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Volltext: Alte und Moderne Kunst VII (1962 / Heft 56 und 57)

4 Schöne Mm 
aus Bon 
 
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weise genug, wo der Ausgangs- 
punkt der Schönen Madonnen 
zu suchen ist. In den böhmisch- 
schlesischen Gnadenbildern mit 
der Halbngur der Gottesmutter 
und dem Jesusknaben auf dem 
Arm sind ihre Vorbilder zu 
erkennen. Buchmalereien und die 
Tafelbilder aus der Schatzkam- 
mer des Prager Doms und des 
Rudolfinums, aus dem Breslauer 
Diözesanmuseum und der Stifts- 
kirche von Hohenfurth, wo sich 
das Urbild dieser Darstellungen 
einst befand, zeigen die engsten 
stilistischen und ikonographischen 
Zusammenhänge zwischen Male- 
rei und Plastik. 
Wir dürfen annehmen, daß der 
Meister der Schönen Madonnen 
um 1380 von Prag nach Breslau 
gekommen ist. Hier entstand sein 
Hauptwerk, die Schöne Madonna 
aus der Magdalenenkirche. Um 
sie herum schart sich eine Reihe 
von weiteren Kalksteinplastiken, 
die der Hand des Meisters ent- 
stammen und die in dem Wohl- 
klang ihrer Formen ebenfalls die 
„Schönheit" seiner Madonnen 
haben. Erich Wiese berichtet in 
seinem Werk „Schlesische Pla- 
stik vom Beginn des XIV. bis 
zur Mitte des XV. Jahrhunderts" 
von einer Urkunde des jahres 
1384, in der eine Kalkstein- 
Pietä aus der Elisabethkirche als 
ein „subtile et magistrale opus" 
bezeichnet wird. Zweifellos ent- 
stammt auch dieses erhaltene 
Werk der Hand des Madonnen- 
meisters ebenso wie der Schluß- 
stein mit dem Kopf der heiligen 
Hedwig in der Breslauer Kreuz- 
kirche. Aus guten Gründen dür- 
fen wir also die Entstehung 
der Madonna aus St. Magdalenen 
um zwei Jahrzehnte früher an- 
setzen, als es im allgemeinen 
mit der Datierung auf die Zeit 
um 1400 getan wird. 
Der Kreis der Schönen Madon- 
nen hat sich schnell geweitet. 
Zahlreiche Wiederholungen und 
Umformungen zeigen, wie be- 
liebt sie in ihrer Zeit gewesen 
sein müssen. Andere Meister und 
Werkstätten haben Typus und 
Grundgedanken übernommen und 
vielfältig abgewandelt. Von 
Schlesien und Böhmen gehen 
die Wege nach Westen und Nor- 
den, ja sogar jenseits der Alpen, 
in Venedig, finden wir den Wider- 
hall der Schönen Madonnen. 
Über die Grenzen ihres Ur- 
sprungslandes hinaus künden sie 
von einem Höhepunkt südust- 
deutscher Kunst und von der 
Schöpferkraft eines großen Mei- 
SICIS .
	        

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