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Volltext: Alte und Moderne Kunst VII (1962 / Heft 60 und 61)

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ELISABETH RUCKER Nürnberger Barock 
Zu einer Ausstellung im Germanischen Nationalmuseum 
 
Das 3C0iöhrige Jubiläum der ältesten 
Kunstakademie Deutschlands. gegrün- 
det von Joachim von Sandrart in Nürn- 
berg, wird mit drei parallel laufenden 
Ausstellungen gewürdigt, Nürnbergs 
Fränkische Galerie bietet einen Über- 
blick über die Arbeiten des Professoren? 
kollegiums und in den neuen Hoch- 
schulgebäuden stellen die derzeitigen 
Studenten aus. Die historische Ehrung 
bringt das Germanische Natianalmu- 
seum mit seiner Ausstellung ,.Barack in 
Nürnberg lßO0el750". Hier wird in 
allen Sparten künstlerischen Schaffens 
die geistige Atmosphäre aufgezeigt. in 
der es zur Gründung der Akademie 
kam, das Wirken ihrer Mitglieder und 
darüber hinaus die Taten derienigeri 
Künstler, die nur in losem Kontakt 
zur Akademie standen oder unabhängig 
von ihr ihre Werke schufen. Ein solch 
weitgestecktes Thema erlaubt es, daß 
- trotz der vorherrschenden Fülle der 
Handzeichnungen eine Mannigfaltig- 
keit von Obiekten gezeigt werden kann, 
die dieser Kunstausstellung einen kultur- 
historischen Einschlag verleiht. Obwohl 
Joachim von Sondrart mit Gemälden 
und Zeichnungen gut vertreten ist 
(Leihgaben u. a. aus München. Mailand, 
Amsterdam, Wien KHM u. Albere 
tina - Stift Lambach und Privatbesitz), 
auch seine .,Teutsche Academie" und 
die übrigen kunsttheoretischen Werke 
liegen auf, ist diese Ausstellung keine 
ausschließliche SandrarteEhrung. 
Das Künstlerregister des umfangreichen 
und gut bebilderten Katalogestt) nennt 
rund 300 Namen, die sich aber auf 
Malerei, Zeichnung. Buchgrcphik, 
Skulptur in Stein. Bronze und Wachs, 
Medaillen und Münzen. Silber. Zinn. 
Fayencen. Glas. Elfenbein, Waffen und 
wissenschaftliche lnstrumente verteilen. 
Die zeitliche Spanne von 1600 bis 1750 
umreißt die Entwicklung des gesamten 
Barockzeitalters von seinen noch ma- 
nieristisch gefärbten Anfängen an. die 
in Nürnberg in der Malerei durch den 
1616 hier anwesenden Jan Brueghel 
d.Ä., den emigrierten Niederländer 
Frederik van Valckenborch und Paul 
Juvenel d. Ä. i ebenfalls niedere 
iändischer Abstammung vertreten 
sind. sowie der Dürer-Renaissance Hans 
Hoffmanns, 
Die Mitte und die Z. Hälfte des 
17. Jahrhunderts lenken mit der 
Gründung der Akademie die Blicke auf 
ttalien, dessen zeitgenössische Kunst- 
werke ebenso vorbildlich werden wie 
die Zeugnisse der Antike. In der 
1 Hälfte des 18. Jahrhunderts treten 
neben dem akademischen Eklektizismus 
wieder selbständige künstlerische Lei- 
stungen auf. Kupetzkys Porträts, die er 
von 1723 bis 1740 in Nürnberg malte. 
sind ein treffendes Beispiel. Das Rokoko, 
das im übrigen Franken zu großer 
Blüte reifte. hat in Nürnberg keine 
Spuren hinterlassen. 
Auf dem Gebiete der Bildhauerei hat 
nur das 17. Jahrhundert durch Georg 
Schweigger Bedeutendes geleistet. Doch 
mufite sich dieser ausgesprochene Große 
plastiker mangels Aufträgen weitgehend 
dem kleinformatigen Relief oder der 
Bildnismedaille zuwenden; denn seit 
ANMERKUNG 
s) Barock IV! Nurriberg, l600-l750. Aus Ariiiiiz der 
der bildenden Kuflßlb. Aiissi-iiiirig 
16 September. Nurnbcrg 19m. 207 s. 
dem Rathausbau, der kurz vor Ai 
des KOiährigen Krieges be 
wurde. hatte die Stadt keine 
Bauten mehr in Angriff genomn 
Bildhauern zweckgebundene A 
vermittelt hatten. 
Anders liegen die Verhältniss- 
Kunsthandwerk. Hier gab es l 
wirtschaftlich schlechten Zeite 
trage und Arbeit. Freilich res 
diese Leistungen nicht aus dei 
samkeit der Akademie. Es sind 
gerade diese unakademischer 
werklichen Arbeiten, die als 
artikel Nürnberg weit mehr 
einbrachten als die Gemälde 
Akademiedirektoren Joh, Dani 
ler und Söhne. Joh. Murrer oi 
Martin Schuster, die auf 5 
folgten. So setzte um 1600 ir 
schmiedehandwerk eine Ren 
der Buckelpokale ein. Erst r 
18. Jahrhundert löste Augsbi 
benachbarte Nürnberg in der 
den Rolle auf dem Gebiete de 
und Silberschmiedearbeiten ab 
berger Edelzinn hat schon seit c 
des 16. Jahrhunderts eine i 
und erfuhr durch Caspar Endei 
Andreas Mergenthaler eine nei 
Georg Schwanhardt schnitt Orr 
Embleme und Veduten in Gläi 
Technik. die man bisher nur 
steinen übte. Zu Beginn des t 
hunderts wurde in Nürnbe 
FavencerFabrik gegründet, de 
zeugnisse ebenso über die Gre 
alten Reichsstadt hinausgingen 
gedrechsellen Elfenbeinarbeit 
schensonnenuhren aus Elfenb 
Erd- und Himmelsglaben. 
Damit ist die Verbindung vc 
und Wissenschaft gegeben. 
Nürnberg so charakteristisch 
vom beginnenden 17. bis ins ' 
hundert einen kontinuierlichen 
schlag im illustrierten wissenscr 
Buch gefunden hat, FOÜOVPFOI 
wie der „Hortus Eysteltensis" ui 
.,Hortus Nitidissimus" sind eb 
deutsam wie die kleinen bei P 
erschienenen Kupferfolgen. Bes 
tat ist mit Maria Sibylla Mei 
treten, die während ihrer Nü 
Zeit zwei ihrer Bücher edier 
Raupen wunderbare Verwa 
(t 679) und ,.Newes Blurnenbucl 
Nürnberg als Barockstadt ist ei 
incognita. Um so hoher ist das 
des Generaldirektors des Gern 
Natianalmuseums, Professor l 
wig Grote, zii bewerten, der ( 
Mühe nicht scheute, unbekan 
terial zusammenzutragen, ur 
den Mut bewies. wissenschaftli 
schen "uber populär zugkräftigi 
zu setzen, Trotz der wissensc 
Absicht ist eine auch optisch 
Ausstellung entstanden, die sovi 
Abschnitt aus Nürnbergs 
schichte aufhellt 7 wobei ein 
barer Anschluß an die A 
.,Aufgang der Neuzeit" vor ' 
geboten wird .als auch dazi 
eine "dunkle Zeit" der 
Kunstgeschichte mit Werken 
stern zu beleben, deren Vii 
bislang noch fehlte. 
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-m Germanischen Naiiiiiiriirniisr-iim vom 2i 
rriii Aisu, ss Trii. 
1 Nürnberger FCLYQHCOH. VfDuCfbECltUl Slg. llees, SIHHSSPI mii sii-rriroriiiiiiur VPFHF 
fingcrvose, Obelisk. um 1730 
Z Mirhel Hcniersarri d J.. Schcnckkaririb, datiert lSSZ 
3 Georg Schweigger. Biiste Kaiser Ferdincindslll,16S5 Wien, Kiinsthistorisches Mc 
4 Joachim von Sandrart. Spiel der Nereideri irn Slldllillttft Meer Entwurf ziir lconol 
riiiii. Nurftbffq t68O
	        

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