MAK

Volltext: Alte und Moderne Kunst VII (1962 / Heft 56 und 57)

4 Die neun Helden, König Artus, Pa- 
ris, Ende 14. Jahrhundert. Thc 
Mctropolitaxi Museum of Art. mt- 
Cloislers Collection, Munsey Fund 
1932 and Purchaxc 1947 
s DarbringungimTempehFraguncnr, 
Paris, Ende 14. Jahrhundert. Ünis- 
scl, Musccs Royaux d'Art e! d'His- 
roire 
Teppich mit der Darbringung 
im Tempel erhalten geblieben 
(Brüssel, Musees Royaux d'Art et 
d'Histoire) (Abb. S). Zweifellos 
handelte es sich auch hier um 
einen monumentalen Wandbe- 
hang, in dem wie in der Apo- 
kalypse 2 Bilder übereinander 
standen. Möglicherweise gehörte 
der Teppich zu einer Serie mit 
dem Marienleben, die Nicolas 
Bataille 1379 an Herzog Ludwig 
von Ajou lieferte, oder zu einer 
1388 von Pierre de Beaumerz 
in Paris ausgeführten Folge mit 
den Freuden Mariens. ln der 
Auffassung der Figuren wie auch 
in der Belebung des Hinter- 
grundes mit einem feinen Ran- 
kenmusrer zeigt der Teppich so 
enge Verwandtschaft mit der 
Apokalypse, daß er der gleichen 
Zeit und Schule entstammen muß. 
In diesen Teppichserien tritt die 
französische gotische Tapisserie 
bereits am Anfang ihrer glanz- 
vollen Entwicklung mit Bilder- 
folgen in Erscheinung, die der 
repräsentativen Ausstattung kirch- 
licher oder weltlicher Räume 
bei besonderen Anlässen dienten. 
Damit erhalten die Wandteppiche 
- insbesondere die großen zu- 
sammengehörigen Folgen - eine 
wesentliche Bedeutung als monu- 
mentale Wanddekoration. ln stei- 
gendem Maße bilden sie in den 
Gebieten nördlich der Alpen, 
vor allem in Frankreich und in 
den Niederlanden, die Entspre- 
chung zur Wandmalerei des Sü- 
dens. Die Probleme der großen 
Flächendekoration, der maleri- 
schen Gesamtausstattung ganzer 
Räume mit Bildfolgen, wie sie 
in Italien in den Freskenzyklen 
gelöst wurden, werden im Norden 
in den Bildteppichfolgen behan- 
delt. Zu den rein künstlerischen 
Problemen tritt hier als Weiteres 
die Umsetzung in das andere 
Material und die besondere Tech- 
nik. Gerade diese Umsetzung, 
die Berücksichtigung der tech- 
nischen Gegebenheiten und der 
andersartigen Wirkungsmöglich- 
keit des textilen Wandbehanges 
gegenüber dem gemalten Fresko 
führte zur Ausbildung eines eige- 
nen Tapisseriestiles, der sich vor 
allem in der Betonung des Flächen- 
haften um die Mitte des 15. jh. 
wesentlich von der gleichzeitigen 
Malerei unterscheidet. Diese Bin- 
dung an die Fläche kommt ins- 
besondere in der künstlerischen 
Umformung der Figuren zur 
Wirkung, die in gedrängter Kom- 
position das Bild bestimmen. Die 
reiche Tätigkeit, die die Pariser 
Ateliers im ausgehenden 14. _]h. 
entfaltet hatten, fand in der 
Ll-lälfte des l5.]h. keine ent- 
sprechende Weiterführung. Die
	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.