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Volltext: Alte und Moderne Kunst VI (1961 / Heft 53)

festkreises ist. Nach der tiefen, 
ernsterfüllten Symbolik, der auf der 
Kline liegenden Mutter romanischer 
Handschriften, da sie das Leben 
ihres Kindes in ihrem Herzen er- 
wägt (z. B. Meschede), kommt nun 
die mystische Strömung der Gotik 
und verwendet den Vogel als Bild 
der menschlichen Seele; und so wird 
er auch in den Frauenklöstern als 
Beigabe ihrer jesuleins verstanden 
worden sein. 
I)ürfen wir Österreich als Ur- 
sprungsland dieser mystischen Vor- 
stellung annehmen? Überschauen 
wir das österreichische Material, so 
weisen uns Wiener Neustadt in 
einem ehemaligen Glasfenster sei- 
nes Domes (heute Nürnberg, Germ. 
Nationahnus)" und Admont mit sei- 
ner Madonna bald nach 1310 (heute 
Joanneum, Graz) frühe, gleichzeitige 
Beispieleauf (Bild 4)." Auch Südtirol 
mit seiner Sterzinger Madonna mel- 
det sieh hier an (Bild 5). Um 1330 
folgt dann die ehemalige Ternberg- 
sehe Madonna, die in St. Florians 
Marktkirche und die bedeutende in 
Friesach um 1340. In Wien weist 
Maria am Gestade unser Thema 
gegen Ende des 14. jahrhunderts 
sowohl in der Plastik 11 wie in einem 
Glasfenster auf. Die Reihe läuft im 
15. Jahrhundert über das Stück in 
Hollenberg in Niederösterreich wei- 
ter. Der Vogel ist ja in Österreich 
ein geradezu unverwüstliehes Sym- 
bol mit beispielloser zäher Lebens- 
kraft. Er hat sein Feld in der Eisen- 
kunst" wie in den Bauernmöhelnßü 
er fehlt noch heute in keiner Ehen- 
seer Krippe, wobei zweifellos die 
Tradition zumindest auf unser 
Christkindl aus Wien mit seinem 
Vogel, wenn nicht weiter, zurück- 
reieht," er scheint paarweise in der 
Zimmermannskunstlß wie im Früh- 
ehristliehen auf. Er wird als Him- 
melsbote wie als Lebewesen in zwei 
Bereichen gesehen. Der Marientyp 
- wie die Admonter - kommt nun 
zweifellos aus dem Westen, die Ver- 
bindung mit dem Vogel konnte viel- 
leicht hier erfolgt sein, wir haben 
sie aber auch schon um 1300 in Eng- 
land. 
Die italienischen Beispiele sind sehr 
zahlreich. In Florenz allein ist nicht 
nur das Altarbild in Or San Michele, 
sondern mehr als ein halbes Dutzend 
allein in den Uffizien zu bemerken. 
Das Bernardo Daddis von 1346 dürfte 
das älteste sein. Tadeo Gaddi folgt 
1355, bei Bernardo Gaddi hält das. 
Kind nicht nur einen Stieglitz in der 
Linken, auch die Blickverscnkung 
ist noch einmal da, die mehr und 
mehr an Ausdruck verliert. Um 
1480 bringt Giovanni da Paolo eine
	        

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