio da Scttignano 
heben sich aus dem Reichtum der Objekte besonders 
heraus. 
Die Gegenstände des Kunstgewerbes setzen mit 
einem Reliquiar des 8. Jahrhunderts ein, einem Stück, 
wie es kaum eine zweite Privatsammlung aufweist. 
Nur in Kirchenschätzen und Museen gibt es noch 
sechs ziemlich wohlerhaltene Reliquiare von derselben 
eigentümlich geschweiften Taschenform, die vornehm 
lich im 7. und 8. Jahrhundert gebräuchlich war. In 
Frankreich besitzen die Kirchen von St. Annet- 
Avalouze und St. Benois sur Loire solche 
Bursen oder Enkolpien, das eine auf die Jahre um 680 
datierbar; dann der Luciusdom von Chur und der 
alte Langobardenschatz in Monza. Das vornehmste 
Stück der Gattung, bei den Reichskleinodien der 
Wiener Schatzkammer, stammt aus Aachen und 
war ein unentbehrliches Requisit jeder deutschen 
Kaiserkrönung. Das Berliner Kunstgewerbemuseum 
hat sein Taschenrcliquiar aus der Grabkirche des 
Sachsenherzogs Wittekind erhalten und es wird 
mit guten Gründen zu den Geschenken Karls des 
Großen für die Taufe Wittekinds (785) gerechnet. 
Innerhalb dieser Reihe nimmt das Reliquiar der 
Sammlung Kaufmann insofern eine Sonderstellung 
ein, als die für die Völkerwanderungskunst so charak 
teristischen verschlungenen Bandornamente der 
Schauseite nicht getrieben, sondern in der Technik 
der gleichzeitigen germanischen Fibeln in starke 
Kupferplatten mit Schrägflächen eingeschnitten sind. 
Das Reliquiar ähnelt darin einem Hauptwerke des 
karolingischen Kunstgewerbes, dem Kelch, den der 
Bayernherzog Tassilo.um 780 dem Kloster Krems 
münster gestiftet hat. Auch die Art, wie die Silber 
rahmen mit nieliierten Ornamenten auf die Kupfer 
platten des Reliquiars aufgenietet sind, ist dem 
Tassilokelch verwandt. Man hat daher einigen Grund, 
das Reliquiar ebenfalls, in das achte Jahrhundert zu 
setzen, obwohl Form und Ornamentik eine frühere 
Entstehungszeit nicht ausschließen. Zuverlässige An 
gaben über die örtliche Herkunft liegen nicht vor. 
Es soll vom Oberrhein herstammen, einem Gebiet, 
das sowohl auf der burgundischen, wie auf der 
allemannischen Seite stilverwandte Schmucksachen 
hervorgebracht hat. Arbeiten des 14. Jahrhunderts von 
Limoges, ungewöhnlich gut erhalten, und eine stattliche 
Monstranz des 15. Jahrhunderts sind Glanzstücke,
	        
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