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Volltext: Alte und Moderne Kunst VI (1961 / Heft 52)

 
Von nun ab vollzieht sieh im Schal- 
fen Lettners eine konsequente Ent- 
wicklung, und immer wieder konn- 
te man an lland der in den ver- 
schiedensten Ausstellungen gezeig- 
ten einzelnen Arbeiten überrascht 
sein, wie sehr dieser unerhört tem- 
peramentvolle Künstler es von Jahr 
zu Jahr verstanden hat, seine Tech- 
nik immer mehr zu lockern und da- 
bei eine immer stärkere Verdich- 
tungdesGehaltesund Intensivierung 
des Themas zu erreichen. Bei vie- 
len seiner Arbeiten aus den Jahren 
 
 
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Lineare, wie das Malerische war je- 
weils auf ein und demselben Bild 
gleichermaßen zur Wirkung ge- 
bracht. Und wenn auch oft, infolge 
der ohne Rücksicht auf die Begren- 
zung der einzelnen Farbfliichen dem 
Bilde eingebrachten, das Thema be- 
stimmenden linearen Elemente, der 
erste Moment des Betraehtens ein 
Nebeneinander von Linie und Farbe 
hätte vermuten lassen können, so 
war dieser Eindruck doch nur ein 
scheinbarer. Denn sowohl Linie als 
auch Farbe verfügten über die Kraft 
sich gegenseitig zu steigern und in 
dieserihrer wechselwirkenden Funk- 
tion das Werk zu einer Einheitlich- 
keit und Geschlossenheit im Ge- 
samtausdruck zu gestalten. 
Neben der Ölmalerei - Lettner 
malt vielfach mit Ol auch auf Pa- 
pier - pflegt der Künstler nach wie 
vor auch die verschiedensten gra- 
phischen Techniken, so die Mono- 
typie, die Bleistift- und Tuschzeich- 
nung und konnte sich mit großem 
Erfolg an Fassadenflächen auch im 
Sgraffito versuchen. Die durchaus 
positive Reaktion auf eine Kollek- 
tivausstellung im Tiroler Kunstpa- 
villon zu Innsbruck im Jahre 1953, 
die Zuerkennung eines Preises beim 
Österreichischen Graphikwettbe- 
werb im Jahre 1954 und die Verlei- 
hung des Preises der Stadt Inns- 
bruck im Jahr 1956 brachten Lett- 
ner die verdiente Anerkennung. 
Vom Jahr 1958 an gewinnt das ma- 
lerische Moment in seinem Schaf- 
fen immer mehr an Bedeutung. Mit 
Hilfe der Farbe allein wird nun- 
mehr der Stimmungswert der Bil- 
der erreicht, ohne daß freilich die 
Linie, die immer noch das Bild- 
thema angibt, ganz aufgegeben 
wird. Bemerkenswert für diese Zeit 
ist auch die Arbeitsweise des Künst- 
lers. Er beginnt zu malen ohne eine 
Bildvorstellung zu haben. Ohne 
festgelegter Konzeption läßt er sich 
beim Auftragen der Farben und Ak- 
zente lediglich von einer unmittel- 
baren Intuition leiten. Es entsteht 
so vorerst ein in erster Linie aus 
seelischen Impulsen heraus geschaf- 
fenes, gegenstandsloses Gemälde. 
Erst in einem weit vorgcschrittenen 
Stadium des Malprozesses bilden 
sich in der Vorstellung des Künst- 
lers Assoziationen zur gegenständ- 
lichen Welt. Um diese Beziehungen 
zwischen den bereits geschaffenen 
Formen und Farben und der schau- 
baren Wirklichkeit zu erreichen, 
wird das Bild vielfach umgedreht 
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