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Volltext: Alte und Moderne Kunst VI (1961 / Heft 52)

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der sich rechts hinten gegen den Himmel abhebt, ist 
wahrscheinlich der Turm des Vcrenakirchleins am Rit- 
ten, während weiter rückwärts Weißhorn und Schwarz- 
horn sichtbar werden. Also eine Darstellung aus der 
Gegend von Klziusen. Um so mehr ist es zu bedauern. 
daß sich die sicher sehr genau durchgeführte Land- 
schaftsstudie des Städtchens Klausen mit 
dem Kloster Sähen darüber nicht erhalten hat, die von 
Albrecht Dürer später in dem berühmten Stich das 
„Große Glück" (Abb. 12) verwendet worden ist. Wie- 
der hat der Königsberger Berthold Haendke die Land- 
schaft auf dem „Großen Glück" mit Klausen in Süd- 
tirol identifizieren können. Dürer muß die Studie etwas 
variiert, aber klar erkennbar, verwendet haben. Da ist 
der Eisack mit der alten Brücke, die Kirche zum hl. An- 
drcas, der Thinnebach. die Burg Branzoll und darüber 
die ehemalige. Bischofsresidenz Kloster Säben. alles auf 
dem Stich natürlich spiegelverkehrt wiedergegeben. 
Zu den Arbeiten der Tiroler Landschaften von der Rück- 
reise gehört auch die originelle ,.Wa s s e r m ü h l e im 
Gebirge mit dem Zeichner" (Abb. I3) des 
B c r l i n c r Kupferstichkabinetts. Auch hier sind die 
kleinsten Einzelheiten. wie die feinen Lichter auf dem 
Wasser des Bergba-chs oder die Steinblöcke und Büsche, 
zu erkennen. Aus Goethes Besitz. heute im Nationalmu- 
seum in We i mar, stammt noch die Kreidezeichnung 
einer Bergw a n d mit Schlucht (Abb. H). die Dürer 
zugeschrieben wurde. und in dem groß aufgcfaßtcn M0- 
tiv und den technisch hervorragend wiedergegebenen 
Einzelheiten seiner würdig wäre. Das Motiv wurde bei 
Salurn und Lavis auf dem Wege von Verona nach Trient. 
aber auch an der Rückseite des Siibner Burgfelsens bei 
Kiausen gesu-cht. 
lm Frühjahr H95 muß Dürer wieder in Nürnberg ge- 
wesen sein. und nun beginnt die Zeit. in der das Auf- 
steigen zur Reife erfolgt. die Zeit bis zur zweiten Reise 
nach Venedig. Nur noch vereinzelt verwendet Dürer 
Motive von der Tiroler Reise in seinem Werk. Aber als 
er sein berühmtes Selbstbildnis von 1498. das 
sich heute im Pra do befindet. schuf. wurde erneut die 
Erinnerung an das Land im Gebirge in Dürer lebendig. 
Er muß, wie der Verfasser erstmals 1951 feststellen 
konnte, für die Landschaft, die auf dem Pradobild imj 
Hintergrund durch ein Fenster sichtbar wird (Abb. 16), 
die verlorene Studie einer tirolistchcn Landschaft be- 
nützt haben. und zwar den gewaltigen. weiten Blick von 
Mösern aus ins lnntal (Abb. 17). zusammengedriingt in 
der Enge des Fensterausblicks. aber in den wesentlichen 
großen Motiven klar erkennbar. Man sieht den Fluß- 
lauf des Inns entlang dem heute bewaldeten Miemingcr 
Plateau, wo an derselben Stelle wie auf dem Gemälde 
heute noch das gotische Kirchlein St. Morizen bei 'l'elfs 
steht. im Hintergrund die verschneite Schlenkerspitze. 
Muttekopf und lleiterwand. Ob Dürer diese Landschaft 
auf der Hinreise. von Seefeld über Mösern ins [nntal 
absteigend, oder auf der Rückkehr von Venedig in sein 
Skizzcnbuch notiert hat. muß dahingestellt bleiben. 
S0 vereinigt sich im Werk eines der bedeutendsten deut- 
schen Maler die große Landschaft des Paßlandes Tirol 
im Norden und im Süden, die auf den jungen Albrecht 
Dürer einen so tiefen Eindruck gemacht haben muß. 
daß er sie - in jener Zeit etwas völlig Neues - als 
erster in ihren Städten. Gebirgen und Tälern getreulich 
mit seiner Künstlerhand wiedergab. 
Mit freundlicher Erlaubni: de: 
Unrfassen 
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