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Volltext: Alte und Moderne Kunst VII (1962 / Heft 60 und 61)

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Tldberr, Xtanlx111111111 111111 Pralektnl" der" Kiimlr 
nter den Generalstatthaltern, die während des 17. Jahrhunderts 
e spanischen Könige in den Niederlanden vertraten, nimmt 
rzhetzog Leopold Wilhelm einen Ehrenplatz ein. 
n Jahr 1614 in Wien geboren, war er der Sohn Kaiser Fer- 
nands IL, des großen Verfechters der Gegenreformation 
Deutschland, und dessen erster Gemahlin, Maria-Anna von 
ayern. Schon in frühester Jugend war er nach Madrid geschickt 
orden, um den engen Kontakt zwischen der (österreichischen 
1d der spanischen Linie des Hauses llabsburg aufrechtzuer- 
alten. Die Jesuiten hatten ihn dort erzogen. Seine tiefe und 
ifrichtige Frömmigkeit hatte ihn dazu bewogen, den geist- 
:hen Stand zu wählen, und nach den Gepflogenheiten seiner 
eit verdankte er seiner hohen Geburt den Besitz der Bistümer 
llmütz, Halberstadt und Straßburg sowie den Rang eines 
lochmeisters des Deutschen Ritterordens. 
.r war aber, schreibt Pirenne, einer jener Kirchenfürsten, wie 
; ihrer im Deutschland der Gegenreformation viele gab, die 
iren Koadjutoren die apostolische Tätigkeit überließen, um 
:lbst die Religion durch die Politik und mit den Waffen zu ver- 
zidigen. Schon im Alter von fünfundzwanzig Jahren vertauschte 
r den Krummstab mit dem Schwert, um, wiewohl ein treuer 
treiter für den Glauben, ebenso gegen die Feinde seines Hauses 
rie gegen die der Kirche ins Feld zu ziehen. Auf dem Schlacht- 
zld zeigte er sich kühn und tatkräftig und iiel besonders durch 
die straffe Disziplin auf, in der er seine Truppen zu halten wußte, 
was in jenen Tagen eine Seltenheit war. Sowohl seinen Ofii- 
zieren wie seinen Soldaten war strengste Frömmigkeit in der 
praktischen Ausübung ihres Christentums vorgeschrieben, so 
wie sie ihm selbst dank seiner rein spanischen Erziehung zu 
eigen war. Mit dem Schlachtruf „jesu: ilrlaria" führte er seine 
Truppen in den Kampf. Die Franzosen erzählten sogar spöttisch, 
sein Gefolge schiene immer bereit, Kirchenlieder anzustimmen 
und das Losungswort seiner Palastwachen sei „Deo Graliar". 
Sein persönliches Emblem spiegelte seine Geisteshaltung getreu 
wider. Es zeigte, berichtet Gossart, ein Kreuz, das zwei Lorbeer- 
zweige umrahmten. Auf dem einen war ein geöffnetes Auge, das 
Symbol der göttlichen Vorsehung; auf dem anderen versinn- 
bildlichte eine Kandare gleichzeitig die Autorität und die Vor- 
sicht. Am Fuße des Kreuzes Hiichtete ein Löwe vor einem Lamm 
mit der Devise „Timore Dorzlini". 
Als ihn sein Vetter Philipp lV. nach Brüssel schickte, wo er 
am 11. April 1647 eintraf, war die Lage für die Spanischen Nieder- 
lande eine verzweifelte. Im Süden von den Franzosen, im Norden 
von den Holländern ausgepliindert, war das Maß ihrer Leiden 
voll. Die unselige Schlacht von Rocroy vom 19. Mai 1643 hatte 
das Ansehen der berühmten spanischen Infanterie restlos unter- 
graben, und die allgemeine Stimmung erschien nicht weniger 
beunruhigend. Die religiösen Streitigkeiten, die der Verurteilung
	        

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