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Volltext: Alte und Moderne Kunst VI (1961 / Heft 53)

OTFRIED KASTNER 
Dieses Thema drängte sich mir in 
seiner mehrfachen Problematik ain- 
läßlich einer Begegnung mit der 
Madonna von Riom in der Auvergne 
auf. Die bisher sehr stiefmütter- 
liche Behandlung verlangt einen 
llinweis, den wir hier vorlegen. 
Durch den Vertrag von Verdun wa- 
ren religions- wie geistesgeschicht- 
lieh äußerst verschieden gelagerte 
Räume unter Ludwig dem Deutschen 
eine machtpolitische Einheit ge- 
worden. Neben dem um 830 in 
Niedersachsen noch ganz die ger- 
manische Reckenhaltung verkör- 
pcrnden Heliand steht die dem 
Kaiser gewidmete Evangelienhar- 
monie des Mönches Otfrid aus 
Weißcnburg, die um 870 nicht nur 
zugunsten des Endreimcs den Stab- 
reim aufgibt, sondern auch die 
Wendung der deutschen Gesinnung 
zum Christentum deutlich macht. 
Dieses Werk, eine Zierde derXViener 
Nationalbibliothek, bringt Bilder 
einer so überaus zarten Mystik. die 
man einer viel jüngeren Marien- 
minne zumuten würde und die der 
Malerei um ein halbes Jahrtausend 
vorauseilt} Er schreibt nach der 
Übersetzung Erdmanns I, 11,37lf.: 
,....Da bot sie mit Lust ihre jung- 
fräuliche Brust dar. 
Nicht micd sie zu zeigen, daß sie 
Gottes Sohn säugte. 
Wohl der Brust, die Christus küßt 
und der Mutter, die mit ihm 
koste. Wohl ihr, die ihn wiegte 
und in ihrem Schoße hielt, die 
ihn schön einschläierte und ihn 
neben sich legte." 
Vorerst nimmt das deutsche Volk 
in der Plastik über Venedig und den 
Donauweg einige in Byzanz entwik- 
kelte Mudonnentypen auf, auf dem 
Throne sitzende Marien, die sich 
aus der Anbetungsszene durch die 
Magier-Könige als selbständige An- 
dachtsbilder herausgelöst hatten. Es 
sind vor allem die Hodegelria mit 
dem als imperzitor eoeli aufgelaßten, 
segnenden Christussohn und die 

	        

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