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Volltext: Alte und Moderne Kunst VII (1962 / Heft 56 und 57)

ville (Xkidersdorf), die Madonna in 
Morhange (Mürchingen), der Ree 
liquienschrein von Marsal. Der 
reifen Stufe des früheren 14. Jahr! 
hunderts gehören an: die Madone 
von Bouxiereseaux-Dames, 
Xlaxeviile, Münster, SioneVaude-e 
mont, St-Die und in den Museen 
zu Berlin, London, New York, 
Paris (Cluny), Schleswig 
Zürich. 
Der reifsten hifxtischen Phase (ver- 
mutlich um 1340) zählen wir zu: 
die Madonnenstatue von Lone 
guyon und die kürzlich vorgestelle 
te Äladunnenstatuertc in rheini- 
sehem Privatbesitz (Abb. 1) (siehe 
Anm. 1). ln dieser Blütezeit wirken 
auch immer wieder lmpulse aus 
der lle-de-Frtince, der Champagne 
und Burgund nach Lothringen, 
doch bleibt die eigene Ausdruckse 
kraft bestimmend. 
Die hohe Qualität dieser Bildwere 
ke macht es erst verständlich, daß 
die lothringische Bildnerei auch 
nach außen wirken konnte. liitte 
läüeltstrahlung in die Champagne 
(hlarlotmen Brienne-la-Vi- 
eille, Baroville) ist zu vermuten. 
Eine Ausstrahlung in die grenz 
nahen (jebiete Luxemburgs und 
Südbelgiens (Madonnen 
hltmtmetlv, Dampicourt, Vance 
und Vviilndetl) liegt ebenso auf der 
lland wie die ins trierische 
(Äladonnen in F.uren Trier, Sitze 
madonna der Sammlung Neuere 
luurgfliiäln aus Trier) und ehemals 
lothringische, heute saarländische 
'l'erritoriun1 (Madonna in Saare 
lULiiSeROClCXI, die von der gleiche 
artigen, aber qualitiitvolleren Sitz- 
madonna in llargnrtenfNorrllothe 
ringen zibhängt). Einflüsse der 
lothringischen Statuarik und 'l'_i'e 
pik lassen sich auch in Norde 
burgund (Marlonneit in Jonvelle, 
BUtISSCfTlUCOLIYI und Fresse e alle 
im Dep. l lte-Safme), in der Schweiz 
(lireiluurg i. Ü, Museum, läopf), 
vor allem am Oberrhein aufspüren: 
in Basel (Historisches Museum, 
Kopf) und in Freiburg i. Br. (innce 
re 'l"rtimeaumadonna und junge 
frauen der hlünstervtirhalle). Die 
stärkste auswärtige Nachwirkung 
laßt sich in Köln nachweisen 3). 
Bis nach Westfalen, Hessen und 
gar Italien lassen sich lothringische 
Zuge in der Skulptur des 14. Jahr- 
hunderts aufspüren. 
Der (irund für die starke Wirkung 
der lothringischen Skulptur in die 
lJCIUIClIBZIICH Kunstlandschaften 
und bis hin in entlegenere Gebiete 
nen 
und 
von 
von 
l111l_i_{li'lf()lgCn(lClTl erkannt werden: 
Die französische Statuarik, die seit 
der monumentalen Skulptur an 
den Kathedralen der lleedeeFrance 
und der Chantpztgne für weite 
Gebiete Europas bestimmend war, 
verwandelt sich seit dem 
gehenden 13. Jahrhundert in eine 
sehr bewußte, teils hötischegrazile, 
teils hochgotisch manierierte Hale 
tung. ln Köln läßt sich dieser 
Fjnfluß am stärksten in den großen 
Figuren an den lnnenpfeilern des 
Domchores ablesen. Anderseits 
brach aus nvvstischer Versenkung 
in die Passion Christi 
pressiver Formwille hervor, am 
extremsten in den Pest- 
(iabelkrw Tixen. Zwischen diesen 
Polen des höiischen Manierismus 
und des xnvstischen Expre 
mus bedeutete die lothringische 
iktiffassting eine klassische Mitte, 
in der aus konservativer (Je ine 
nung eine kraftvolle Statuarik 
bewahrt und doch der milde Zug 
des dolce stil nuovo zur (ieltung 
gebracht wurde. 
ilm 135i) hat die lothringisehe 
aus- 
cin exe 
und 
 
 
mis- 
3 
Bildnerei den Höhepunkt ihres 
„klassischerW Schaffens bereits 
überschritten. Die Entwicklung 
zeigt nun hauptsächlich zwei Tene 
denzen: eine in den Traditionen 
der hochgotischen Blüte weiter- 
trcibende (wobei die Haltung 
teilweise ins Pruvinzielle absinkt) 
und eine Strömung, die nach vere 
feinerten Gestaltungsmöglichkei- 
ten sucht und dabei die alte Älontie 
mentali .it opfert. Auch der phie 
siogntinxische Typus verwandelt 
sich (vgl. Madonnen von Lucev 
und Domhrot-leeSec). liin charake 
tcristisches Beispiel dürfte die 
hlatlonna der Pfarrkirche 
Lamarche in Südlothringen sein 
(AblmZ). Der schlanke Aufbau, 
die zierlichen Säume, das feine 
von 
Antlitz mit der schmalen gebogee 
nen Nase bedeuten einen neuen 
Klang. Für Lothringen kommt 
dieser Ausdruck zunächst über-
	        

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