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Volltext: Alte und Moderne Kunst VII (1962 / Heft 62 und 63)

einmal scheinen Brücken von Raimunds „Bauer als 
Millionär", ja dem „VersehxvendeW zu ienem Wiener 
einer apokalyptischen Endzeit geschlagen. War auch 
nicht er der Protagonist einer Gesellschaft empor? 
gekommener Verschwender? Es mag an dieser 
Stelle sogar die Vermutung geäußert sein, Klimt 
könne unter die Vorläufer des Existentialismtls 
gezählt werden. 
Klimt hatte mitten in einer Zeit, der jeglicher echter 
Sinn für das innerlich Große abging, Kraft zur 
monumentalen Form, er kann zu den letzten echten 
Freskanten gerechnet werden. Die innere Voraus- 
setzung hiefür ist in der vollendeten Entspanntheit 
seiner Schöpfungen zu suchen. Da sie ldäryerlos 
sind, kennen sie auch keine Schwere, sie schweben 
in der Fläche, ja sie haben keine innerlich spezili- 
zierte Dimensionalität, sind „Erscheinungen", die 
Vergrößerungen und Verkleinerungen vertragen, 
darin Diapositiven vergleichbar, die man projiziert. 
Diese Eigenschaften sind gerade bei Klimts zauber- 
 
 
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Siudiü zum Ölbild „Die Juiigrmi". 1012. i 
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uiii 1913. Wien, Dr. Leopold 
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haften Landschaften nicht zu übersehen. Schon die 
Unentschiedenheit des Formates, das gerne dem 
Quadrat zustrebt, ist ein Symbol für die Passivität 
und Entspanntheit der Komposition. (lerne denkt 
man angesichts von Landschaften an Theatervor- 
hänge; sie sind die einzig mögliche Kulisse für 
seine Menschen in all ihrer sinnlichen lrratiunalität 
und weltlichen Transparenz. Bereiche des Paradnxen 
scheinen hier angeschnitten. 
Klimts Schüler (wenn man die nun zu Ncnncnden 
so bezeichnen kann) lassen die Welt ihres Meisters 
zusammenbrechen; bei Schiele ist auf einmal der 
proletarische Mensch da, seine Sinnenwelt ist von 
crharmungslnser Qual und schrecklicher Welt- 
angst. Bei Kokoschka, dem (irößeren, vermag sich 
der Genius des erniedrigten, beleidigten, bestürzten, 
von Furien gejagten Menschen in Regionen des 
Geistigen emporzuschwingen, die Klimt wohl nicht 
einmal zu erahnen vermochte. 
 
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