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Volltext: Alte und Moderne Kunst VII (1962 / Heft 56 und 57)

lerischen Wechselbeziehungen, die 
diese Städte durch längere Zeit 
verbanden, so daß die Zuschrei- 
bung der Serie an eine der beiden 
Städte immer noch schwankt. 
Erst im 3. Viertel des 15. jh. 
fand die Tapisseriekunst von Arras 
mit der Eroberung und Plünde- 
rung der Stadt durch Ludwig Xl. 
ihr Ende, und die Ateliers von 
Tournai erhielten die unbestrit- 
tene Führung in der westlichen 
Bildwirkerei. Geblieben ist der 
einheitliche Landschaftsplan ohne 
klare Scheidung von Boden und 
Hintergrund, die dichte Baum- 
kulisse mit den eigenartig ge- 
liederten Blattkronen, neu da- 
gegen der außerordentliche Reich- 
tum der Detailzeichnung, der 
sich von der minutiösen Behand- 
lung der Pflanzen im Vorder- 
grund bis zu den reichgemuster- 
ten und geschmückten Gewän- 
dern der Figuren und der feinen 
graphischen Behandlung der Ge- 
sichtszüge erstreckt. Damit wird 
der dekorative Eindruck der Tep- 
piche weiter gesteigert, aber nicht 
mehr das Beiwerk, sondern die 
Figuren selbst sind nun Träger 
dieser Wirkung. ln dem aus- 
geprägten Detailrealismus macht 
sich die stilistische Parallele der 
Tapisserien zu der Malerei im 
Kreis um van Eyck und den 
Meister von Flemalle geltend, 
in der Vernachlässigung des 
Raumproblems zeigt sich deut- 
lich der entscheidende Unter- 
schied. Die Wirkungsabsicht die- 
ser Teppiche als einer einheit- 
lichen Wanddekoration eines gan- 
zen Raumes wird dadurch be- 
sonders deutlich, daß dem beton- 
ten Abschluß der Kompositionen 
nach oben und unten keine feste 
seitliche Begrenzung entspricht, 
sondern die Darstellungen fort- 
laufend von einem Teppich zum 
anderen verfolgt werden können. 
Von den Forderungen monumen- 
taler Wanddekoration und den 
durch Material und Technik be- 
dingten Wirkungsmöglichkeiten 
bestimmt und durch die frucht- 
bare Auseinandersetzung rnit den 
anderen Bereichen malerischen 
Schaffens angeregt, wurde die 
gotische Tapisserie zur monu- 
mentalen Bildkunst des Nordens. 
Der Gleichklang aller malerischen 
Ausdrucksformen in der 2. Hälfte 
des 14. jh. bildete den Ausgangs- 
punkt ihrer glanzvollen Ge- 
schichte, in der Differenzierung 
der einzelnen Zweige erwächst 
dem vielfältigen Erscheinungs- 
bild der spätgotischen Bildkiinste 
im Wandteppich eine neue ein- 
drucksvolle Ergänzung. 
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n jagdfolgc. Ausschnitt aus der Falkcnjagd, Tournai, um m0. (Tuurtety of m.- Victorin m Alben NlllSUlllH. London
	        

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