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Volltext: Alte und Moderne Kunst VII (1962 / Heft 60 und 61)

den Bildern von Bernhard 
gel verglichen werden, die nach 
l lebenden Modell entstanden7). 
Randdekor der Bildnisse der 
veräne besteht aus einem schlich- 
goldenen Rahmen, wie man ihn 
rs bei flämischen Manuskripten 
Zeit von 1520 bis 1540 an- 
E. 
-' der den Herrscherporträts ge- 
überliegenden Seite befinden sich 
: Wappen, die von einem nicht 
ialten Rahmen umrandet wer- 
. Sie sind von der Ordenskollane 
schlungen, an der jeweils das 
eß hängt. Links und rechts befin- 
sich in den oberen Ecken und 
er den Wappen Andreaskreuze 
l die burgundischen Feuereisen, 
denen Funken hervorstieben. 
ten stehen die Devisen: „Plus 
ltre" (Karl V.) (Abb. 2), und „Ie 
empris" (Karl der Kühne) (Ab- 
lung 3). Beim Wappen Philipp 
Guten sind die Kreuze und 
iereisen durch zwei verschlun- 
ie „E" ersetzt, die an seine dritte 
.u Isabella - lateinisch Elisa- 
h - erinnerns). 
s Buch enthält, wie wir bereits 
vorhoben, 185 Wappen von 
densrittern, die gleichfalls von 
em nicht vollendeten Rahmen 
igeben sind. Die Schilde sind mit 
rgfalt ausgeführt, aber die Helme, 
lmzierate und Helmdecken wur- 
1 nur bis Blatt 10 v. durchge- 
VCltCt. Vom Wappen von Johann 
n Cleve (Blatt 11 r) an haben wir 
mit Ergänzungen zu tun. Es fehlt 
Schild9), auf der anderen Seite 
die Reihenfolge der Wappen 
nicht immer richtig, außerdem sind 
sie manchmal unvollständig. Auf 
Blatt 39 v. ist das Wappen von 
Wilhelm von Nassau wiedergege- 
ben, der nie Ordensritter warm). 
Nach dem Katalog des New Yorker 
Händlers war das Manuskript für 
den Ordenskanzler bestimmt; als 
Meister der llluminationen wird 
Simon Bening oder ein Künstler 
seiner Werkstatt genannt. Diese An- 
nahmen basieren auf einer Rech- 
nung - der gleichen, von der wir 
bereits gesprochen haben -, nach 
der an Bening der Betrag von 
169 flämischen Pfunden für das Ma- 
len von Bildnissen der fünf genann- 
ten Souveräne und von 184 Wappen 
von Ordensrittern aus der Zeit von 
der Stiftung des Ordens bis 1537 
erhalten hatte"). Das Vorhanden- 
sein des Nassauischen Wappens, das 
Fehlen des Wappens von Bertrand 
de Cueva und die Irrtümer in den 
Wappendarstellungen beweisen, daß 
die Handschrift in Wirklichkeit die 
Situation des Ordens im Jahre 1537 
nicht widerspiegelt, und daher 
scheint es uns wenig wahrscheinlich, 
daß die erwähnte Rechnung sich auf 
unser Wappenbuch bezieht. 
Das Vorhandensein des Wappens 
des Grafen von Salm (siehe Anm. 10) 
verlegt den Terminus post des Ma- 
nuskripts von 1531, dem Datum des 
letzten Ordenskapitels, auf 1532. 
Daraus geht hervor, daß man sich 
auf den Inhalt von Wappenbüchern 
bei der Festlegung der Entstehungs- 
zeit nur wenig verlassen kann. 
Außerhalb der Zusammentritte des 
Kapitels gab es nämlich andere 
Sessionen, bei denen jene Ritter ge- 
wählt wurden, die die Plätze der- 
jenigen einzunehmen hatten, die der 
Berufung in den Orden nicht gefolgt 
waren; der Zeitpunkt dieser Sessio- 
nen ist in den Wappenbüchern ie- 
doch nie erwähnt. Und gerade eine 
dieser Sessionen kann einen Termi- 
nus ante quem unseres Manuskriptes 
erstellen. Während der außerordent- 
lichen Versammlung des JahrcS154Q 
wurden Rene de Chalon, Fürst von 
Oranien, und Maximilian von Eg- 
mont, Graf von Buren, zu Riffem 
gewähltll). Da die Wappen (11656! 
Herren im Wappenbuch von Brüssel 
nicht aufscheinen, rnuß dieses in die 
Zeit vor 1540 datiert werden. Der 
Titel „Statthalter von Friesland". 
der im Gefolge des Namens des 
Ritters Georg Schenck, Herr von 
Tautenburg, aufscheint, gestattet 
uns eine weitere Präzisierung des 
Entstehungsdatums unserer Hand- 
schrift. Da dieser Ordensritter im 
Jahre 1535 zum Statthalter von 
Friesland erhoben wurde 13), ist die 
Entstehungszeit des WappenbuChcS 
auf die Zeit zwischen 1535 und 1540 
eingeengt. 
Wenn die Handschrift auch unbe- 
zweifelbar flämischer Herkunft ist, 
wie die Goldrahmung der POIIIÄIS 
und die Titulatur der Souveräne 
beweisen, muß doch zugegeben 
werden, daß uns der Illuminator 
selbst unbekannt bleibt. Schreiben 
wir das Werk nicht zu voreilig 
Bening zu! Im 16. Jahrhundert 
waren in Flandern zahlreiche be- 
deutende Miniaturisten tätig, deren 
Namen uns meist unbekannt sind. 
( Übersrlzl v 
u Dr.  Köller 
JMERKUNGEN: 
U. a. bei den Ordcnsaumtellungen in Brügge 1907 und 1962. 
GHELLINCK VAERNEWYCK (Vicomrc de). Bibliographie d: l'Ordre de la Tnison d'Or, in: Bulletin d: lhkcadeuiic lloyalc därcheologie de Belgiquc. 
1907, S. 212-36. 
G. HULIN DE LOO, Qcelqucs nole: de voyage, in: Bulletin de mmdernie koyalc de Bclgique, Clasc des Beaux-Aru, 19215. 104. -- Da die erste Nieder- 
schrill des Manuskripte: bei den Rittern von Chalon und von Egmom endel, mull das Buch nach 1540 entstanden sein und kann daher kaum in einer Rccha 
nung von 1537 außcheinen! 
Fifry mcdiaeval and renaisance manuwripß, New York. 0.1., 5416-87, Nr. 39. Gegenständliche Bcsdireibung: 40 Blatt Pergamcnf. 1831x135: cm, 
und drei Schulzblätter, von denen zwei ilß Papier. am Buchbeginn. und drei Schutzhlärlcr. von denen zwei aus Papier, am Buchschluß; gotische 
Dokumcnurschrih „de civilite" von ein- und denselben Hand; Samrcinband auf Kartonkem. Goldschnitt. 
Die anderen Souveräne tragen zu seilen ihres Haupllitels die Erwähnung „Comic de Flandre" (siehe Umschlag). was armehrnen lißt, daß das Manu- 
skript am den Niederlanden slarrum. 
Nur Philipp der Gute und Karl der Kühne tragen "Poulaines". das sind Schuhe mir aufgekrümxnlen Spitzen, wie sie im l5.Jh. sehr in Mode waren. 
L. v. Baldas. Die Büdnisse Kaiser Maximilians 1., in: Jahrbuch der Kuxulhistorischm Sammlungen. 31, 1913114. 5.26611. 
Nach S. Schneebalg-Perelirian scheinen die beiden Buchstaben den Ort anzugeben. wo sich das von Gidcon angebotene Opfer vollzogen hat, nämlich 
Ephra-Fzi. Siehe den Artikel ..La tenlurc arrnoriäc de Philippe le Bon ä Bcrnc" in: Jahrbuch des Bemischen Historischen Museums in Bcm,J9-4(l. 
195971960. 5.146. 
Das von Berrrand d: In Cucva. Herzog von Albuquerquc. 
im Dezember 1532 harre der Kaiser bßchlouen. den Grafen von Nassau und den Grafen Nikolaus von Salm NlSlCllt von Joachim Markgraf von 
Brandenburg und Ludwig Pfalzgraf bei Rhein in den Orden aufzunehmen. Der Nasiiiler lehnte ab. doch Nikolaus von Salm akzeptierte und clnpling 
die OfClChSkDLlillC. 
Diese Rechnung ist veroienllicht von A. Pincharl. Archivcs du Arm. des sciencvs cl des lcurcs, in: Messager des scicnrcs hisroriqurs, 1855, S. 109. und 
von J. Waele, in: L: Bdfroi. Bd.2, S. 309. 
F. de Reilfenberg, Histoire de YOrdre de la Toison d'Or. Bruxelles, 1830. S. 3867387. 
Th. Frimmel u. J. Klemme, Ein Stalulenbuch des Ordens vom Goldenen Vließe, in: Jahrbuch der Kunslhistorischcn Sammlungen, 5, 1887, S. 321.
	        

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