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Full text: Alte und Moderne Kunst VII (1962 / Heft 62 und 63)

der Liebe; bei Toulnuse-Lautrec wird sie mit 
fürchterlicher Kälte sozusagen aus der Keller- 
perspektive beobachtet, bei Munch ist sie lwHinungs- 
los, ersehnt und doch nietlergetrampelt von einem, 
der selbst liebesunfähig ist, Klinger hängt ihr ein 
billiges mythologische: Mäntelchen um (jede Venus 
sieht aus wie eine ausgezogene Frau Feldwebel), 
Beardsley beschäftigt sich mit ihr im Zeichen 
erzböser, zyniscber, zugleich sublimierter und ge- 
meiner Lüsternheit, und Klimt . . . 
Für Klimt ist die Frau ein Gefäß der Lust und der 
lnbegrifT dessen, was die Sinne dem Menschen m1 
Genuß zu schenken vermiägen. Es wäre Heuchelei, 
iiber diesen einen Wesenszug seines Schaffens hin- 
wegzugeben. Das Ölgemälde „Danae" (1905[O8, 
Privatbesitz, Graz) ist von Triebhaftigkeit durch- 
bebt bis ins Letzte, jede Geste, jeder Linienschwung, 
jedes bißchen Ornament ist verfeinerte, nicht mehr 
zu übersteigernde Whllust. ln seinen Zeichnungen 
4 es gibt Tausende von ihnen, die schönsten sind 
 
 
 
(x Liegender weiblirhcr Akt mit Halskrcluse. Um 1907. 
München. Wolfgang Gurlil! 
7 Sixzcndm Mädchen mir gusenkrem Hlupl und langen 
Haaren. Um 1903. Wim, Dr. Ltopuld 
3 (kwnndsludic zum Bildnis Fmu Bloch-Bzucr, 19U7. 
Wien. Alhcni 1a 
derzeit in der Albertina zu sehen - gleitet er mit 
liebkosendem, vibrierendem Stift den Konturen des 
weiblichen Körpers nach, und es ist nicht zu viel 
behauptet, wenn man in jedem dieser Blätter 
spontanes Erleben zu vermeinen glaubt. 
Genuß ist bei Klimt etwas, das um seiner selbst 
willen gesucht werden muß, Genuß ist Sinn und 

	        

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