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Volltext: Alte und Moderne Kunst VII (1962 / Heft 58 und 59)

 
 
Biedermeiermalerei bewußt, vielleicht erkennen wir noch immer nicht 
ganz jene kostbaren Bilddokumente, weil uns geschult am Realismus, 
Impressionismus und Expressionismus 7 die unübersehbare Fülle 
oberflächlicher Nachahmungen der Natur voreingenommen gemacht 
hat. 
Die Ausstellung sucht gerade in dieser Hinsicht neue Wege anzubahnen. 
Sie stellt die Kunst der Maler in ihre Zeit. ie zeigt die vielen Ver- 
bindungen auf, die Gauermann mit Molitor, Mößmer, Fischbach, 
Feid, Hansch, Steinfeld, Waldmüller, Eybl, Danhauser, Ranftl, Neder, 
Raffalt und Pettenkofen hatte. Sie erinnert an die Freundschaft mit 
Kupelwiescr, Schwind und Schubert, an die Bekanntschaft mit Bürkel, 
Morgenstern und Klenze und auch daran, daß Raimund, Nestroy, 
Strauß und l.anner diesem Kreis zugehörten. Bilddokumente und 
unmittelbare Skizzen stellen diese Beziehungen her und geben eine 
Vorstellung und ein lebendiges Bild der Kultur, die in den so fruchte 
baren menschlichen Beziehungen wurzelte. 
Noch einen weiteren Aspekt vermag die Ausstellung zu eröffnen: sie 
deutet die Wohnkultur an, vor allem aber führt sie hin zur Landschaft. 
Inmitten einer echt biedermeierlichen Szenerie des romantisch empfun- 
denen Alpenlandes bahnt sie neuerlich den Kontakt von Kunstwerk und 
Inspirationsquelle an. Durch die Ausstellung auf tlem Mariahilferberg 
und im Miesenhaehtal, zwischen Hoher und Dürrer Wand begegnen 
sich Kunst und Natur. Der Vergleich lehrt, das Große auch im Kleinen, 
Unscheinbaren zu sehen, er läßt auch die Tiefe des so anmutigen Bieder- 
meier erkennen, damals als sich Idealismus und Realismus so glücklich bei 
gegnetzn. Es liegt nur an uns, diese seltene Harmonie zu erkennen und 
nicht einen der beiden Standpunkte oder gar die Auffassung unserer 
Zeit als alleinigen Maßstab zu nehmen. Die Zusammenstellung der Aus- 
stellung bemüht sich jedenfalls um viele Aspekte, um ein möglichst 
buntes, vielseitiges Bild. 
Die Galerie „L. 'I'. IYexuurznu", ll"ieu I, Kaülwnrkl ll_ in Im der Ganennanu- 
zlnulrllnngr in (Jnleuyfrin mit einer Xrpamtxrllzln rnu ljilrqgraplwicr: lwrfrrlru. 
7 Fnvdrith Gautnnann. Wnltlükjl am AHCXXCC. Hvlttikvltt von aß.- 
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s Michael Nedt-r, Husarßneiitquartietuitg m Mödling. (lljllolz, 41 52mm. l7t'1.I u. Ncdt-r man, 
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mit Möbeln w. ut-t- Zt-it um 1320130 
Ltgtl. Lllsktzzeyllhtwtt-i. 
  
EVA FRODL-KRAFT 
 
Zwiespältig ist der ltintlruck, den 
die romantischen (ilasmalereien aus 
den Fenstern dcr Franzensburg in 
Laxenburg im modernen Betrachter 
erwecken: er sieht sich Schöpfungen 
gegenüber, dic in Maßstab und 
Haltung monumentalen Anspruch 
erheben, wie er hicllulilndc in der 
Glasmalerei seit dem Mittelalter er- 
storben war. Sie LHIfUTSKFCiChCI1 diesen 
Anspruch durch das historische Ge- 
wand, in dem Sie auftreten: Nicht 
nur steht uns der kaiserliche Aufe 
traggehcr und seine Familie, der 
diese Glasgem." de recht eigentlich 
ein Denkmal setzen solle , im histo- 
rischen Kostüm aus der Zeit seines 
Älnnlnrvrrn 
 
Xhvitnili-irw ISPX" lM-nmw 
stellung der Figur in den architeke 
fUÜlSChCH, bis ins Nlaßwerk des 
Fensters fortschwingendeti Rahmen, 
und von dort her kommen auch die 
x iclgcstaltigen Rankcn- und Rosetten- 
motix c, die die Bordüren des großen 
Äledirillrxnfetisu-rs im Speisesaal der 
Franzenshurg schmucken. Und man 
kann keineswegs sagen, daß der 
(älasmaler Gottlob Samuel Mohn, 
der diese Fetistcr zu Beginn der 
zwanziger lahru des vorigen Jahr- 
hundcr . 
um die Wisdcrcrweckung der großen 
Kunst der mittelalterlichen Glnse 
malerei leicht werden ließ; mindestens 
in eben dem Hall, in dem er der 
rlir-snr 
schuf, sich sein Bemühen 
 
Fnrmmwenntrhr- länosr vor?
	        

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