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Volltext: Alte und Moderne Kunst VII (1962 / Heft 58 und 59)

th, hei Ncunkirtlven. Niederosierreirh, Pfarrkirchr, (trabsteln des Ritters Martin von 
Korallenriffen lebender Fische, als 
eine Tarnfarbe, die das Auge von 
dunkleren Einzelheiten des Tier- 
körpers, vor allem vom Umriß 
ablenkt und die plastische Wir- 
kung des Körpers aufhebt. Die 
Biologen sprechen geradezu von 
einer optischen Auflösung des 
Körpers, einer „Somatolyse"; sie 
dient gleichzeitig einer Anpassung 
an die Umgehung („Mimese"). Es 
gibt eine Gattung von Fischen 
in Sargassowiesen und Korallen- 
riffen, die sich durch vielerlei 
„somatolytisehe Leistungen" zum 
Verschwinden bringt und deshalb 
den Gattungsnamen „lslistrio" 
(Schauspieler) bekommen hat (Vgl. 
PORTMANN, ABEL und an- 
dere). 
Diese eigenartigen spätgotischen 
Denkmäler W eine Snndergruppe 
neben der im Sinne eines zunehmen- 
den Realismus weiterlaufenden 
keitsnaner nrt vor uns mit, uie 
Musterung des Marmors aber löst 
die Formen wieder auf, macht sie 
unklar und irrational, stellt dem 
Körperlichen eine jenseitige tran- 
szendente Erscheinung entgegen. 
Diese Doppeldeutigkeit ist natür- 
lich kein Zufall, sondern deutlich- 
ster Ausdruck einer ganz bestimm- 
ten seelischen Haltung mittelalter- 
licher Prägung. Die Hauptschwie- 
rigkeit liegt eigentlich darin, sie in 
der so späten Zeit, der zweiten 
Hälfte des 15. und der ersten des 
16. Jahrhunderts, geistesgeschjcht- 
lich noch unterzubringen. 
Das Mittelalter erblickte in jedem 
Ding nicht nur die vordergründige 
greifbare Realität, sondern faßte 
diese als Erscheinungsform oder 
Symbol für eine dahinterstehende 
viel wichtigere Wesenheit auf, die 
in der körperlichen Erscheinungs- 
form nur ihre „signatura", ihr 
unzulängliches und vergängliches 
Abbild hatte.  v. SCHLOSSER 
hat dies einmal (1929) so aus- 
gedrückt: 
„Die im echten Mittelalter herr- 
schende, durch Anselm von Can- 
terbury siegreich gewordene Denk- 
richtung ist „Rcalismus"; aber das 
hier gemeinte „Reale" ist gerade 
das Gegenteil dessen, was wir unter 
dieser Bezeichnung meinen; das 
einzig wirklich Wahre liegt nicht 
in der vergänglichen „zufälligenf 
mit dem Makel irdischen Seins 
behafteten Erscheinung, 
transzendiert diese, ruht im Bereich 
der ewigen „Ynix-ersalien", der pla- 
tonischen Idee . . ." 
Bei HUIZINGA (Herbst des 
Mittelalters, 1953, S. 216) heißt es: 
I-Äs gibt keine große Wahrheit, deren 
der mittelalterliche Geist gewisser 
war, als jener des Wortes an die 
Korinther: „Videmus 
speculum in aenigmate, tunc autem 
facic ad faciem" [I. Kor. 13,12] „Wir 
sehen jetzt durch einen Spiegel in 
einem dunklen XWort, dann aber von 
Angesicht zu Angesicht." - Man 
übersah niemals, claß jedes Ding 
ohne Sinn sein Würde, wenn seine 
Bedeutung sich in seiner unmittel- 
baren Funktion und Erscheinungs- 
form erschöpfte, daß alle Dinge ein 
gutes Stück in die jenseitige Welt 
hineinragen. 
sondern 
nune per 
Dieser weltferne „Realismus" des 
Mittelalters mit seinen dualisti- 
schen und asketischen Gedanken- 
gängen, mit seiner „Auslegung 
aller Dinge im Sinne iiberirdischet 
Neidt-gg, 15:12 
7 Pnttschuch. Attttcitttitt tttß Abb, ß 
x Ttttt-ttt-tttcltt-r tttt tu-t Rückseite tat-t Friedrichsgralves ttt st. Stephan. Wien 
v Reichenhall, st. Zcno, Taufvrenu, Ausschnitt. 1522 
Entwicklung der Marmorplastik Bedeutung", eines „vom jenseits 
(unter Verwendung wenig ge- her durchleuchteten Daseins" 
inusterter hlarmore) 7 haben ge- (Georg XWlilSY-l) erfährt nun um
	        

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