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Volltext: Alte und Moderne Kunst VII (1962 / Heft 58 und 59)

ricli lll. von Sonnenburg, um 
1460, in der Begräbniskirche der 
Gurker Bischöfe zu Straßburg 
in Kärnten, zeigt besser als alle 
Worte die sonderbare Erschei- 
nung: Ein Gewirr von weißen 
Adern zerlegt den Marmor zu 
einem Muster, das allein dem Auge 
sichtbar wird. Das in Wirklich- 
keit sehr fein ausgearbeitete Re- 
lief muß man greifen, aber man 
kann es nicht sehen. Bei den 
rund 200 kleinen Figürchen am 
Friedrichsgrabe im Wiener Ste- 
phansdom gehen dicke weiße 
Adern oft mitten quer über die 
Gesichter. Das vergrämt-ver- 
geistigte Gesicht des Königs 
Kasimir jagiello im Krakauer 
Dom ist von den roten und wei- 
ßen Flecken in surrealistischer 
Weise vollkommen zerrissen. 
Wiederholt wird in Beschreibun- 
gen solcher Arbeiten, z. B. bei 
LEONHARDT und bei WERT- 
HElMER, bedauert, wie (z. B. 
am Friedrichsgrab im Wiener 
Stephansdom) die Einzelheiten der 
Plastik „von den Flecken des 
Marmors verschlucktwerden", claß 
man den Kampf Gerhaerts mit 
dem ihm [von wem und warumP] 
aufgenötigtcn Material spüre, daß 
(beim Grabdenkmal des Bischofs 
Kamern in Wiener Neustadt) 
„die Wahl des kostbaren getiger- 
ten Marmors den künstlerischen 
Eindruck störe", daß (beim (irab- 
kommen lasse und dergleichen 
Äußerungen mehr. 
Die Dutzende, ja Hunderte gleich- 
zeitiger Arbeiten in einheitlich 
rotem Marmor beweisen, daß 
von einer Zwangslage der Bild- 
hauer, gerade diesen sonderbar 
gemusterten Stein zu verwenden, 
keine Rede sein kann. Die An- 
zahl der Arbeiten, der hohe 
Rang der Künstler wie ihrer 
Auftraggeber (weitaus an der 
Spitze das Friedrichsgrab) bürgen 
uns dafür, daß hier viel mehr 
dahinterstecken muß als eine ge- 
legentliche skurrile Laune, die 
man mit dem Schlagwort eines 
spätgotischen Manierismus abtun 
könnte. Was mag nun wirklich 
dahinterstecken? 
Zunächst einige Beispiele (ohne 
irgendeinen Anspruch auf Voll- 
ständigkeit), alle aus Adneter 
Sorten: 
14.3? Berchtesgaden, Grabstein für 
den 1435 1' Propst Peter Pienzcn- 
auer. Rotscheck. 
Nach 1460 Straßburg bei Gurk, 
Doppelgrabstein der Bischöfe Jo- 
hann V. Schallermann und Ul- 
rich lll. von Sonnenburg. Rot- 
Scheck. 
1468-1513 Wien, Stephansdom, 
Grabdenkmal Kaiser Friedrichs lll. 
von Niclas Gcrhaert, vollendet von 
Max Valmet und Michael lichter. 
Tumba und Reliefs Älandlscheck, 
Umrahmung Rotscheck, Teile des 
Sockels Rottruof. 
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