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Volltext: Alte und Moderne Kunst VII (1962 / Heft 58 und 59)

„In ainem geziertcu Strawssenay 
das heyltumb Sand l,a[u]rentzen 
Sand Blasi Sand Lamprccht und 
Sand Lucein" oder: „In ainem 
grossen horn das heyltumb Sand 
Ewstachy". 
Die auf einem silbernen Greifen- 
fuß so meisterlich montierte Mu- 
schel (Abb. 16), im Inventar 
„Meerschnegg" genannt, war eben- 
so von einem Wundertier wie die 
mehrmals verzeichneten „Aink- 
hürner" (fossile Zähne des Nar- 
wals, die man für die Hörner des 
sagenhaften Einhornes hielt). Die 
im gleichen Kabinett des Palazzo 
Pitti gezeigten Ainkhürner kön- 
nen - wie so vieles andere 7 
nicht genau als die Hörner des 
lnventares nachgewiesen 
den. Sie sind daher nicht in den 
Katalog aufgenommen. 
Den Abschluß dieses ersten Teiles 
mögen ein Standkreuz und ein 
Weihwasserbehälter (Abb. 15) aus 
dem Besitze Erzb. Johann Jakobs 
von Khuen Belasy (1560-1586) 
bilden. Der „W'eichkössl" ist 
ein Meisterwerk des Augsburger 
Goldschmiedes Abraham Pfleger. 
Stilistisch schon der Spätrenais- 
sance zugehörig, zeigt seine Aus- 
stattung dennoch fast regotisie- 
rende Tendenzen. Augsburg, das 
große Zentrum deutscher Gold- 
schmiedekunst, tritt uns hier erst- 
mals im Salzburger Schatz ent- 
gegen. Wir stehen an der Schwelle 
zu einer neuen Zeit. Wenig später 
wird Salzburgs Goldschmiede- 
zunft dem barocken Prunkwillen 
eines Wolf Dietrich nicht mehr 
genügen können und Augsburgs 
XVCI- 
Meister werden auch in Salzburg 
dominierend. 
Es ist verständlich, daß Italien, 
dessen Weltbild auch im Mittel- 
alter nicht so stark wie in Deutsch- 
land von der Phantasie der Sage 
und des Volksmärchens bedingt 
war, diese Gefäße -- noch dazu 
in Florenz 7 als Monstrositäten 
empfinden mußte. - Während 
die Schätze aus der Zeit Wolf 
Dietrichs und seiner Nachfolger 
in den Hauptsälen des Museums 
mit den medicäischen Sammlun- 
gen vereinigt und nur sehr schwer 
zu differenzieren sind, steht diese 
bedeutende Gruppe aus Salzburgs 
spätem Mittelalter ziemlich ge- 
schlossen in einem bescheidenen 
Seitenkabinettll). Ihre Aufstel- 
lung in Wandvitrinen erinnert 
merkwürdig an die naturwissen- 
schaftlichen Kabinette österrei- 
chischer Stiftsgymnasien, wo man 
seltsame ausgestopfte Vögel und 
Mineralien sehen kann. 4 Die 
hohe künstlerische Qualität der 
Goldschmiedearbeit, die Feinheit 
der Emailauflagen, die Wappen 
und der kulturgeschichtliche Nim- 
bus dieser Gefaße kommen leider 
nicht zur Geltung. 
Es wäre erfreulich, wenn diese 
Veröffentlichung dazu beitragen 
könnte, daß künftig diese Objekte 
durch Schildchen als Teile des 
Salzburger Schatzes bezeichnet 
und erklärt würden. Die schönste 
Lösung wäre jedoch, wenn alle 
Objekte aus Salzburg in einem 
einzigen Saal des Palazzo Pitti 
geschlossen gezeigt werden könn- 
ICH. 
KATALOG 
1. Greifenklaue (Pilti lnv. 156). 
ll 28 cm, B 32 cm, Abb. 3 
läüflelhorim; vergoldete Silbermouu- 
tictung, bestehend aus einer Trä- 
gerligur in Gestalt cincs Adlers, 
breitem graviertem Mundrand, Spit- 
zcnbckrönung in Form eines Peli- 
kans mit jungen, zwei Mittelstrcifen 
mit blau cmailliertcn Ornament- 
friesen. 
Um 1400. 
1m Inventar von 1585 noch als das 
llnrn des lirzb. Gregor Schenk 
von Ostcrwitz (139671403) be- 
zeichnet 24). 
lnv. 1585: „Ein Grciffwklvw im:- 
rrenrlzg mit Xilber zuugefißlzrl und m11 
aiuem .l'illn-r1rugrl nur! Kblaidrr eingr- 
faßt, zlrr Xrlnnggen 1'017 Oxlerlrilg." 
lnv. 1612: „Ain Grazjümrlau m? mil- 
lzern um] nergnlzllm Bmblirlll, dann] 
ein Pelimu." lnv. 1772: „Ein Gruljrn- 
klau mit Xillnr und rrrguldlrrrl Beulrlug, 
auf einrm l "ogel." 
2. Greifcnklaue 
H 24 cm, Abb. 7 
Büllelhorn; vergoldete Silbermon- 
6 
(Pini lnv. 157). 
tierung, bestehend aus einem Chri- 
stus (nackt, mit Lenclcntuch und 
Stirnreif, auf zwei Löwen gestützt), 
breitem Mundraimd, Spitze, Mittel- 
reif mit emailliertem Wappen (rech- 
ter schwarzer Streif auf Gold in 
spanischem Schild). 
Um 1430. 
Wappen des Frzb. Johannes l. vun 
Reisberg (1429 -41) Z5). 
lnv. 1612: „Ain Heine grrifeukln 
mit Jilbnr uergulzller: Raifeln und 
Claidxeng venetgj." lnv. 1772: „Ein 
um leleißwrer Grelßznklau, arler n'a: 
glaublicl) indianirrbe: Orlnenlmrn mit 
Xilbrr und uergaldrlzr Kleidung" 26). 
3. Duppelpokal (Pilti lnv. 150). 
H 36 em, Abb. 4 
Sttaußcnei; vergoldete Silbcrmnn- 
tierung, bestehend aus hohen, reich 
gravierten Füßen, Mundrändern, 
Innenverkleidung, vier Längsspaix- 
gen und dreipassigem Griff. Auf 
den lnnenhüdcim emaillierte Doppel- 
Wappen (links des ljrzstiftcs Salz- 
hurg, rechts in spanischem Schild 
von der Linken aufsteigender Ke- 
gel, rot-golnl-blau). 
Um 1400.
	        

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