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Volltext: Alte und Moderne Kunst VII (1962 / Heft 58 und 59)

er-Becher. glanzvergoldeter Fsiid. 
iteckiges. von silbergelb geatzter 
ttbOtlö getaitmleä Bitdtetd mit An- 
. Mailänder Domes auf weißem 
ind. darunter tlültetttiche Inschrift. 
:m. um 1825. Ruf und Meistbot: 
-. Leider ging dieses schone. wohl- 
2 und interessante Glas nur zum 
ab; Kothgasser-Becher mit wimm- 
't erzielen bis weit über S20.000w 
(C159. Hochst um 1750 bis 1760. 
cm. erzielter Preis: DM 6000. 
eis. DM 3500. 
Fug. Nürnberg urn 1715, Hohe 
Thätgftlefl M Sch (Mothias Schmer- 
i. früher Slg. Baron Louis 
a. Österreich. erzielter Preis: 
t0o.7, Schatzpreis: am 12.000 
Enghalskrug. Nürnberg urn 1720. 
?3B crn. von Abraham Helmhack. 
i. l-t . erzielter Preis: DM11 000 
eis: DM 6000 
hoch erscheinen 38.000 Pfund für ein 
..lnterieur au parquet grave" von 
Henri Matisse (2.736.000. öS). wenn 
man bedenkt. daß ..Quai Saint-Sever ä 
Rauen" von Pissarro ,.nur" 28.000 Pfund 
(2.006.000. - öS) und desgleichen Künst- 
lers ..La neige a Louveciennes" sogar 
um 2000 Pfund (144.000.- öS) weniger 
einbrachten. Sisley (.,Le Loing a Mo- 
ret") rangiert mit 30.000 Pfund 
(2.160.000.? öS) in der gleichen Kate- 
gorie. 27.000 Pfund (1.944.000?öS) 
zahlte man für einen eher uncharak- 
teristischen. ganz in der Art von Aka- 
demiearbeiten gehaltenen Männerakt 
(..l_e Polisseur") von Taulouse-Lautrec: 
bei diesem um 1887 entstandenen Bild 
war wohl vorwiegend die Magie des 
Namens maßgebend für die Preis- 
bildung. Aus dem gleichen Grund 
wurde eine noch vorimpressionistische 
Ansicht von Zaandam. die Claude 
Monet 1871 malte. mit 40.000 Pfund 
(2880000. öS) bewertet. 
Was sonst noch angeboten wurde. lag 
bereits empündlich unter diesen Preisen. 
Wie verhältnismäßig wenig das Publi- 
kum an Bildern religiösen Charakters 
interessiert ist. beweisen die bloßen 
6500 Pfund (468000- äS). die ein 
herrliches Gemälde von Rouault. ..Christ 
crucifie". einbrachte. Maurice Utrillo 
schnitt rnit 11.000 Pfund (792000. ÖS) 
für ..Une rue au Coquet" (um 1911) 
recht gut ab. Stanislas Lepine wurde 
mit 2500 und 3500 Pfund (180.000. 
und 252.000? 65) für zwei sehr gute 
Landschaften nicht eben üppig bewertet. 
Dali die rein dekorativen und sehr 
leeren Modebilder der Marie Laurencin 
immerhin zu Beträgen zwischen '120O 
und 4500 Pfund abgingen. war eher 
verwunderlich. Die 4000 Pfund 
(288000? ÖS) für Graham Suttter- 
lands .,Thorn forms" bedeuten einen 
schönen persönlichen Erfolg. wenn man 
bedenkt. daß ..Les bords de la Loques" 
von Eugene Boudin mit 5000 Pfund. 
das sind 360000.?öS. relativ kaum 
höher bewertet wurde. Die niederen 
Preise für Arbeiten des wenig bekann- 
ten englischen Malers Roderick O'Co- 
nor. durchwegs Blumenstilleben (260 
bis 550 Pfund). sind nicht weiter ver- 
wunderlich; der wesentlich bedeuten- 
dere Phillp Wilson Steer konnte für 
seine Landschaften ebenfalls nur Be- 
träge zwischen 550 und 1100 Pfund 
erzielen. und Jean lauvenet. ein ..Bra- 
auist" zweiten Ranges, kann froh sein. 
daß seine ..Noture morte avec compa- 
tier et guitore" immerhin 280 Pfund. 
also 20160. öS. erbrachte. 
WICHTIGE NEUERWERBUNG 
FÜR WIEN 
BEI DER AUKTION KETTERER 
Dr. Werner Hofmann. der Direktor des 
hoffentlich in nicht mehr allzu ferner 
Zukunft zu eröffnenden Museums für 
die Kunst des 20. Jahrhunderts im 
Schweizergarten. erwarb bei der 37. 
Auktion des Stuttgarter Kunstkabinettes 
(Roman Norbert Ketterer) die Post 
Nr. 127. ..l.es Ponts de Paris". ein Ge- 
mälde eines der Urväter des KubiSmUS. 
Albert Gleizes (1881-1953). Damit 
konnte er seinem lnstitut ein Werk 
sichern. das nicht nur unzweifelhaft 
zu den lnkunabeln der Moderne gehört. 
sondern an sich als Arbeit von höchstem 
qualitativen Rang angesprochen werden 
kann. Das Meistbot betrug DM 49.000.?. 
Dieser Preis ist angemessen. aber durch- 
aus nicht überhöht. 
Aus Presseberichten geht hervor. daß 
die Ketterer Aiiktian in mancher Hin- 
sicht im Zeichen einer gewissen Selbst- 
besinnung. ja Ernüchterung stand. Es 
herrschte der Eindruck vor. als sei der 
inflationistischen ..Flucht in die Sach- 
werte" nunmehr ein Ende gesetzt: man 
verstand es. in qualitativer Hinsicht 
genau zu differenzieren. Bei aller Be- 
reitschaft. für so manches Objekt sehr 
gute Preise zu bezahlen. war doch eine 
unverkennbare Reserviertheit in Ver- 
bindung mit einem durchaus kritischen 
Verhalten festzustellen. 
Das teuerste Bild der Auktion war eine 
norwegische Landschaft von Edvard 
Munch (Bewachsenes Haus ? Aasgard- 
strand). das von dem knapp vor der 
Eröffnung stehenden Munch-Museum in 
Oslo für 210.000.? DM erstanden 
wurde. Die Landschaft mit holzhacken- 
den Mädchen des gleichen Künstlers 
brachte 153.000? DM. Sehr schön war 
das Ergebnis von 100.000.? DM für 
Emil Noldes ..Blumengarten W". Auch 
Jawlensky schnitt hervorragend ab; das 
..Mädchen mit schwarzem Haar" er- 
zielte 46.000? DM, der ..Spanier" des 
gleichen Künstlers kostete 35.000? DM. 
während die "Landschaft Murnau" mit 
17.000? DM nicht allzu hoch zuge- 
schlagen wurde. Pastelle von Adolf 
Haelzel brachten zwischen 3100.? bis 
3300.? DM. Aquarelle von Paul Klee 
wurden zu Beträgen zwischen 38.000 - 
GROSSZÜGIGES 
AUSFUHRGESETZ 
FÜR KUNSTGEGENSTÄNDE 
IN DER DEUTSCHEN 
BUNDESREPUBLIK 
Das Bonner Innenministerium hat kürz- 
lich die Gesamtliste des ausfuhrverbo- 
tenen privaten Kunstgutes veröffentlicht. 
Sie umfafit insgesamt nur 128 (l) Ge- 
genstände. In der Erkenntnis. daß Kunst 
in Privatbesitz Vermögen und Eigen- 
tum des Bürgers ist. haben sich die 
Behörden nur auf das Allerwichtigste 
beschränkt. Im Geiste der demokrati- 
schen Verfassung hat man das Eigentum 
respektiert und der behördlichen Len- 
kung nur den allernötigsten Raum 
gelassen. 
Österreich hat ein generelles Ausfuhr- 
verbotsgesetz für jeden. auch den ge- 
schmacklosesten und minderwertigsten 
Gegenstand von ..künstlerischem Wert". 
Die Ausfuhr kann nach Ansuchen ..ous- 
nahmsweise" vom Bundesdenkmalamt 
gestattet werden. Der Kunsthandel kann 
in Bagatellfällen bis zu gewissen Wert- 
grenzen durch einen Stempel die Aus- 
fuhr ohne weitere Formalität durch- 
führen. ln der Mehrzahl der Fälle ist 
jedoch ein Ausfuhransuchen und eine 
amtliche Ausfuhrbeschau notwendig. So- 
gar nachweislich importierte Gegen- 
stände sind diesen Umständen unter- 
worfen. Wenn auch die Haltung des 
Bundesdenkmalamtes dabei keineswegs 
als schikanös bezeichnet werden darf. 
bleibt doch alles dem Ermessen der 
Behörde überlassen. Der gegenwärtige 
Zustand stellt eine empfindliche Ein- 
schränkung der Besitzrechte dar und 
bildet wegen der Modalitäten und der 
uneinheitlichen Beurteilung der einzel- 
nen Fälle einen Zustand der Rechts- 
unsicherheit. 
Privatsammler und Kunsthandel bflft- 
gen seit Jahrzehnten die Forderung 
vor. die ausfuhrverbatenen Gegenstände 
auf einer Liste zu definieren. für alles 
Übrige aber jede Beschränkung fallen- 
zulassen. Das Bundesdenkmalamt hat 
diese Liste nicht erstellt mit der Begrün- 
und 45.000? DM abgegeben. Die 
Aquarelle von Kandinsky kosteten 
12.000? bis 45.000? DM. ein Ge- 
mälde desgleichen Künstlers. ..Gabriele 
Münter an der Staffelei" (1908) brachte 
64.000? DM ein und ging interessan- 
terweise nach ltalien. Ein Gemälde von 
Max Beckmann (das einzige dieses 
Künstlers bei dieser Auktion) namens 
..Pic d'Aigle" von 1938 wurde mit 
DM 50.000? zugeschlagen. Sehr gut 
hielt sich Campendonck. dessen .,Der 
Kuhstall" (etwa 1920) 23.000? DM 
einbrachte. Nicht allzu gut wurden 
die surrealistischen Gemälde von Max 
Ernst behandelt; uke Chant de la 
Grenouille" wurde mit 78.000? DM um 
2000.? DM unter dem Schätzwert ab- 
gegeben. ..Es lebe die Liebe oder Pavs 
charmant" blieb mit 36.000? DM gar 
um 19.000? DM unter dem Schätz- 
wert. Hingegen brachte Kokosch- 
kas ..Grol'3er Blumenstrauß" mit 
DM119.000.? einen Spitzenpreis ein. 
Den Abstrakten gegenüber herrschte 
ausgesprochene Zurückhaltung (Du- 
buffet, Bissiere. Dufy). Auch Gouachen 
von Chagatl blieben z. T. unverkauft. 
Abschließend kann man mit Erhard 
Göpel getrost sagen: ..Der Zahlen- 
rousch ist vorüber." Und das ist nur 
zu begrüßen. 
Ernst Köller 
dung. daß dazu zahlreiche neue Beamte 
eingestellt werden müßteri. Selbst wenn 
wir dem ..armen kleinen" Österreich 
zubilligen würden. daß es fünfzigmal 
soviele Objekte wie Deutschland auf 
einer Liste für jede Ausfuhr sperren 
darf. dann würde eine solche Liste -- 
in der Proportion der Größe und 
Bevölkerungszahl errechnet - nur 
knapp 700 Gegenstände aus Privat- 
besitz umfassen dürfen. Ein Verzeichnis 
in diesem Umfang kann auch ohne 
zusätzliche Kräfte innerhalb eines Jah- 
res van den einzelnen Landesdenkmal- 
ämtern aufgestellt werden. Es würden 
dabei im Gegenteil Kräfte frei. die 
jetzt für die Behandlung von Ausfuhr- 
ansuchen benötigt werden. Voraus- 
setzung für diese klare Lösung ist 
allerdings die Bereitschaft. auf die 
erworbene zu weitgehende Machtfülle 
zu verzichten, und die Erkenntnis. dal} 
Beschränkungen privater Besitzrechte 
nur in den unumgänglich notwendigen 
Fallen erfolgen dürfen. 
Das Ausfuhrverbotsgesetz in seiner 
jetzigen Fassung. mit seinen scharfen 
Strafandrohungen für die Ausfuhr selbst 
minderwertiger Gegenstände. erinnert 
peinlich an gewisse Wirtschaftsgesetze 
des Dritten Reiches. in denen drako- 
nische Strafen verhängt wurden für 
Handlungendiedem natürlichen Rechts- 
empfinden des Volkes keineswegs zu- 
widerlaufen. Dieses im Jahre 1959 (t) 
nach einem einseitigen und weltfremden 
Beamtenentwurf durchgedrückte Ge- 
setz entspricht in keiner Weise den Er- 
fordernissen einer auf der Achtung des 
Privatbesitzes und der Menschenrechte 
aufgebauten Verfassung. Oder steht 
Österreich nicht nur geographisch schon 
so sehr am Rande. zwischen den Welten? 
Sind wir noch die klassische westliche 
Demokratie oder sind wir schon weit 
davon entfernt in der Stickluft eines in 
allem von oben gelenkten Treibhauses? 
Das deutsche Beispiel möge bei der 
endgültigen Fassung dieses Gesetzes- 
komplexes zur Vernunft mahnen! Vide- 
ant Consulesl 
K. Rossachcr 
55
	        

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