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Volltext: Alte und Moderne Kunst VII (1962 / Heft 60 und 61)

bitter, aut lepplcn unci Dlfllhl. 
Innen und Außen sind 
gleichen Geiste inspiriert. lis gibt 
kein Stück, das undurchdacht gee 
blieben wäre. Jedem, auch dem 
kleinsten Gegenstand m sei es 
ein Silberlöffel, ein Heizungsgita 
ter, eine Türleiste oder ein Be- 
leuchtungskörper y wurde die 
gleiche Sorgfalt zugewendet wie 
dem Bauentwurf selbst, den mar- 
morverkleideten Außenwänden 
mit ihrer Bronzefassung, den 
Plastiken, der Gartenanlage oder 
der Raumaufteilung. 
vom 
Freilich hatte der große laelgische 
Architekt Henry Van De Velde 
schon 1895 in seinem ersten 
Btüsseler Haus diesen im 19. Jh. 
in Vergessenheit geratenen Grund- 
satz der einheitlichen Konzeption 
wieder angewandt. Aber beim 
Palais Stoclet handelt es sich um 
einen Bau von repräsentativen 
Ausmaßen, an dem eine Gemein- 
schaft von Künstlern unter Füh- 
rung ihres Architekten, Hotll 
mann, zusammenwirkte und dessen 
Inneneinrichtung ausnahmslos aus 
der Wiener Werkstätte hervor- 
gegangen ist. Von den Brüsseler 
Bauten der Van De Velde und 
Horta unterscheidet sich das Werk 
lltwl-Tmanns aber vor allem durch 
die hier dokumentierte Abkehr 
vom Jugendstil und seinem 
charakteristischen Zierat. Die ge- 
schwungene Linie, das von der 
Pflanzenwelt inspirierte, teils japa- 
nisierende, teils wuchernde Orna- 
ment ist bei Hoffmann einer 
Vorliebe für Gradlinigkeit, für 
großflächige Aufteilung in Recht- 
ecke und einer bewußten Schlicht- 
heit in Form und Farbe gewichen, 
die wohlrätig zur Kostbarkeit 
des verwendeten Materials 
vielfach weißer und schwarzer 
Marmor und vergoldete Bronze - 
kontrastiert. 
lintwicklungsgeschichtlich ist es 
durchaus verständlich, daß 
Umschwung zur Einfachheit in 
dieser speziHschen Form von Wien 
ausging. Hier hatte sich nach 
den Napoleonischen Kriegen jener 
Stil entwickelt, der, auf klassi- 
zistischen Maßen gründend, allen 
falschen Pomp des Empire bei! 
seite räumte und später, Bieder- 
meier genannt. auch dann noch 
der 
UCb JlULlCl-llkll-lhib Luieuau 
tragen zu sein wie auf 
übrigens spärlich verteilte I 
liar. Betrachtet man die (i. 
front des Gebäudes (Abl 
vermeint man eine jener Kas 
vor sich zu haben, die ein 
Gehäuse bildeten für a 
Werte ihres Besitzers, für 
Briefe oder Schmuck. Hier 
es die kostbaren Kunstsam 
gen, die es, nach dem Wu 
des Bauherrn, zu umsch 
galt. Die vergoldeten Bx 
leisten, die die Älarmortl 
streng und üppig zugleich 
rahmen, geben dem Hause 
Preziöses, das im Innern i 
höhtem Maße zum Aus 
kommt. Auch hier hcrrsch 
Marmor vor. Seine Platten w 
wie Bretter edler Hölzer 
handelt, deren gewachsene: 
ster, kunstvoll gegeneinandr 
stellt, ihr einziger Schmw 
(Abb. 2). Es ist, als ob HoH 
sich auf Eindrücke 
sinnt, die er in biedermeiei 
Umgebung, im elterlichen 
großelterlichen Haus empf 
haben mag und die zun 
seines Lehrers, Otto W: 
noch im Gegensatz standen 
nicht nur zum Stil seines l.e 
Auch seine engsten Mitar 
in der von ihm geleiteten 
ner Werkstätte" scheinen 
lntentionen noch nicht ganz 
zu wollen. Beim Palais E 
gewinnt man den Eindrucl 
er ihre Mitarbeit fast absichtl 
und sehr zum Nutzen des 
zen - auf die Herstellun; 
Zutaten beschränkt habe: 
zwei schimmernde Gold 
(von O. C. (lzeschka), dor 
farbige Kachel oder eine Fa 
tigur, die einen Akzent j 
Nur Gustav Klirnt räumt 
Speisesaal großzügig Rau! 
seine goldbunten Mosaike 
die hell uncl leuchtend übe 
ernsten Iwliübeln sch 
(Abb. s). 
Dafür scheint Hotfmann sia 
ber mit schier unerschöp 
Phantasie um jede liinzelbt 
kümmert zu haben, gan 
sondets aber um die Aus 
tung der Zierleisten. Ob s 
die Außenwände des llaus: 
zuri
	        

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