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Full text: Alte und Moderne Kunst VI (1961 / Heft 52)

Sie ist von Johann Köstler in 
Steinamanger signiert, der dort um 
1830 arbeitete. Bemerkenswert an 
dieser Uhr sind der lluygen'sche 
Aufzug mit endloser Schnur, die 
Sekunde aus der Mitte, zusammen 
mit dem Minutenzeiger und die bei- 
den getrennten Zifferblätter für die 
Stunde und das Datum. 
Die Bodenstanduhr Abb. 11 be- 
sitzt bereits den einheitlichen, voll 
entwickelten Kastenaufbau. Wir ha- 
ben hier einen wohlproportionierten 
zarten Kasten, der das Werk und 
Zifferblatt als den entscheidenden 
Teil betont hervortreten läßt. Es 
handelt sich hierbei um eines der 
bedeutendsten Stücke der Samm- 
lung Sobek, nämlich um ein Haupt- 
werk des genialen Uhrmachermei- 
sters Mathias Ratzenhofer, 
bürgerlicher Meister in Wien 1789, 
"l" 1839, der 1835 eine Bronze-Me- 
daille erhalten hatte. Ratzenhofer 
war ein exquisiter Meehanikus, 
der sich an die schwierigsten fein- 
mechanischcn Probleme mit Erfolg 
herangcwagt hatte. Das Uhrwerk 
dieser Uhr hat als ganz besonderen, 
fast einmaligen Zug einen horizon- 
talen Ankergang und dementspre- 
ehend ein horizontal liegendes 
Gangrad, was zu dem im Oberen 
Teil des Zifferblattes ersichtlichen 
zylinderförmigen Sekundenindika- 
tor führt. Das Zifferblatt selbst ist 
aus Milchglas und enthält eine 
Reihe von Indikatoren, die wir am 
besten an der Großaufnahme Abb. 12 
beschreiben; außer den ungewöhn- 
lich schön gearbeiteten Stahlzei- 
gern für Stunden und Minuten ist 
noch ein Thgesdatum-Zciger aus 
der Mitte vorgesehen, der - je nach 
der Monatslänge - am Ende des 
Monats zur Eins zurück springt. 
Rechts und links sind zwei Kalen- 
derzifferblätter mit je zwei Zeigern 
und dazwischen eine die Mondpha- 
sen angehende Kugel angebracht. 
Das llilfszifferblatt auf der rechten 
Seite gibt die Wochentage und die 
zugehörigen astrologischen Tages- 
regenten, der innere Kreis die Tier- 
kreiszeichen an. Das linke Hilfszif- 
ferblatt gibt außen die Monate und 
innen den vierjährigen Schaltjahrs- 
zyklus an. Diese Indikationen las- 
sen erkennen, daß das Uhrwerk 
einen regulären hundertjährigen 
Kalender besitzt, eine Anordnung 
die ebenfalls höchste Ansprüche an 
die feinmechanischen Fähigkeiten 
stellt. 
Die letzte Vollendung in der Stand- 
uhrform dieser Epoche erscheint uns 
die in Abb. 13 gezeigte Dreimonats- 
uhr zu besitzen, die von dem bereits 
frühergenannten jose ph Bin d e r 
um 1818 in Wien hergestellt wor- 
den ist. Bezüglich des Werkes cr- 
wähnen wir als erstes das schwere 
Kompcnsationspendel nach lilicott 
mit einer 'l'emperaturanzeige, die 
Angabe der Zeitgleichung (Equa- 
tion) durch einen dritten Zeiger aus 
der Mitte, die Angabe von Sonnen- 
Auf- und Untergang in der Ausneh- 
mung über der Mitte. nebst Tag- 
und Nachtlängcn, des jeweiligen 
Monats und Tierkreiszeichens und 
der Wochentage am linken Hilfs- 
zifferblatt, der jeweiligen Zeit an 
verschiedenen wichtigen Plätzen der 
Erde (Weltzeituhr) am rechtenllilfs- 
Zifferblatt und der Mondphasen 
durch eine kleine Kugel unterhalb 
der Mitte. 
Der Besitz einer kunstvollen und 
genau gehenden Bodenstanduhr 
hat bis in die zweite Hälfte des 
19. Jahrhunderts einerseits ein At- 
tribut eines wohlmontierten llau- 
ses dargestellt und andererseits 
zum selbstverständlichen Inventar 
jedes Uhrmachergewölbes gehört. 
Im letzteren Fall waren die Uhren 
sehr häufig die Mcisterstücke des 
betreffenden Inhabers und gaben 
durch ihre Ausführung nicht nur 
Zeugnis für die Geschicklichkeit 
und den Geschmack bei der Aus- 
wahl des Kastens, sondern dien- 
ten gleichzeitig als Regulatoren 
zum Einstellen der reparierten 
Uhren. Als Beispiel für solche Bo- 
denstanduhren zeigen wir noch die 
Abb. 14, 15 und 16, die die all- 
mählichen Kastenveränderungen 
entsprechend zum Zeitgeschmack 
erkennen lassen. Bei Abb. 14 ist 
der skelcttierle Aufbau analog 
Abb. 3 zu erwähnen; Abb. 15 zeigt 
eine jahresuhr von Franz Foggen- 
berger aus Altlerchenfeld um1830 
und Abb. 16 einen besonders ge- 
nau gebauten Monatsregulator 
mit Quecksilber-Kompensation 
nach Graham, um 1850. 
Bei einer mehrere hundert Objekte 
umfassenden Sammlung ist die Be- 
schränkung auf einen kleinen Pro- 
zentsatz nur bei einer sehr subjek- 
tiven Aufgahenstellung möglichÄVir 
haben uns hier auf eine Charakteri- 
sierung der llauptstärke der Samm- 
lung - nämlich auf die Wiener 
Meister der Wende vom 18. zum 19. 
Jahrhundert und der anschließenden 
Biedermeierzeit - beschränkt. Auch 
hier konnten wir nur einen ganz 
kleinen Teil im Bilde bringen. Da- 
neben finden sich in der Sammlung 
Sobek in größerer Anzahl wichtige 
Uhren aus dem österreichischen 
Raum der alten Monarchie und 
auch bedeutende Vertreter West- 
europas. 
'70
	        
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